Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 36-37 (4.9.1919)
- Date
- 1919-09-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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VOLK LAMD •juedisc^^B^Mnschrift FUER POLITIK. WIRTSCH/ܧF UND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN VON DAVIS TRIETSCH 4./11. SEPTEMBER 1919 HEFT 36/37 I. JAHRGANG DER ZIONISMUS AM SCHEIDEWEGE Von Davis Trietsch. Während im Osten und Südosten Europas die Massen unseres vielgeprüften Volkes in einer Agonie dahinleben und dahinsterben, wie nie zuvor, versucht der offizielle Zionismus sich um die Entscheidungen und um die Verantwortungen herumzudrücken, die sein Programm und seine Vergangenheit ihm auferlegen. Wir wollen unser Möglichstes tun, ihn zu zwingen, sich zu erklären. Dabei wollen wir — in Erinnerung an die großen Erwartungen, mit denen wir das Auftauchen dieser Bewegung vor mehr als 20 Jahren begrüßt haben, und auch in Respektierung unserer eigenen (wenn auch auf Schritt und Tritt behinderten) Mitarbeit an ihrer Verwirklichung — die bisherigen Aeußerungen des offiziellen Standpunktes noch nicht als definitiv und maßgebend erachten. Denn sonst stünden wir bereits vor dem Bankrott der zionistischen Bewegung, die an ihrem unerwarteten Erfolg zugrunde gegangen wäre. Das Bild von heute, — das wir, wie gesagt, aus allerlei Nachsicht und Rücksicht noch nicht als definitiv annehmen wollen — ist folgendes; Der Weltkrieg hat „das Wunder des jüdischen Palästina“ gebracht. Das Wunder der IJebereinstimmung aller Mächte zur Wiederaufrichtung unseres Volkes in seinem Lande. Herzls „unmöglicher Charter“ ist durch den Weltkrieg in einer noch viel weitergehenden Weise zur Wirklichkeit geworden. Angesichts dieser politischen Lösung unserer Frage, die wir umso dringender brauchen, als wir gleichzeitig der größten jüdischen Not gegenüberstehen, die jemals war, liegen von — im gtouvernementalen Sinne — maßgebender zionistischer Seite vorerst nur Aeußerungen in der einen Richtung vor, daß Palästina für absehbare Zeit nur einen ganz geringen Teil des zu erwartenden Wandersturmes aufnehmen könne; der größte Teil der Auswanderung müßte nach Amerika oder nach den mittel- und ostrussischen Gebieten gehen. Also weitere Zerstreuung anstelle der Sammlung in Palästina! Der Zionismus nicht die Lösding der jüdischen Wanderungsfrage, sondern von seinen eigenen Wortführern zu einer kleinen T e i 11 ö s u n g herabgewürdigt und bagatellisiert. Daneben allenfalls — um die sogenannte „Würde“ eines derart mißverstandenen Zionismus zu wahren — die Vernachlässigung der nicht palästinensischen Lösungsmöglichkeiten und die Vortäuschung eines werdenden Staates, der bereits der ganzen jüdischen Welt Steuern und Kontributionen auferlegt, wie wenn diesem an Verständnis und Tatkraft verkümmerten Organismus die Führung und der kleinen palästinensischen Teil- Lösung die höchste und überragende Bedeutung in der ganzen jüdischen Welt zukäme. So und nicht anders präsentiert sich das gegenwärtige Bild. An der neuen zionistischen Leitung ist es, schnell und deutlich zu zeigen, daiß sie mit den Anschauungen, Methoden und Autoritäten der bisherigen Leitung — soweit cs sich um die politische, wirtschaftliche und soziale Realisierung des Zionismus in Palästina handelt — nichts zu tun hat. Aber es ist die höchste Zeit, sich in der entschiedensten Form hierüber zu äußern, wenn der Zionismus die Konsequenzen aus seinen Programmen und seinen Verheißungen zu ziehen bereit ist. Das Volk muß wissen, woran es ist, ob es sich auf Pa lästin a ein zu richten hatoderauf Amerika und Rußland, auf Sammlung oder auf Zerstreuung, auf Wiederbelebung oder auf Untergang. In diesen Heften sind Vertreter beider Richtungen reichlich zu Wort gekommen. Herz! und Nordai* erschienen als Maximalisten stärksten Kalibers. Daneben ist der minimalistische Standpunkt der Offiziellen von heute in Haupt- und Nebensachen, in der Weltanschauung und in den Rediemmethoden, in positiver und in kritischer Form, rettungs- und widerspruchslos widerlegt worden. Man scheint sich nun auf der anderen Seite mit „vornehmem,1 Schweigen“ helfen zu wollen, indem man sich tot stellt, um nicht zeigen zu müssen, daß man tot ist. Wir können uns aber damit nicht begnügen, sondern müssen von den Herren kategorisch fordern, daß sie in diesem entscheidenden Augenblick zu diesen entscheidenden Fragen in klarer Weise Stellung nehmen — (und sei es auch keine andere, als die Stellungnahme der Resignation. Wir müssen ver-