Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1919)
- Date
- 1919-08-28
- Page
- Seite 1113-1114 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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1113 VOLK UND LAND 1114 port möglich ist, ein auffallend großer. Die Zahl derjenigen, die trotz aller noch vorhandenen Schwierigkeiten schon jetzt abströmen, wird von der „Times" auf 30 000 im Monat angegeben und demselben Blatt zufolge wurde berechnet, daß der Ausfall bei regulären Transportverhältnissen bald 2 Millionen Mann erreichen kann. Auch berichtet das Arbeitsnachweisamt der Vereinigten Staaten, daß trotz der Demobilisation an manchen Orten bereits Mangel an Arbeitern herrscht. Diese Situation stellt im Hinblick auf diie Aufrechterhaltung der industriellen Position, welche die Vereinigten Staaten im Kriege errungen, haben, ein sehr ernstes Problem dar. Es kann leicht sein, daß alle Furcht vor Bolschewismus und germanischer Propaganda zurücktreten und ran seiten der Regierung die europäische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten anstatt der beabsichtigten Hemmung bald wieder die weitestgehende Förderung erfahren wird. Allerdings ist dabei mit dem Widerstand der Arbeiterschaft zu rechnen, welche bei den großen, jetzt begonnenen Kämpfen, namentlich um die Sozialisierung, die Abnahme der ausländischen Arbeiterkonkurrenz als eine große Stärkung ihrer Position an sieht. Sabbatruhe im Staate New-York In der ersten gesetzgeberischen Körperschaft des Staates New York wurde ein Gesetzprojekt betreffend das Recht der Juden, Samstag geschlossen zu halten 1 und dafür Sonntag zu arbeiten, fast einstimmig angenommen. Es ist Hoffnung vorhanden, daß während der nächsten Session dieses Projekt auch durch den Senat des Staates New York angenommen werden wird. So wird endlich das Recht der zwei Millionen Juden anerkannt werden, die Sabbatrühe einzuhalten. Dieses 5 Gesetz wird auch die anderen Staaten, in denen sich | eine zahlreiche jüdische Bevölkerung befindet, beeinflussen, so daß man sicher annehmen kann, daß, falls i dieses Projekt in New York Gesetz wird, auch die anderen Staaten nachfolgen werden. Eine Schule für arabische Kinder In einem in der Nähe der Kolonie Rosch-Pinah gelegenen arabischen Dorfe hat der Verwalter der Kolonie eine Schule für die arabischen Kinder gegründet. Der Unterricht in Hebräisch und Rechnen wird von einem der besten Lehrer der Schule in Rosch-Pinah, der Unterricht in Arabisch, Koran und Religion von zwei Scheichs aus dem Dorfe selbst erteilt. Die Schüler machen gute Fortschritte. Die Aeltesten sowie die anderen Bewohner des Dorfes bringen dieser Gründung sehr viel Vertrauen entgegen. Die Einwohner der benachbarten Dörfer wandten sich an die Schulverwaltung mit der Bitte, auch in ihren Gemeinden Schulen zu errichten, in denen jüdische Lehrer aus Rosch-Pinah unterrichten sollen. (K. Z. B.) BUECHERBESPRECH UNGEN Die Krisis des Zionismus In seiner überaus lesenswerten Schrift „Judentum und Zionismus“ (Frankfurt a. M. 1919, J. Kaufmann, 42 S. 8°) stellt Dr. Eduard Strauß eine „innere Krisis des Zionismus“ fest. Strauß sagt a. a. O. S. 36, Z. 8 von unten bis S. 39, Z. 9 von oben: Hat sich zur Zeit der Emanzipation der einzelne Jude zu assimilieren versucht und sich dabei von seinem Eigengesetz getrennt, so assimiliert nun der Zionismus die Judenheit in der Form eines realen Volkes den Völkern. Es muß dabei notwendigerweise den nach meiner Ansicht einzigen und echten Inhalt des Judentums — die Lehre, die