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Volk und Land · 1919-08-14 · Heft 33-34 (14.8.1919) · p. Seite 1077-1078

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 33-34 (14.8.1919)
Date
1919-08-14
Page
Seite 1077-1078 (sequence 31)
Language
German
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1077 mit den natürlichen und historischen Grenzen des Libanon oder was mit dem Gebiet, das vom Libanon losgerissen ist, gemeint ist; vermutlich ist an eine andere und weiter ausgedehnte Grenze gedacht, als die Verwaltuagsgrenze des Libanon, wie sie unter türkischer Rbgierung seit langer Zeit bestanden hat. Wenn wir uns an den Geheimvertrag Sykes-Picot und an die französischen Ansprüche erinnern, so vermuten wir, daß die Absicht besteht, Galiläa vom jüdischen Palästina zu trennen, indem sie für diese Gegend willkürlich den Namen Libanon anwenden. Das Manöver ist nicht sehr geschickt und wird keinen guten Eindruck machen. Wir wissen nicht, wie die französischen Politiker, die jetzt Kunststückchen mit einem unabhängigen Libanon machen, diese mit ihrer alten Schöpfung, dem „integralen Syrien,“ in Einklang bringen. Ist es noch nicht an der Zeit, daß ernste französische Staatsmänner diesen gegen ein jüdisches Palästina gerichteten Treibereien ein Ende setzen? Ein jüdisches Palästina ist sicher und ebenso sicher ist es, daß es ein ungeteiltes jüdisches Palästina sein wird. Warum sollte sich Frankreich in Gegensatz zu etwas setzen, was kommen muß? Es entfremdet sich damit nur das jüdische Volk, das den ehrlichen Wunsch hat, gut Freund mit Frankreich zu sein, wenn ihm dies die französische Politik nur gestattet. Die Klugheit, wenn kein höheres Motiv, sollte die baldigste Anbahnung an die Wirklichkeit empfehlen. (Palestine.) Poale-Zion und Internationale Zu dieser Frage äußerte sich Kaplansky anläßlich der Luzerner Sozialistcn-Konferenz dem Herausgeber der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ gegenüber folgendermaßen,': Zur Frage, welche Stellung die Poale-Zion, in der Internationale einnehme, und wieweit man ihr Verständnis entgegenbringe, ist es mir schwer zu antworten, weil wir in dieser Beziehung gewissermaßen in eigener Sache sprechen. Es war uns wirklich nicht leicht, in die Internationale hineinzukommen, aber seitdem wir der Welt-Organisation der Arbeiterschaft angehören, fühlen wir uns ganz zu Hause. Ich glaube sagen zu dürfen, daß es uns gelungen ist, eine Stellung in der Internationale einzunehmen, die den Interessen und der Würde der jüdischen Arbeiterschaft und des jüdischen Volkes entspricht, und ich glaube auch, daß das Verhältnis der überwiegenden Mehrheit der Sektionen der Internationale zu uns als vertrauensvoll und kameradschaftlich bezeichnet werden darf. Daß diese Konferenz keine besonderen Beschlüsse zur Judenfrage gefaßt hat, braucht nicht Wunder zu nehmen. Es bestehen Mißverständnisse in bezug auf den Charakter der Konferenz. Es ist eine Sitzung der Permanenten Kommission, ebenso wie es die in Amsterdam war .pur daß sie zum Unterschied von jener öffentlich ist. Die Judenfrage wurde in Amsterdam bereits erledigt. Dagegen haben wir zu den schrecklichen Vorgängen im Osten Stellung genommen. Die Konferenz hat einen Protest angenommen und die Entsendung einer internationalen Untersuebungskommission beschlossen, die wahrscheinlich aus drei Mitgliedern: einem Engländer, einem Franzosen und einem Holländer oder Schweden bestehen wird. Die Juden in der englischen Armee Reverend Adler, der Hauptrabbiner der jüdischen Soldaten und Matrosen der englischen Armee und Flotte, ließ kürzlich ein Buch erscheinen mit genauen Schilderungen und Zahlen über den Anteil der Juden in der englischen Kriegsmacht. Bei Ausbruch des Krieges war natürlich