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Volk und Land · 1919-08-14 · Heft 33-34 (14.8.1919) · p. Seite 1075-1076

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 33-34 (14.8.1919)
Date
1919-08-14
Page
Seite 1075-1076 (sequence 30)
Language
German
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1075 VOLK UND LAND sehen. Wenn in Deutschland oder in Rußland, in England oder Amerika auch Zehntausende von Menschen zum Feiern gezwungen sind, so steht doch der nationale Charakter des Landes, des Schaffens, des Lebens, unverrückbar fest. Alle Adern des national-sozialen Organismus, die offen sind, sind von der natürlichen, nationalen Arbeit durchdrungen. Die Arbeitslosigkeit in Palästina, aber ist nur ein drohendes Zeugnis dafür, daß unser nationales Schaffen und Leben noch gar nicht begonnen hat, daß wir das Land und unsere Zukunft jenen Fremden ausliefern, die in den Adern unseres jungen GesellscbgJtskörpers die fremde Arbeit verrichten. Die europäische Arbeitslosigkeit trifft darum nur Einzelne, Individuen Und auch dann ist sie traurig und besorgniserregend, wenn man bedenkt, daß eine organische Ordnung der Arbeit das Leben unserer ganzen Menschheit durch ihre erhöhte Produktivität reicher und freier gestalten könnte. Die palästinensische Arbeitslosigkeit aber trifft nicht nur Einzelne, sondern die Nation, ihr Leben und ihre Zukunft. Ihre Ueberwindung also und die Durchdringung des ganzen Gesellschaftskörpers mit dem warmen und lebendigen Blutstrom der nationalen Arbeit ist nicht Sache eines Gruppenegoismus, sondern Aufgabe der Nation und Forderung der nationalen Bewegung. So oft schon haben wir dem Gewissen des Zionismus diese Wahrheit gesagt, daß er die Aufgabe und die Forderung anerkannt hat, daß er die törichten Einwendungen vergessen mußte, die ihm verkappter Eigennutz in die Hände gab, die jüdische Arbeit entspringe einem Chauvinismus gegenüber den Arabern. Auch der letzte Araber versteht, daß ein Volk selbst arbeiten und schaffen muß, wenn es leben will, und er hat uns „Kinder des Todes“, Schwächliche, Feiglinge, zum Untergang Bestimmte genannt, solange wir es noch nicht verstehen wollten. Nicht gegen die Araber wendet sich die Forderung der jüdischen Arbeit, nur gegen die Selbstzucht in unseren eigenen Reihen, die sich selbst um dieser dringendsten nationalen Notwendigkeit willen aufzugeben nicht vermag. Eine andere Deutung gibt es weder für die tatsächlichen Zustände in Palästina noch für die Gleichgültigkeit mit der man sie in den verantwortlichen Kreisen zu betrachten scheint. Oder weiß man vielleicht gar nicht, wie es steht? j „In Rischon 1e Zion arbeiten jetzt täglich mehrere j hundert nichtjüdische Arbeiter ... Die Zahl der jüdi- I sehen Arbeiter in der Kolonie ist vierzig. Fast die Hälfte i von ihnen ist arbeitslos. ... i In Sedschera arbeiten (von 100 kurdischen Juden) j 2S Personen. Sie bekommen bis zu drei Schilling Tagelohn. Ihre materielle Lage ist so fast unerträglich J schwer. ... 1076 1 In Rechoboth ist die Grabung des Brunnens vom; Koloniewaad (also der eigenen nationalen Behörde!) Nichtjuden übergeben worden. . . .“j j Und so fast überall. Die Stimmung und den Stand j der Dinge illustrieren die folgenden Briefe eines Arbeiters aus Petach-Tikwah (dem Hort der Reaktion in kultureller wie in sozialer Beziehung): „Die Arbeitslosigkeit der Juden ist eine altgewohnte Erscheinung in Petach-Tikwah. Aber einst ging das Leid der Arbeitslosen unter in der regen Bewegung der Handwerker, die Arbeit hatten. Auch damals war die Lage drückend und schmerzlich genug. Doch eine solche Niedergeschlagenheit wie heute bat noch niemals im Arbeite, häuflein Petach-Tikvvahs geherrscht. Die