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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1125-1126

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1125-1126 (sequence 7)
Language
German
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1125 VOLK UND LAND 1126 maßgebenden Leitern und Instanzen ebenso unbekannt zu sein, wie die von mir seit 20 Jahren gesammelten und publizierten Unterlagen für die letzten, unserem Volke und Lande angepaßten Kül'Onisationsformen. Warum ist Ruppin gegen eine von vornherein großzügige Geldbeschaffung? Warum will er vorläufig von der großen nationalen Anleihe absehen? Etwa weil er nicht die Sicherheit der Verzinsung sieht? Dann darf ich ihn vielleicht an Ruppins eigene Rentabilitätsberechnungen erinnern. Denn selbst Ruppin kann nicht umhin, für die verschiedenen Baumpflanzungen, für die sich (wieder nach Ruppin) Palästina so außerordentlich gut eignet, Rentabilitäten von 11 °/o anzugeben. Ruppin möge also — auf so einwandfreie Unterlagen gestützt — ganz ruhig eine Anleihe von 2 Milliarden Frcs. aufnehmen und 1 Milliarde in diesen Baumpflanzungen anlegen. Wenn dann selbst aus der zweiten Milliarde gar nichts herauskäme, so hätte er doch schon aus der ersten Milliarde eine ßVaprozentige Verzinsung für die gesamte Anleihe von zwei Milliarden und hätte außerdem nicht nur einen hübschen Teil Palästinas unter die geeignetste Form der Kultur genommen, sondern auch hunderttausenden von Arbeitskräften mittels der zionistischen Lösung zu einer Existenz verholfen. Hier sind auf einmal alle Fragen, vor denen Ruppin ratlos stand, nach seiner eigenen Formel (die er nur im entscheidenden Moment vergessen hatet), gelöst: großzügige Judenhilfe durch Masseneinwanderung nach Palästina samt ihrer Finanzierung! — Wer soll eigentlich Ruppins Unterlagen aufmerksam lesen, und darauf bauen, wenn nicht er selbst? Sonderbarer Aufbaumeister des Landes Israel, der seine eigenen Bausteine nicht zu verwenden versteht! Dabei sind diese Ruppinschen Unterlagen durchaus falsch, und zwar nach der verkleinernden Seite, die seiner minimalistischen Mentalität entspricht. Wir haben schließlich Leute im Zionismus, die sich mehr und länger als Ruppin mit Kolonialwirtschaft und mit Pflanzungsbau in Palästina beschäftigt haben. Warburg und Soskin haben im Jahre 1904 eine Rentabilität des Olivenbaues aufgestellt, bei der nicht 11, sondern 40 0 o als reiner Netto-Ueberschuß herauskamen. Dies ist fast das Vierfache der Ruppinschen Ziffer, so daß man nach dieser Unterlage zur sichern Deckung des Zinsendienstes einer nationalen Anleihe von 2 Milliarden Frcs. nur ein sehr knappes Sechstel der Summe in Baumpflanzungen anzulegen brauchte, um eine gute Verzinsung der gesamten Anleihe auch für den Fall zu haben, daß die ganzen restlichen 1^'A Milliarden von einer jüdischen (?) Verwaltung so sinnlos angelegt werden sollten, daß nichts dabei herauskommt. Wahrlich, die Ueberzeugung dieser „Ncozionisten" — wie sie Nord au nennt — leistet sich an Mißachtung der Möglichkeiten Palästinas und der Fähigkeiten der Juden mehr, ajs man Leuten gestatten sollte, die sich — ausgerechnet — die Lösung der Judenfrage auf dem Boden Palästinas zur Aufgabe und zum Beruf gesetzt haben! Sollen doch diese Herrschaften sich Tätigkeiten zuwenden, zu deren Objekten und Subjekten sie mehr Vertrauen haben. Eine hilf- und hoffnungsreiche Bestrebung wie die unsrige in dem Moment, in dem ihr die bisher fehlenden wichtigsten Voraussetzungen gegeben werden, leiten zu wollen, um ihren Sinn in sein Gegenteil zu verkehren, — all das ist ein solcher Rattenkönig von Widersinn, daß man nicht weiß, worüber man sich mehr wundern soll : über die Begriffsstutzigkeit dieser Leitung, die ihre eigenen Aufgaben so weit verkennt und ihre eigenen Unterlagen vergißt .... oder, — für den unwahrscheinlichen Fall, daß sich die Herren über ihr Vorgehen klar sein sollten — über die ... . Kühnheit, mit der sie sich den Hoffnungen und Forderungen der von ihnen Geführten entgegenstemmen . . . j oder über die Gedanken Io sigkeitder Geführten, die in einer blinden Vertrauensseligkeit mit sich machen lassen, was ihre — zwar von ihnen selbst, aber für ganz andere Zwecke gewählten Führer mit ihnen vorzunehmen geruhen? Sehr mit Recht sagt der alte Nord au (dem ich nicht oft Gelegenheit hatte zuzustimmen): „Diejenigen, die behaupten, Palästina sei nicht imstande, Millionen Einwohner zu ernähren, befinden sich im Irrtum. Nicht das Land ernährt seine Einwohner, sondern die Bewohner eines Landes sind es, die erst die Volkswirtschaft schaffen. Sie heben sie, indem sie sich der natürlichen Hilfsquellen des Landes bedienen, durch Arbeit, Erfindungen und Neugründungen. Je mehr ihrer werden, desto rascher schaffen sie den Reichtum, sowohl für den Einzelnen, wie für die Gesamtheit. Es ist njchts Paradoxes, sondern Tatsache, Aixiom: ein Land, in dem Hunderttausende Hunger leiden, ernährt Millionen. Deshalb müssen wir laut und energisch fordern, daß man uns die Tore des Landes sperrangelweit öffne, ohne uns irgendwelche Hindernisse in den Weg zu legen. Wir wollen in Massen nach Palästina kommen, ohne jegliche Einschränkung. Ein oder mehrere Jahre noch werden wir Avancen von unseren Brüdern außerhalb des Landes fordern, als Hilfe für den Ainfang. Nachher werden wir gekräftigt aus der Bedrängnis hervorgehen." Freilich — es geht Nordau nicht gut mit diesem Bekenntnis zum „unverfälschten Zionismus", den Herzls Nachfolger auf Erden so gründlich überwunden haben. Wir aber, die wir den allgemeinen Jubel über Nordaus tollste Mißgriffe in der Vergangenheit nie mitgemacht haben, sttehen nicht an, ihm in dieser Frage recht zu geben, zum mindesten hinsichtlich des Grundgedankens und seiner Ablehnung jedes Minimalismus. AUch hier sind wir in der sonderbaren Lage, uns in diesem Konflikt mit der Leitung auf deren eigene Verlautbarungen berufen zu können: ein Beweis mehr dafür, wie notwendig eine klare, öffentliche Stellungnahme des Aktions-Komitees geworden ist. Gibt doch soeben erst das Londoner Aktions-Komitee eine Erklärung heraus, nach der noch für lange Zeit in Palästina „nur" folgende Kategorien von Leuten werden einwandem können: Besitzer eines bestimmten Vermögens, Personen mit physischer Arbeitskraft,

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