Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 36-37 (4.9.1919)
- Date
- 1919-09-04
- Page
- Seite 1129-1130 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1130 1 120 ~ ^VOLK UND LAND Aufforderung! Angesichts der großen politischen Erfolge der zionistischen Bewegung läßt die Leitung durch ihre Fachleute eine Einwanderung und Kolonisation propagieren, die weder den Notwendigkeiten des jüdischen Volkes, noch den Möglichkeiten Palästinas gerecht wird. Auf diese Weise ist das, was bisher als Zionismus propagiert und verstanden wurde, nicht zu verwirklichen. Wer — im Gegensatz zu diesen neuen Auffassungen — weiterhin im Zionismus die Lösung der Judenfrage durch Konzentration der jüdischen Wanderung in Palästina und seinen Nachbarländern erblickt und für die energische Durchführung der hierzu notwendigen organisatorischen Maßnahmen eintreten will, wird aufgefordert, seine Adresse an die Redaktion von „Volk und Land“, Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 35, einzusenden. VOM BAUEN UND VOM WOHNEN Bei der ausschlaggebenden Wichtigkeit, welche das Bauwesen besonders in den ersten Jahren der Entwicklung für die palästinensische Siedlung hat ist es unsere Pflicht, uns auf das eingehendste mit den Bedingungen für die ersprießliche Entwicklung der Bautätigkeit zu befassen. Wird es doch neben den großen Meliorations- und Landerschließungsarbeiten in erster Linie das Bauwesen sein, welches einen großen Teil der öffentlichen Arbeiten bilden und vielen Tausenden unserer Einwanderer Beschäftigung bieten wird. Esi hat sogar bei unseren Betrachtungen an allererster Steile zu stehen, da ja auch die für die Ausführung der sonstigen öffentlichen Arbeiten notwendigen Massen vorerst einmal untergebracht werden müssen, sei es auch nur in provisorischer Art, bevor an die Inangriffnahme dieser Arbeiten gedacht werden kann. Nachdem wir in Nr. 31 von „Volk und Land“ grundlegende Ausführungen des Architekten Dipl. Ei nie Die bevorstehende große jüdische Einwanderung und Kolonisation in Palästina erfordert in allererste Linie eine umfassende Bautätigkeit. Da das Land, das vor dem Kriege von 600000 Arabern und 100 000 Juden bevölkert war, keine überschüssigen Wohngelegenheiten für die zu erwartende Einwanderung und auch sonst keinerlei bauliche Vorkehrungen für die technische und industrielle Entwicklung, die gleichzeitig kommen wird, besitzt, so wird eine sehr starke Bautätigkeit notwendig werden, um diese Bedürfnisse ZU' befriedigen. Es wird sich bei ihr handeln: 1. um Schn e llbau ten in imassen weiser Herstellung, welche von der Leitung des Aiiisiedlungswerkes in Auftrag gegeben werden müssen, für die große Schar der armen Einwanderer aus dem Osten Europas, 2. um Wohn hausbauten für den wohlhabenderen Teil der Einwanderung, 3. um Anlagen von Siedlungen wie Kolonien, Gartenstädten, Dörfern und Städten, nach einem vorher zu bestimmenden Plane, Die Palästina Die „Palästina-Bau ge Seilschaft“ ist hier von einigen LArchitekten und Kaufleuten nach vieljährigen Vorarbeiten gegründet worden. Die Gesellschaft legt ihr Hauptaugenmerk vorerst auf die Vorbereitungen für die Errichtung der Bauten zu 1. obiger Aufzählung (Einwanderer-Wohnbauten) und will diese Tätigkeit sofort naeh ihrer Uebersiedelung, die baldmöglichst nach Oeffnung Palästinas für die Einwanderung beabsichtigt ist, in 'Angriff | Ing. Richard Michel über die allgemeinen Gesichtspunkte und Erfordernisse der Organisation 1 des Bauwesens in Palästina gebracht haben, be- | ginnen wir heute mit dem Abdruck einer längeren | Ausarbeitung der Palästina-Baugesellschaft, welche über dais Stadium der Absichten und Erwägungen hinaus zur Tat schreitet und für ihren Betrieb denjenigen Grundsätzen zur Durchführung verhelfen will und hoffentlich auch wird, welche für eine vernünftige und organische Entwicklung des Bauwesens durchaus notwendig erscheinen. Wir glaubten diese Ausführungen der Oeffentlichkeit zugänglich machen zu sollen, weil hier ein durchdachter und substantiierter Plan für eine derartige Unternehmung vorliegt, welcher ein Beispiel für mannigfache Betriebe anderer Art oder wenigstens Anregungen für den Aufbau ähnlicher Organisationen zu geben imstande und daher von allgemeinstem Interesse ist. D. Sch. itung darunter wahrscheinlich viele für Genossenschaften von Einwanderern oder vön solchen Gruppen, welche gemeinschaftlich ihre Uebersiedelung vorbereiten wollen (Achusothusw.) 4. um öffentliche Bauten, Schulen, Hochschulen, Theater, Krankenhäuser, Staats- und Gemeindeverwaltungsbauten, Sakralbauten, Wegebauten, Eisenbahnbauten, Hafenbauten (in Jaffa und Haifa), Kanalisationen und Bewässerungen, Stauwerke usw., 5. um Errichtung von Bauten für industrielle Unternehmungen, für w'elche in vielen Ländern, besonders in Rußland, England, Amerika und Palästina bereits Millionenkapitalien bereitgestellt sind, Bauma'terialfabriken, Grubenunternehmungen, Kraftwerke, Webereien, Spinnereien, Mühlen-, Oel-, Seifen-, Glas-, Zucker- und chemische Fabriken, Gemüse- und andere Konservenfabriken, Manneladefabriken, Keltereien, Druckereien, Hotels und Kuranstalten (Tiberiassee, Karmelvorgebirge, Jaffa, Seebad Haifa u. a.), endlich Geschäfts-, Büro- und Kaufhäuser. > augesellsch af t nehmen, da sie hierin die Hauptaufgabe für die Bautätigkeit der allerersten Zeit erblickt. Da diese Einwandererwohnbauten, wie oben erwähnt, wohl zum größten Teile von Aufträge der Leitung des Kolonisationswerkes sein werden, so haben wir es uns angelegen sein lassen, von Anfang an im Einvernehmen mit der bisherigen Leitung der jüdischen Ansiedelung in Palästina zu arbeiten..