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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1123-1124

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1123-1124 (sequence 6)
Language
German
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1123 VOLK UND LAND und beziehen wir unsere Brotnahrung von anderwärts, um den für [Ackerbau zu wertvollen Boden Palästinas zu intensiverer Bearbeitung heranzuziehen, so gelangen wir zu einem Mehrfachen jener ö .Millionenziffer und — unter Hinzunahme der industriellen Möglichkeiten — sogar zu einem Vielfachen. Oettinger hat den Ballodschen Schlußfolgerungen enthusiastisch zugestimmt. Kaplan v k y ist noch weit darüber hinausgegangen. Auhagen propagierte längst das Bcdenmaß eines Zehntelhektar pro Kopf (was ebenfalls 1000 Seelen pro Quadratkilometer bedeutet), das nach Oettingers richtig gestellter Rechnung hinreicht, um in nebenberuflicher Tätigkeit der Hauptarbeitskraft das doppelte Minimum des Unterhalts einer Familie zu erzielen, und das nach Soskin sogar zu „glänzender Ernährung" ausreicht und als Bodenmaß für intensivste Bewirtschaftung eher zu viel als zu wenig wäre! Man sieht: die Fassungskraft des Landes wird ziemlich einhellig von allen Seiten viel günstiger beurteilt als wir es für alle Zwecke der Gegenwart und der nächsten Zukunft nötig hätten. Wenn manche der angeführten Autoritäten durch Widerspruch oder Rechenfehler den Wert ihrer eigenen Gutachten herabsetzten, so verschlägt das wenig gegenüber der Einmütigkeit all dieser Stimmen, denen mian leicht noch eine große Anzahl weiterer hinzufügen könnte. Wenn aber manche es so hins teilen möchten, wie wenn eine solche Bevölkerungsdichte zwar möglich wäre, aber erst in einer fernen Zukunft, so wäre es erstens unsinnig, sich überhaupt in der augenblicklichen Lage, die Gegenwartsarbeit und Gegenwartshilfe erfordert, auf derart Zukünftiges einzulassen. Aber die Sache stimmt auch keineswegs. Die Libanon- Ziffern Ruppins sind Gegenwart, ebenso die ägyptische Statistik, und ebenso sprechen Oettinger und Soskin von der Gegenwart, dem h e u t i g e n Stand der Dinge und h e u t i g e n Möglichkeiten, nicht von solchen der ferneren Zukunft, deren entwickeltere Erfahrungen und Technik uns zweifellos noch ganz andere Dinge ermöglichen werden! Es ist eine Selbstverständlichkeit ersten Ranges und überdies durch die Beispiele unserer beiden nächsten Nachbar gebiete, des Libanon und Aegyptens, bewiesen, daß Palästina schon landwirtschaftlich auch den maximalistischen Einwanderern Betätigungsmöglichkeit bietet. Es ist eine zweite Selbstverständlichkeit, daß der 'Bedarf der iWeit, der durch die Zerstörungen iun,d Produktionspausen der Kriegsjahre noch außerordentlich gesteigert ist, auch auf industriellem Gebiet die Arbeit aller arbeitsfähigen Juden auf der Welt gebrauchen kann, gleichviel, auf welche Länder diese Juden verteilt sein werden. Auch ist ohne weiteres einzusehen, daß schon der Industriebedarf allein des Orients für die denkbar größten Judensiedlungen in Palästina eine völlig ausreichende wirtschaftliche Grundlage bieten würde. Es ist daher eine doppelte Selbstverständlichkeit, daß jede, für eine Einwanderung in Palästina in Betracht kommende Judenziffer dort aut dem doppelten Arbeitsdfelde von, Landwirtschaft und Industrie weitreichende materielle Unterlagen findet. 1124 J Mehr als je ist es auch klar, daß jede schafj fende Hand heute ein wertvolles nationales und I wirtschaftliches Plus ist, — und die Millionen I Plus, die wir jetzt in Palästina konzentrieren | können und müssen, sollten nicht imstande sein, zu existieren und eine nationale Anleihe zu verzinsen? Manche meinen, all das sei zwar richtig, aber | cs brauche eben viel Zeit. Diese Meinung ist j grundfalsch. Sofort ist jede schaffende Hand nutzbar zu machen, und je eher, je besser. Was unsere Juden in Amerika (wenn man sie dort zuließe) oder im neuen Rußland (wenn es zur Wirklichkeit würde) schaffen und produzieren würden, das können sie in Palästina (das ihnen offen steht) genau SO gut und ebenso schnell. Freilich — die kleine Einwanderung von früher erschwerte es, in Palästina die großen Arbeitsgelegenheiten und' Einrichtungen zu schaffen, die in Amerika vorhanden und fortwährend neu im Entstehen waren. Aber die große Einwanderung von heute ermöglicht die Schaffung großzügigster, „amerikanischer ‘ Arbeitsgelegenheiten ... sie zwingt sogar dazu! Was soll man zu den sozialen und wirtschaftlichen „Erkenntnissen" sagen, die aus den Veröffentlichungen unserer Leitung und ihrer Fachleute hervorgehen? Von den 'Arbeitern, die sich in Palästina in jeder Hinsicht „opfern" sollen*), verlangt die Leitung, daß sie die — heute recht hohen — Mittel zur Ueberfahrt selbst stellen. Oettinger verlangt sogar noch mehr: sie sollen auch das ganze Jahr hindurch von Eigenem leben und erst für die Arbeit des zweiten Jahres mit Gewährung des Unterhalts (Nahrung und Kleidung) entlohnt werden! Was für Begriffe von der finanziellen Lage einer ostjüdischen Arbeiterschicht, und was für Begriffe von dem Wert — besonders dem heutigen — auch ungelernten Arbeit! Und was für Ideen von dem Kapitalbedarf selbständiger Ansiedlung! Immer noch — wie wenn nichts geschehen wäre — operiert die Leitung mit einem Kapitalbedarf von 25 000 l^cs. für eine bescheidene Achusa-Existenz. Daß man Oettingers Rechenfehler nur richtig zustellen braucht, um auf einen Kapitalbedarf von 5000 Frcs. zu kommen, Idaß selbst Ruppin — und ohne Richtigstellung — für seinen Kleinsiedlertypus nur 12 000 Frcs. anfordert, ist, scheints, der Leitung nicht bekannt. Daß selbst Warburg eine Gelderfordernis von 2500 Frcs. für die Ansiedlung Ln Palästina lebende, und von 5000 Frcs. für von außerhalb kommender Familien propagiert hat, weiß die „Leitung" ebenfalls nicht. (Was für Autoritäten kennt sie eigentlich?) Daß Soskin ein Landerfordernis von einem halben Hektar als neues Ziel unseres Idealtypus intensivster Bewirtschaftung propagiert, (und daß auch das Soskinsche Gelderfordemis wahrscheinlich dem Oettingerschen sehr nahe sein wird), daß der von uns viel zitierte Auhagen seit vielen Jahren mit ähnlichen Flächen und Ziffern rechnet, alles das — aber auch alles — scheint unsern *) Welch absurde und unzionistische Auffassung, wo doch gerade unsere Besten aller Stände es als ein Opfer ansehen, nicht bereits in Palästina sein und an dem dortigen Aufbau teilnehmen zu dürfen.

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