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Volk und Land · 1919-08-28 · Heft 35 (28.8.1919) · p. Seite 1097-1098

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 35 (28.8.1919)
Date
1919-08-28
Page
Seite 1097-1098 (sequence 9)
Language
German
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VOLK UND LAND 1097 Erbpächter enthält. Die Meliorationen werden ja immer in der Hoffnung gemacht, daß ihre Früchte nicht mir zur Verzinsung und Tilgung der darauf verwendeten Kapitalien ausreichen, sondern auch weitere Gewinne abwerfen würden. Gerade dieser Mehrertrag' ist es, der als starker Ansporn zu Meliorationen dient und die wohlverdiente Prämie für die Fortschrittsfreandliehkeit j und Rührigkeit des Landwirts bildet. Durch die } Schaffung einer Höchstpreisberechnung im Falle der Veräußerung der Erbpachtstelle wird dem Erb- I pächter die Realisierung dieser Früchte seiner Melioj rationen um ein Bedeutendes gekürzt. j Diesen Nachteilen stehen aber mehrere Vorteile; einer Fixierung des Maximalpreises für die Erbi pachtstellen gegenüber. So geschieht es öfter, daß j der Veräußerer eines Grundstücks die zukünftigen Früchte der Meliorationen so hoch veranschlagt und sie so sehr in den von ihm verlangten Preis hineinbezieht (Zukunftspreis), daß er den Nachfolger um; einen bedeutenden Teil seiner Zukunft bringt. Unsere Art der Berechnung des Maximalpreises; schließt diese Art der Vorwegnahme des Zukunftseinkommens seitens des Veräußerers aus. Auch die allgemeinen Verhältnisse auf dem I Grundstücksmarkt oder wenigstens auf dem Erbi pachtmarkt werden durch einen Maximalpreis sai niert und reguliert. Der Landwirt leidet sonst unter I den üblichen Landzinsschwankungen und der damit | verbundenen Schwankung der Grundstückspreise, j Die übliche Wertung eines Gutes geht, wenn man von außerökonomischen Ursachen, die zur Erhöhung der Preise der landwirtschaftlichen Grundstücke beitragen, absieht, folgendermaßen vor sich.; Der Ertragswert des Gutes wird ermittelt und mit dem zurzeitigem Zinsfuß kapitalisiert. Aendert 1098 sich der Zinsfuß, so gewinnt oder verliert der Landwirt, der sein Gumdstück zu einem Preise erworben hat, dem zugrunde eine Berechnung nach dem früher herrschenden Zinsfuß lag. Dies ist eine der Ursachen der Verschuldung der landwirtschaftlichen Güter. Schulden, die zur Zeit eines niedrigen Zinsfußes eingegangen werden und sich ganz innerhalb einer zulässigen und erträglichen Verschuldung bewegten, können in Zeiten eines erhöhten Zinsfußes* die Existenz des Landwirts bedrücken und bedrohen. Dieses Mißverhältnis zwischen der Unveräußerlichkeit des Ertrags des Gutes und der Veränderlichkeit seiner Preise würde sich bei freien, konsenslosen Veräußerungen, bei denen die Festsetzung der Preishöhe dem freien Vertrage zwischen Verkäufer und Käufer überlassen wird, auch auf die Bewertung der Erbpachtstelien übertragen. Die Bewertung der Erbpachtstellen ginge dann in derselben Weise vor sich, wie die Bewertung sonstiger Grundstücke mit dem einzigen Unterschied, daß von der als Preis des Erbpachtgrundstücks festgestellten Summe der zum herrschenden Zinsfuß kapitalisierte Kanon in Abzug gebracht worden wäre. Durch die Festsetzung eines anderen Modus der Bewertung, nämlich des oben näher erklärten Maximalpreises werden die Erbpachtstellen dem verderblichen Einfluß der Zinsfußänderungen entzogen. Die Behörde könnte aber hinter das Licht geführt werden, indem der Käufer und Verkäufer nicht den wirklich abgemachten Preis, sondern