Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 33-34 (14.8.1919)
- Date
- 1919-08-14
- Page
- Seite 1079-1080 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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1079 VOLK UND LAND iicli) wurden die Personalien nuigenonnnen und denselben Informationen erteilt, soweit sie dein Bureau selbst zur Verfügung standen. Personen aus der Provinz wurden Fragebogen für auswärts übergeben; sogar aus Bessaratieci stellten sich Klienten ein. Nach kurzer Tätigkeit schon konnte man den Eindruck gewinnen, daß sicherlich (ohne, jede Propaganda zirka zwei Drittel der 120 000 Juden der Bukowina ihre Bereitschaft erklären würden, nach Palästina auszuwandern und daß etwa die Hälfte davon, zirka 40 000 Personen, die feste Absicht zur Auswanderung auch tatsächlich haben. Um über die Art des lür die Auswanderung interessierten Menschenmaterials orientiert zu sein, wurde nach erfolgter Anmeldung von 100 Familien (etwa 500 Personen) das Fragebogenmaterial statistisch geordnet, und zwar wurden folgende Auswanderungskategorien aufgestellt: 1. Landarbeiter, d. i. 16—33 Jahre alte, gesunde, kräftige Personen, Reiche ohne Familie aus wandern wollen und zu jeder Arbeit bereit sind. 2. Bauhandwerker (Zimmerleute, Mauier, Schlosser usw.) und landwirtschaftliche Maschinisten. 3. Kleinbäuerliche Siedler, d. s. Fajmllien mit weniger als 30 000 Kronen eigenem Vermögen, die sich landwirtschaftlich' ansiedeln wollen. 4. Achuisoth — ebensolche mit mehr als 30 000 Kronen. 5. Sonstige Handwerker (Schneider, Schuster usw.) 6. Intellektuelle Berufe (Ingenieure, Aerzte, Apotheker, Lehrer). Das Zahlenverhältnis der einzelnen Kategorien stellt sich so, daß die Kategorien 1 und 3 überwiegen, daß aber auch eine genügende Anzahl der Kategorie 2 vorhanden ist. Jedoch fällt ungünstig ins Gewicht, daß von den Familien der Kategorie 3 nur wenige zu einer Ansiedlung wirklich geeignet sind, es sei denn mit Aufbringung groBer Mittel, da sie sehr viele arbeitsunfähige Familienmitglieder besitzen (Kinder und alte Eltern), wenig eigenes Vermögen und selten landwirtschaftliche Vorkenntnisse. Unter den Personen der Kategorie 1 befand sich eine große Zahl Arbeitsloser. Um ihnen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen und sie zugleich landwirtschaftlich vorzubilden, leitete das Palästina-Komitee eine Aktion jüdischer Gutsbesitzer zur Beschäftigung jüdischer Landarbeiter ein. Gesellschaft für Tuchfabrikation Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: In Bialystok ist eine Gesellschaft für Tuchfabrikation in Palästina gegründet worden, die den Namen „Taassija“ trägt. Diese Gesellschaft hat ein Zirkular versandt, dem wir folgendes entnehmen : Vor dem Kriege wurden zirka 180 000 Pud Wolle und Baumwolle mit einem Werte von 5 Millionen Franks Gold aus Palästina exportiert. Der größte Teil der Wolle, die in Palästina und Syrien gewonnen wird, wird im Lande verbraucht. Die Verfertigunggeschieht auf primitivste Weise durch hölzerne Spinnrocken. Solcher Spindeln, auf denen Seide, Baumwolle und Wolle verfertigt wurden, waren vor dem Kriege im Lande 25 000 vorhanden. Spezielle Wollwebereien, besonders für „Abajes“, gab es etwa 20 im Lande, die ungefähr 1000 Arbeiter beschäftigten. Der ganze Orient wartet auf den modernen Fabrikanten, der die Zivilisation und die entwickelte Technik in da* rückständige asiatische Wirtschaftsleben einführen soll. Um diese Aufgabe zu erfüllen und dadurch Brot und Arbeit für die palästinensische jüdische Bevölkerung zu schaffen, ist die „Taassija“ gegründet worden. Sie will ein Kapital von 5 Millionen Mark aufbringen und in Palästina eine Bialystoker Tuchfübrikation begründen. 