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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1127-1128

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1127-1128 (sequence 8)
Language
German
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1127 VOLK UND LAND 1128 verschiedene Handwerker, Spezialisten, wie Techniker, Ingenieure, Agronomen, Fabrikanten, Lehrer. Ausgeschlossen sollen nach derselben Verlautbarung sein: „Alle anderen Elemente“, die weder Vermögen haben, noch irgendwelche speziellen Kenntnisse besitzen, und die physische Arbeiten zu verrichten nicht imstande sind. Das ist natürlich wieder blühender Maximalismus. Denn, neben den unter den Juden ziemlich zahlreichen „Besitzern eines bestimmten Vermögens“, sind auch bei uns weitaus die meisten Personen des berufsfähigen Alters mindestens im Besitze physischer Arbeitskraft, die meisten aber auch in den (in der Verlautbarung des Aktions-Komitees/ aufgeführten) Berufen, die wir für unseren Aufbau nötig haben. Die Leute „ohne Vermögen, ohne spezielle Kenntnis und ohne Arbeitsfähigkeit“ sind auch bei uns glücklicherweise nur eine geringe Minderzahl. Nach diesem Text des Aktions-Komitees käme also Palästina „für alle“ — mit wenigen Ausnahmen — in Betracht. Und es ist drollig genug, daß gerade die bisherige Erfahrung (und auch einige andere Gesichtspunkte) für die Mitberücksichtigung dieser Ausnahmen sprechen. Denn, bestand nicht gerade die bisherige jüdische Einwanderung nach Palästina vorwiegend aus Leuten ohne Geld, Kenntnis und Kraft? Ist nicht die Hauptzahl der bisherigen jüdischen Einwohnerschaft gerade im Chaluka-Element zu finden? Haben wir es wirklich nötig, nach der Eröffnung Palästinas für das jüdische Volk die Chaluka-Ein Wanderung einzuschränken? Während doch die Sehnsucht jener Elemente einen neuen Anstoß bekommen hat, und während auch die jüdische Welt in viel höherem Maße als bisher bereit sein wird, die „Verantwortung“ (nämlich die Kosten) für eine erhöhte Chaluka-Ein Wanderung auf sich zu nehmen? Andererseits haben wir in der Entwicklung Palästinas während der letzten Jahre den Beginn der Einwanderung noch eines Elementes erlebt, das ohne Beruf und ohne physische Kraft ins Land kam, nämlich die Kinder, die von ihren Eltern und Verwandten vor deren eigener Uebersiedlung nach Palästina geschickt wurden, um dort das Hebräische Gymnasium oder andere Unterrichts¬ und Erziehungsanstalten zu besuchen. Diese Kinder kamen freilich bisher nicht ohne Mittel. Soweit sogar, daß man das Hebräische Gymnasium mit Recht als die größte „Industrie“ des jüdischen Jaffa bezeichnet hat, insofern, als die Pensionsgelder dieser etwa 400 auswärtigen Schüler eine sehr große Einnahmequelle geworden waren. Aber was läge näher, als in der gegenwärtigen Lage diese Entwicklung im weitesten Maße zu begünstigen und soviel als möglich von dem jüdischen Erziehungswerk der Diaspora nach Palästina zu verlegen? (Diesi sollte in besonders hohem Maße für die Kriegswaisen und die allgemeine Waisenfürsorge gelten.) Aber einschließlich) öder ausschließlich dieser in der Verlautbarung des Aktions-Komitees einstweilen abgelehnten Elemente, hätten wir hier ein stark maximalistisches Programm, übrigens ganz im Sinne des Rechtsanwalts Rosenbaum (Minsk- Wilna), der schon auf dem Berliner Delegiertentag von Ende 1918 auf Grund seiner Kenntnis der Lage im Osten, mit größter Bestimmtheit sich dahin äußerte, daß wir eine Masseneinwanderung ganz großen Maßstabes haben werden, gleichviel ob wir wollen oder nicht, und daß auch eine Einwanderung, die zu einem Teil aus Leuten mit Kapital, zum andern aus Leuten mit Arbeitskraft bestehen wird, in Palästina ebenso von Erfolg begleitet sein wird, wie ihn das Zusammentreffen von Kapital und Arbeit überall gezeitigt hat. Sollten von dieser allgemeinen Regel gerade die Juden eine Ausnahme machen? Wollen unsere berufenen Vertreter, die der Außenwelt gegenüber den Anspruch der Juden auf ihr Land unentwegt geltend gemacht haben und noch geltend machen, gerade den Juden die Fähigkeit absprechen, aus dem Zusammentreffen von Kapital und Arbeit einen erfolgreichen Aufbau zu machen? Wollen sie diesem fähigsten und findigsten aller Völker die Möglichkeit bestreiten, eine gesunde Wirtschaft in Palästina aufzubauen — eine Hoffnung, die bisher als! die Grundlage alles Zionismus galt. Im Volke kann man sich überall davon überzeugen, daß die Auffassung von den Möglichkeiten des Zionismus — wie es nur selbstverständlich ist — durch den Spruch der Mächte gewaltig an Boden gewonnen hat. Wenn unsere offiziellen Vertreter denselben wundervollen Zeitpunkt so weit mißverstehen, daß sie jetzt (!) anfangen zu bezweifeln, was sie alle diese Jahre hindurch propagiert haben, so würde dasi nicht mehr beweisen, als die freilich fast unglaubliche Verkehrtheit, daß der L e i t u n g von heute der Gedanke des Zionismus, daß ihr die große Idee verloren gegangen ist. Vor 22 Jahren, im August 1897, einigten sich die 204 Teilnehmer des ersten Zionisten-Kongresses auf das Baseler Programm. .»• In schwerem Kampf und allzu langsam gewannen wir Freunde in der jüdischen wie in der nicht jüdischen Welt. Da kam der große Krieg. Er brachte uns das „Wunder“ des jüdischen Palästina, die übereinstimmende Anerkennung des Baseler Programms durch sämtliche Großmächte. Und diesen politischen Erfolg von schier unwahrscheinlicher Größe verschlägt unserer Leitung derart den Atem, daß sie alles von sich abschüttelt, was sie alle diese Jahre hindurch propagiert hatte. „Alle Reiche der Erde“ — wie es im letzten Satze unserer Heiligen Schrift heißt — haben uns Palästina zuerkannt Darum: (was auch ein verehrliches zionistisches Actions-Gomite dagegen sagen möge) wer dieses neueste und größte Wunder der jüdischen Geschichte versteht und würdigt — „der Ewige, sein Gott, sei mit ihm, und er ziehe hinauf 1“

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