einen Scheinpreis angeben. Um dem vorzubeugen, müßten die angegebenen Preise der Berechnung einer späteren Entschädigung bei eventueller Ausübung des Wiederkaufrechts seitens des J. N. F. zugrunde gelegt werden. Es werden sich wohl dann kaum Käufer finden, die dieses Risiko auf sich werden nehmen wollen. WIENER BRIEF Von Fleinrich Margulies. Es wäre ein Filmstück, hätte es nicht gerade für j uns eine unsagbar traurige Seite. Immer deutlicher zeigt sich, daß der Kommunismus eine ungeheure Ge- | fahr für uns bedeutet. Nicht für uns als Bourgeois, die wir die Expropriierung zu fürchten haben. Nicht einmal für uns als Juden, die wir den Sündenbock abgeben werden für alle Schandtaten von hüben wie von drüben. i Aber für uns als Zionisten, die wir das jüdische Volk ZU einem neuen Geist erziehen wollten. Zwischen diesem Geist und dem bolschewistischen gibt es keine Gemeinschaft, sie bekämpfen einander und heben einander auf. Ich sehe dabei ganz ab von der eigentlichen Idee, die dem Kommunismus zugrunde liegt. Jede Diskussion über sie ist zur Stunde unnötig und jede Frage, ob sie nicht auch im alten Judentum eine Stütze finde, gegenstandslos: denn die gegenwärtige Situation ist so, daß das Ideale notwendig aus dem Bolschewismus ausge- | schaltet bleiben muß. | Kommunismus ist nämlich, nebenbei, auch eine Be-! wegting der Enterbten, der Parias, der Tschandalas, all J jenen Ausgestoßenen, in welchen Nietzsche die Träger der Sklavenmoral erkannte. Haß und Rachsucht vergewaltigter, ausgesaugter, besitzloser Klassen, Rassen und Völker, der unglücklichsten Opfer der Vampyrpolitik von j Kriegshetzern, Ausbeutern und Pogrombestien, drängt i hier nach Herrschaft. In einer Zeit nun, wo reichlich j 90 o/o der betroffenen Völkerschaften unter diese Katej gorie der Depossedierten faßen, wo die Welt scheinbar | nur noch aus arbeitslosen Heimkehrern, Invaliden und I jüdischen Flüchtlingen besteht, isit es nur allzu selbstverständlich, daß nicht der Idealismus weniger Einzelner, sondern die ressentiments dieser überwältigenden Masse der Bewegung den Stempel aufdrücken — so sehr, daß jene Einzelnen inmitten einer, ihnen durchaus antithetischen Umgebung märtyrergleich untergehen wie Landauer, oder aber sich dem Verdacht aussetzen, daß ihr Idealismus literatenhaften oder noch weniger ehrlichen Charakters sei. Mit diesem Idealismus uns nur als Juden auseinanderzusetzen hat darum heute wenig Sinn. Vielleicht stehen wir ihm näher, als wir es uns, aus unbewußter Furcht vor seinen Erscheinungsformen, eingestehen wollen. Daß wir aber mit diesen letzteren, die, wie gesagt nicht unwesentliche Mitläufererschemungen darstellen, sondern notwendig auf Jahre hinaus das Wesen der Bewegung beherrschen müssen, nicht das Geringste gemein haben, das müssen wir endlich deutlich aussprechen. Die Juden, die in heutiger Zeit demi Bolschewismus dienen (sofern sie nicht weltferne Idealisten sind, die ihre Zeit verkennen), sind Träger des ressentiments, das bei den jüdischen Parias natürlich nicht weniger stark entwickelt sein muß als bei den nichtjüdischen; Träger jenes jüdischen Hasses, den Europa in zweitati§endjähriger Verfolgungswut ausgesät hat. Daß die Ernte so schauerlich aufgegangen ist, darf Europa nur sich, nicht den unglücklichen Opfern zur Last legen. Der jüdische Nationalismus hat einen anderen Weg beschritten. Audi er begann mit einer Abkehr von Europa. Audi er bedeutete eine Auflehnung gegen den Geist

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