gerade aus dem Stamm, aus dem Volkhaften in der Geschichte das gemacht hat, was es in Wahrheit ist, ein heiliges Volk — zu einer Sache i realer, hiistorisch-begrenzter Kultur machen; der Zionismus verkehrt den Wertrang in den geistigen Elementen j dies Judentums, und daraus leite ich die Berechtigung j zu der Behauptung her, daß der Zionismus, als eine! hsitorisch bedingte, psychologisch verständliche Erschei- | nung, eine innere Krisis birgt. Denn diese Verkehrung der geistigen Elemente führt dazu, unter Judentum eine Angelegenheit gleichen (und deshalb in ihrer Sphäre auss chließenden) Wesens zu sehen, wie etwa unter I Deutschtum (sofern dies die Einheit einer deutschen Kul- | tur bedeutet). Aber eä sind nicht die menschlichen immer j noch relativen Gegenstände einer wirklichen, Kultur, die I au® Judentum und Judentum eine Einheit machen, sondern dies ist das Besondere der Einheit: nur die heilige! Lehre, der Glaube, gibt hier einer ^»tammesgemeinschaft den auszeichnenden, echt solidarischen Sinn, der an sich mit eigener Kultur nichts zu tun hat, nicht aus Lebensgemeinschaften sich entwickeln kann und von i irgendwelchen räumlich-zeitlichen Ausformungen derselben unabhängig bleibt. Wird (was nicht anzunehmen ist) der Zionismus nicht etwa über seinen Wirklichkeiten der Lehre vergessen, so muß der Sinn des Judentums über ihn hinauswachsen. Die innere Krisis muß offenbar j werden, sofern nicht Gott die Tage des Judentums j gezählt hat, und es uns nun bestimmt ist, das nachzuholen, was vor zwei Jahrtausenden nicht eingetreten ist, als Nation und Staat zusammenbrachen, als die Glieder des Stammes über die Erde verstreut wurden — und was der Judenheit zuteil geworden wäre, wäre sie kraft der Thora nichts anderes, nicht mehr gewesen, als ein Volk des Orients mit einer orientalischen Kultur schlechthin. Es bleibt sidi völlig im Endeffekt gleich, ob aus einer subjektiv-erneuerten, Religiosität heraus, so wertvoll diese auch sein mag, die Volkseinheit als reale, schließlich auch politisch reale erwachsen soll, oder ob die politisch zu schaffende Einheit eines Volkes im Bunde der Völker die jüdische Religion erneuern soll. In jedem Falle stehen Volk und Nation mit ihrer Kultur als Selbstzweck vor der Religion. Das, was in Ehrfurcht urtd tiefster Demut vor dem schwersten aller Schicksale „Sendung des Judentums“ genannt werden darf: das Volk des Schicksals für die Religion zu schaffen, wird entgöttlicht, wird zum „entwickelten“ Kultur- und Naturgebilde. Das „innere Volk“ verliert seine Sonderstellung in der Geschichte und zu aller Kultur überhaupt, indem es mit dem Maßstab eines realen Volkes gemessen wird und indem „Jude-Sein“ dem Wesen nach irgendeiner völkischen und nationalen Wirklichkeit gleichgesetzt wird. Nie und mit keinen Mitteln kann der Besitz der Lehre, kann der wahre Inhalt des Judentums zum Teilstück (und wäre es das größte) einer Nationalkultur gemacht werden. Es scheint mir notwendig, auf diese Darlegungen im einzelnen einzugehen. Ich beginne bei den Worten: „und es uns nun bestimmt ist, das nachzuholen, was vor zwei Jahrtausenden . . . .“ Nach Strauß ist die Erhaltung des Judentums ein Sonderfall, ein s p e c i m e n sui generis und besondere Heilstat der Vorsehung. Ich vermag nicht zu folgen, zeigt doch die Parallele der Parsen, daß es sich in Wirklichkeit völlig anders verhält. Als im Jahre 651 n. Chr. Jesdegerd III., der letzte Perserkönig, durch Mörderhand starb, zerstreuten sich seine treu an der Religion Z a r a t husch t ras