die Zahl der jüdischen Soldaten und Offiziere in der „regulären“ Armee sehr gering und betrug nur gegen 600 Mann. Vor dem Kriege waren also die Juden keine „Krieger“. Ganz anders wurde es jedoch, 1078 ' als England anfing, Freiwillige aufzubieten. Von den Rothschilds angefangen bis zu den Eastender Boys, meldeten sich die jungen Juden so zahlreich, daß vor Einführung des obligatorischen Militärdienstes in der ' englischen Armee bereits zehntausend jüdische Freiwillige dienten, darunter 1400 Offiziere. In den eng- 1 lischen Kolonien Kanada. Australien, Neuseeland, Südi afrika und Britisch-Nordindien bildeten die Juden einen | größeren Prozentsatz als ihnen laut der Zahl der Be- \ völkerung zukam. So meldeten sich in Australien auf i zirka 19 000 Juden 1800 jüdische Freiwillige, von denen 250 auf den Schlachtfeldern gefallen sind. Die Zahl der Juden in England und den Kolonien beträgt gegen 420 000 Seelen, darunter natürlich eine große Anzahl Ausländer, die dem obligatorischen Militärdienst nicht unterworfen ‘waren. In den verschiedenen Abteilungen der englischen Armee und Flotte gab es gegen 50 000 Juden. Dies ist jedoch das absolute Minimum, da die Religion von Tausenden nicht angegeben wurde. Die jüdischen Kriegsverluste betrugen 8674 Mann und zwar an Toten: Soldaten 2008. Offiziere ^16 und Verwundete und Vermißte 6350. PALAESTINA Palästina-Amt der Bukowina Dem Koptrhagener Zionistischen Büro wird geschrieben : Die Auflösung des staatlichen Gefüges der ehemaligen Österreichungarischer: Monarchie im November 1918 setzte in der Bukowina, in gleicher Weise wie in einigen anderen Landesteilen, mit Judenpogromen ein. Diese Vorkommnisse rieten unter der jüdischen Bevölkerung größte Erbitterung hervor und obwohl sie sich nach der Okkupation durch die rumänischen Truppen nicht mehr wiederholten, konnte ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit, genährt durch die politischen Veränderungen, nicht weichen. Hierzu kam, daß infolge der Unterbindung des Verkehrs mit dem Westen authentische Nachrichten in das Land nicht gelangten und die tatsächlichen zionistischen Erfolge ihren Weg nur als Gerüchte, und daher ins Maßlose vergrößert fanden. Diese zwei Momente riefen eine mächtige Auswanderungisbewegung hervor, die zu einer wahren Volksbewegung an wuchs. Die zionistische Organisation in der Bukowina zögerte anfangs, hier einzugreifen. Aber als sich Gruppen auf eigene Faust zusammen taten, Aufrufe erließen und sie in jüdischen Geschäften und in Bethäusern plakatierten, war zu befürchten, daß die zionistische Sache durch ein wildes, unorganisiertes Handeln unverantwortlicher Gruppen schwer geschädigt werden könnte. In dieser Erkenntnis beschlossen Zionisten und Poale- Zäociisten die Palästina-Bewegung gemeinschaftlich in geregelte Bahnen zu lenken. Es wurde daher im Januar 1919 ein Palästina- Komitee eingesetzt, das aus drei Mitgliedern der zionistischen Landeskommission sowie der poale-zionistischen Landesorganisatlon und kooptierten Mitgliedern anderer Organisationen, welche an Palästina-Kolonisation interessiert waren, bestehen sollte. Dieses „Bnkowinaer Palästina-Komitee“ errichtete ein Palästina-Büro, das die Weisung erhielt, sich ohne Ausübung irgend welcher Propaganda einen Ueberblick über den Umfang der Bewegung und Art des für sie interessierten Mensdisnmateiials zu verschaffen. Zu diesem Zwecke wurde ein ausführlicher Fragebogen in deutscher und jüdischer Sprache gedruckt und in vorsichtiger Fassung in den Tageblättern eine Notiz veröffentlicht, daß Auskünfte über Palästina im Palästinabüro erteilt werden könnten. Von den sich Meldenden (vorerst durchschnittlich etwa 10 Personen täg- VOLK UND LAND

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