Hälfte aller Arbeiter ist ständig ohne Arbeit. ln den letzten Tagen „ist es uns geglückt“, eine neue Position zu erobern. In der Pflanzung des Barons hat man zehn jüdische Arbeiter anzuistellen geruht. Man weiß nicht, was noch werden mag? . . Und aus einem anderen Briefe: „Unter den Arbeitslosen befinden sich 25 Familienväter .... U.m die Wahrheit zu sagen, unter den 2075 Arbeitern, die täglich bei den Kolonisten arbeiten, ist für die jüdischen Arbeiter kein Platz. Und von den 200 Pfund . . ., die das jüdische Volk täglich in der Form von Krediten, Unterstützungen verschiedener Art usw. ausgübt, erhält der jüdische Arbeiter auch nicht einen Pfennig. Und wenn es noch jüdische Arbeiter in der Kolonie gibt — sie sind an den Fingern abzuzäh’en —, so erhalten sie sich nicht dank den „Grundprinzipien der Kolonie“, denn die Grundprinzipien der Kolonie sind fremde Arbeit und Ausbeutung.“ Dies alles ist ebenso einfach im Wort, wie schwerwiegend und ernst im Leben. Aber die Ohren, die es hören sollten, sind taub. Und die 'Augen, die sehen sollten, sind blind. Sie sehen nicht, daß gerade in diesem Augenblick die Hechaluzbewegung in Fluß kommt, die immer neue Scharen von Arbeitsuchenden und Arbeitwollenden nach Palästina trägt; daß sich der arbeitenden Massen im Osten eine tiefe Erregung und Bewegung bemächtigt hat, deren kaum jemand Herr werden kann; daß Umkehr, Wandlung nottut, hier, 'wo es sich um das lebendigste Leben handelt. Ahnungslos steuert man bei uns eien alten Kurs weiter. Denn ahnungslos muß ich die Menschen nennen — so gut sie auch mit Zahlen und Statistiken, mit Betriebssystemen und Kreditsummen zu operieren wissen, solange sie nicht erkennen, daß diese ymkehr und Wandlung die unerläßlichen inneren Vorbedingungen für ünseren nationalen Aufbau schaffen, daß die Eroberung der Arbeit die entscheidende Frage der Verwirklichung des Zionismus; und daß die Befreiung "der jüdischen Arbeit der einzige Weg zur schöpferischen Wiedergeburt der jüdischen Volkskultur ist. iiHMimiiMHMi»u»HMiiMM»»H»HH»uHauti»»iiiiiiiiimiiiiiiiiimniiiiiii»miKiwimiiiimimmiiiiiim»ii«n»iin»m»imiiii)umim»Hmm»»i»immHi»mnmii»nn»mi»iimiiii)iii)Miiiiiiimiiiiiiinniiiiimii)iii)i)iiiimi)iii' £ AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA - ARBEIT | iiiiiiiiiiiilliiiiliiliiillillllllliiillliiiiillliiiiiiiiiiiiiiiiiiMM/iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiimiimiiii/iiimimmmiiiMHi/iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiii/iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii/iiiiiiiMiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiif? POLITISCHES Frankreich und der Libanon Wie der „Temps“ meldet, berichtet eine Zeitung { in Alexandrien, daß der „Verwaltungsrat des Libanon“ j beschlossen hat:; 1. daß die politische und administrative Unabhängigj Veit des Libanon in seinen natürlichen und historischen ( Grenzen proklamiert und daß die vom Libanon losge-! rissenen Gegenden hinfort als ein Teil desselben betrachtet werden sollen; 2. daß die Regierung des Libanon und die französische Regierung, welche ihr Unterstützung leiht, sich über die ökonomischen Beziehungen zwischen dem Libanon und den benachbarten Regierungen einigen sollen. Wir gestehen, nicht zu wissen, was der eigentliche Ursprung des „Verwaltungsrates des Libanon“ ist oder was ihn berechtigen kann, für die Bevölkerung des Libanon zu sprechen. Klar ist nur das eine, daß der Libanon und daß diese Körperschaft unter französischer Leitung steht und daß sie dazu dienen soll, die Absichten der dortigen Vertreter des französischen Auswärtigen Amtes zu fördern. Wir wissen nicht, was

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