1080 ] Gruudkapiial soll auf 1000 Aktien zu je 3000 j Mark verteilt werden. I Die Gründer beteiligen sich mit eigenem Kapital; ein Teil von ihnen hat beschlossen, nach Palästina üherzusiedeln und aktiv an der Arbeit teilzimchmen. Der Asphalt des Toten Meeres Die Gegend des Toten Meeres ist bekanntlich reich an Asphalt, der leicht gesammelt und zum Straßenbau verwendet werden kann. Die Preise sind bedeutend niedriger als in Europa oder im nahen Orient. Unzweifelhaft wurde er seit undenklichen Zeiten für die Tempel und Paläste Assyriens und Babyloniens, sowi.e für die Zisternen Syriens verwendet. Da die letzteren noch heute gebrauchsfähig sind, müßte der Asphalt des Toten Meeres nach Bearbeitung nach modernen Verfahren und mit modernen Maschinen für die Herstellung von Straßen ganz besonders wertvoll sein, da sich die Wege, wie sie heute gebaut werden, unter den Einwirkungen der klimatischen Verhältnisse rasch abnutzen. Jerusalem als Ausgrabungs-Stätte Der bekannte und erfolgreiche Ausgräber W. M. Flinders Petrie hat unlängst unter dem Titel „Eastern Exploration Past and Future“ ein Buch veröffentlicht, worin er ein großangelegtes Programm der künftigen Ertorsehungs- und Ausgrabungstätigkeit in Aegypten Palästina und Mesopotamien entwirft. Den Engländern, die jetzt die Herrschaft über diese Gebiete in die Hand genommen haben, macht er Ihre ‘ systematische wissenschaftliche Erforschung zur Pflicht, wobei er ihnen freilich auch, wenn nicht gerade ein Monopol, so jedenfalls die durchaus führende und beherrschende Stellung Vorbehalten wissen will. Unter den mannigfaltigen, wertvollen Darlegungen und Vorschlägen des Buches sind besonders die Teile bemerkenswert, in denen Flinders Petrie sich über die Erforschung von Jerusalem äußert. Er eröffnet darin, wie einem Berichte über das Buch ton Max Maas in der Seemannschen „Kunstchronik“ zu entnehmen ist, einen weiten Ausblick auf die Probleme, die in der Heiligen Stadt noch der Erforschung harren, und auf die Gestaltung der Zukunft Jerusalems. Jerusalem muß nach ihm in der israelitischen Zeit ein Handelsmittelpunkt gewesen sein, doch bleiben die Tontafeln, die von Handelsgeschäften Kunde geben, noch zu finden. Auch hofft er, daß Annalen der kleinen Staaten zutage treten mögen, und er hegt keinen Zweifel daran, daß unter Tage noch Denkmäler aus der Geschichte der Judäer ruhen, die an Inhalt reicher sind als das, was bisher in den Geschichtsbüchern überliefert worden ist. Häufen sich doch die Schuttrümmer gegen die äußere Mauer des Tempelbezirks über 25 Meter hoch an, das Kä&emachier-Tal ist tief ausgefüllt, und auch die Spitzen der Hügel sind so oft überbaut worden, daß das Baumaterial, das von den Hügeln in die Täler hinuntergeworfen worden ist, noch in Massen i,m Schutte unten liegt. Als Nebuikadnezar und Titus den ersten und zweiten Tempel bis zum Grunde zerstörten, haben sie doch die Steine nicht vernichten können! Wahrscheinlich haben sie die Blöcke über die Umfassungsmauer in das Meer von Schutt hinunterwerfen lassen. Bogenbauten herodischer Zeit tragen südlich und östlich den gegenwärtigen Haram-Bezirk, der uns die Außenlinien des herodi,sehen Tempels noch zeigen kann, ebenso wie der Felsrücken unter demi Felsendome Und die Anhänge rechts und links die Umrisse des Salomonischen Tempels zeigten. Jerusalem bietet also der gesellschaftlichen Entfernung bedeutendster Probleme, noch reiche Aussichten, vorausgesetzt, daß die freie Ausgrabung möglich ist. Vorbedingung hierfür ist, daß nicht der Versuch gemacht wird, Jerusalem zu einer modernen Handels-