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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1119-1120

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1119-1120 (sequence 4)
Language
German
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1119 VOLK UND LAND 1120 langen, daß die Herren erklären, weshalb sie Herzls Standpunkt (dem sie zujubelten, als er unmöglich war), ablehnen und als ein Verbrechen am Volke brandmarken, seitdem die politischen Möglichkeiten gegeben sind. Sie müssen sich dazu äußern, daß die von ihren Autoritäten gelieferten Unterlagen von kritischeren Köpfen lund besseren Kennern als in den Grundauffassiungen falsch, in der Nutzanwendung inkonsequent und sogar — in dem nötigen Abstand von dem eben Gesagten — im einfach Rechnerischen als absurd nachgewiesen wurden. Es ist gewiß schlimm, im Augenblick, in dem alles zur Tat reif sein sollte, die Vorbereitungen als untauglich erklären zu müssen, aber es wäre noch ungleich schlimmer^ im Interesse einer „Autorität der Leitung" oder zur Vermeidung neuer Organisation im dringendsten Moment der Realisierung es bei Anschauungen, Grundlagen und Systemen lassen zu wollen, die von vornherein den Erfolg au&schließen. Wir müssen auf schnellstem Wege dahin kommen, die Uebereinstimmung von Zionismus und jüdischer Gesamtpolitik, von Palästinaarbeit und Volkshilfe, von Partei und Bewegung wieder herzustellen. Tatsächlich gibt uns der Spruch der Mächte die Möglichkeit, in Palästina und seinen Nachbarländern, angesichts der bevorstehenden 'Massenwanderung, eine Politik der Sammlung lii größtem Maßstabe durchzuführen. Dem steht weder eine zu geringe Fassungskraft Palästinas, noch eine zu geringe Eignung oder Vorbereitung der Juden, noch a/uch der Mangel an Mitteln entgegen. Die Sache ist durchführbar, wenn auch die bisherige Leitung mit ihren unzulänglichen Anschauungen, Mitteln und Fachleuten vor der Größe der Aufgabe kapituliert. Die Mittel und Wege zur Durchführung sind auch bekannt, wenn auch die minimalistischen Gehirne ihnen verschlossen (sind oder Bich (ihnen ängstlich verschließen, ebenso, wie sie versuchen, das zionistische Publikum in jeder Weise von den besseren, mutigeren und zionistischeren Erkenntnissen fernzuhalten. j Es ist im höchsten Maße erstaunlich und betrüblich, wie wenigen die Gabe verliehen ist, Hauptsächliches und Nebensächliches z*u unterscheiden und auseinanderzuhalten. Meine Auseinandersetzungen mit Oettinger und Ruppin sind von unglaublich Vielen so mißverstanden worden, als ob es' sich eigentlich nur um Rechenfehler, um Hühnerstallkonstruktionen oder Rizinusfütterung gehandelt hätte. Während in Wirklichkeit es um nicht mehr oder weniger ging, als um die grundlegenden Fragen des Zionismus — ja sogar der jüdischen Welt. j Allenfalls könnte man fragen, weshalb in diesem Streit, wenn es doch sich um grundlegende Hauptj tragen gehandelt hat,—solche Nebendinge überhaupt! herangezogen wurden. Aber hier spricht eben die j peinliche Erfahrung mit, daß das unzuverlässige j Funktionieren des Denkapparates an nachweislich j fehlerhaften Einzelheiten für die Meisten deutlicher in die Erscheinung tritt, als fehlerhafte Grundlagen. Denn ein grober Rechenfehler oder eine sachliche Einzelabsurdität sind leichter und deutlicher festzustellen als jene. Ueber die ' falschesten Grundlagen lassen sich immer noch ganze Bücher und Literaturen zusammenschreiben, während krasse und nachweislich fehlerhafte Ein- | zelheiten nicht mehr zu vertuschen sind und bei | gruppenweisem Auftreten den Urheberin Iden Augen j des Publikums auch für die Beurteilung prinzipieller Dinge diskreditieren. Wenn wir also auf Grund der Unterschiede in den Auffassungen zwischen Maximalisten und Minimalzionisten von einem Scheid ewege sprechen, so hat das fast nichts mit den kleinen Einzelheiten zu tun (die doch — leider — auf die Meisten den stärksten Eindruck gemacht haben), sondern tat- | sächlich mit der Kluft zwischen den Grundlagen und Gründanschauungen, die unsere Wege scheiden müssen. Der Beweis dafür, daß es sich in der Tat um die grundlegendsten Dinge handelt, sei im Folgenden noch einmal zu geben versucht. „Für das jüdische Volk (und nicht für einen Bruchteil oder für eine Auslese oder für sonst etwas Minimalistisches) erstrebtderZionismus die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Pal ästin a.“ Dem Mißverständnis, als sollten durch dieses Programm sämtliche Juden der Welt veranlaßt werden, sich in Palästina niederzulassen, suchte HerzI, ohne Widerspruch zu finden, dadurch zu begegnen, daß er jahrelang am Kopfe der „Welt" statt des 1 e g i t i men Programmsätzes die Formulierung anbrachte: „für diejenigen Juden, die sich in ihren Wohnländern nicht assimilieren können oder wollen." Auch in meinem Versuch der Verbesserung des zionistischen Programms („Der Weg" 1903) wird gefordert: „Die Konzentration der Judenwanderung in Palästina und seinen Nachbarländern." Hatte also Herzl die Inkongruenz des kleinen Palästina mit der gesamten jüdischen Nation dadurch zu vermeiden gesucht, daß er die Palästina- Lösung nur aiuf einen Teil der Judenschaft beschränkte, so hatte ich neben dieser Selbstverständlichkeit das Landprogramm sinngemäß erweitert — eine Forderung, die nach vielen Kämpfen schließlich in alle neuere Formulierungen des Landprogramms übernommen worden ist. Aber, sowohl das „legitime Programm", wie seine „authentische Interpretation", wie auch seine kritische und verbesserte Formulierung stimmen darin überein, daß zum mindesten die Lösung der Judenwanderungsfrage im palästinensischen Länderkreise liegen soll, und daß nicht etwa das „bewährte" Amerika oder das fragliche neue Rußland den Hauptstrom der Wanderung aufzunehmen hätte, während nach Palästina allenfalls ein kleines Wässerehen strömen sollte. — Dies aber ist die Weisheit, die uns heute von merkwürdigen Vertretern der zionistischen Organisation gepredigt wird. E>er Zionismus hat sich an die ganze jüdische Welt und an jeden einzelnen Juden gewandt. Nicht für einen fremden Zweck, sondern für jeden einzelnen Juden selbst, und nicht für einen fernen Zeitpunkt, sondern für die unmittelbare Gegenwart. „Noch in diesem Herbst werden die Massen sich in

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