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Volk und Land · 1919-08-14 · Heft 33-34 (14.8.1919) · p. Seite 1069-1070

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 33-34 (14.8.1919)
Date
1919-08-14
Page
Seite 1069-1070 (sequence 27)
Language
German
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1069 VOLK und LAND 1070 und so wenig bekannt sind. Dieses soll, dies wird geschehen an der neu zu gründenden juristischen Fakultät in Palästina. Dieses dort zu lehrende Recht, wenn auch dem Alten entnommen, wird seine juristische Gleichwertigkeit mit allen Rechten der Welt .aufweisen können, es wird dort gelehrt werden als Recht eines freien, neuerstandenen Volkes, das .sein Recht nicht bei einem fremden Volke, wie die gesamte moderne Weit bei den Römern, suchen muß, sondern das aus Eigenem voll und ganz schöpfen kann. Der Komplex der vorhandenen Normen wird das Recht im neuen Staatenwesen bilden und an der Universität als geltendes Recht gelehrt und gelernt werden, was aber selbstredend nicht aussChließt, daß daneben auch eine historische Rechtsforschung Platz findet, die die Rechtsgeschichte nicht nur im römischen und im deutschen 'Rechte, ,als den historischen Rechten, sondern auch im jüdischen Rechte suchen wird, das doch auch den ureigenen Wert besitzt, so alt wie jene zwei angeführten ebenfalls zu sein. . . . Wie diese historische Forschung ihre Resultate verwerten wird, ist ihre Sache, aber für das dann in Palästina geltende jüdische Recht, werden diese Resultate von nicht allzugroßer Bedeutung sein, denn in der Jurisprudenz gilt der absolute Grundsatz: Die Geltung macht die Norm zum Rechte, ohne Rücksicht auf die vorangegangenen Umstände bei der Festlegung der betreffenden Normen. Dieser letztere Grundsatz muß wiederholt und I nachdrücklicbst unterstrichen werden, damit nicht hier wieder Zweifel, Gegensatz und Opposition sich einstellen, infolge von Zusammenhängen, die ein- ) zelne Normen mit religiösen Gebieten verknüpfen 1 und dadurch diese ganze Frage in ein Streitgebiet I hinüberleiten könnten. Der moderne Mensch | empfängt und unterwirft sich den in der neuesten i Zeit festgesetzten Normen und Bestimmungen, wiej wohl er ganz genau weiß, was für Motive und Umstände (nicht immer der klügsten, bravsten und reellsten Art) bei der Entstehung mitgewirkt haben; dura lex sed scripta, ist die Maxime auch für die Modernsten der Modernen, möge dieser Grundsatz auch dort bei den Juden angewandt werden, daß er die Spaltung vermeiden, den Gegensatz überbrücken und so einen sicheren, festen Halt für die menschliche Ewigkeit bieten könnte. Und dieser so .gefundene Weg möge dem jüdischen Volke überall voranleuchten, wohin es seine Schritte auf der Bahn des öffentlichen Rechtes hinlenken wird; das Alte darf niemals brüskiert und mit Gewalt niedergedrückt werden, denn es erhebt dann immer wieder sein Haupt und fast immer auf eine den neuen Machthabern unbequeme Weise; Kunst des Staates — oder wie es wissenschaftlich heißt, der Politik, ist es, die alte Kraft auszunützen, sie in den Dienst des Neuen zu stellen, damit allen im Volke vorhandenen und vereintein Kräften es gelinge, auch staatlich solches zu schaffen, was des uralten Judenvolkes würdig ist. l| - — STIMMUNGEN UND MEINUNGEN I ^iiiiiHmiiiiiiiiiiiHriiiiiiiii(iiii:iiiiiiMiiiiiiitiHiiiiiiiimuiiiHMimiiiiiiiiiiiiiiiiiMmiiiiii»niin»MiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiimiiiiiiimiimiiiiimiiiiiiiiimiiMii!iiiiiiii)iiiiiiiiiiiii)iii)miHiiimiiiiiiiHiniiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir? Unter dieser Rubrik werden wir von, Zeit zu Zeit Aeußemngen aus allen jüdischen Lagern und aus der nichtjüdisehen Presse veröffentlichen, die uns bezeichnend zu sein: scheinen für Strömungen des Denkens und Empfindens innerhalb und außerhalb der jüdischen Welt, Im Namen Palästinas*) Unter allen Ländern, die in der Geschichte der großen jüdischen Wanderungen der letzten drei Jahrzehnte eine Rolle gespielt haben, ist gegenwärtig nur ein einziges, das sich der Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit erfreut: Palästina. Seine innige Beziehung zu Glauben und! Volkstum der Juden, die unermüdliche Werbearbeit der Zionisten und die letzten jähen Gestaltungen im Völkerleben haben dazu geführt, daß namentlich auch das Erwarten der jüdischen Massen auf dieses Land gerichtet ist. Denn, wenn endlich auf heiliger Erde ein jüdisches Gemeinwesen ersteht, wohin sollten sie dann sonst vor Schrecken und Drangsal flüchten, wenn nicht in eben dieses Gemeinwesen? . . . Nun gibt es zwar innerhalb der zionistischen Partei eine verhältnismäßig nicht kleine Gruppe, die überzeugt ist, daß man das bevorstehende Massenbedürfnis auch wirklich mit Palästina befriedigen kann, indem sie eine sichere Möglichkeit heraus rech net, dort binnen kürzester Zeit Millionen Juden unterzubringen. Aber die überwiegende Mehrheit der Partei, ihrer Führer und Fachleute, schätzen das vorläufige Aufnahmevermögen Palästinas recht niedrig ein. U. a. rechnen Ruppin und Lichtheim bescheidene Ziffern heraus. Nach dem *) Aus der soeben bei L. Sänger (Frankfurt a. M.) erschienenen Broschüre; „Vor dem Wand erstürm“, auf die wir noch zurückkommen. die Bedeutung für uns gewinnen können. Wir bringen diese Stimmen ohne jeden Kommentar und werden uns mit ihnen, soweit es uns nötig scheint, an andern Stellen dieses Blattes kritisch auseinandersetzen. D. Schv ersteren, der dafür von palästinensischen Kennern der Verhältnisse ein Optimist gescholten wird, kann Palästina im ersten Jahrzehnt 300000 Einwanderer fassen, was für das erste Jahrfünft oder gar Jahr lächerlich kleine Ziffern ergibt. Und darum hat ja auch das Kopenhagener Zionistische Büro einen dringenden Appell an die jüdische Oeffentlichkeit gerichtet, in dem sie vor übereilter Wanderung nach Palästina warnt, und die russische zionistische Organisation diesen Appell in Massen verbreitet und mit einem Ziiikular. begleitet, in dem es u. a. heißt: „Die Möglichkeit einer Wanderung größerer Schichten ist für die nächste Zukunft ausgeschlossen. . . Die Emigranten riskieren, in das Land nicht hineingelassen zu werden und gezwungen zu sein, den Rückweg zu machen. Aber selbst wenn es ihnen gelingen sollte, in Palästina hineinzukommen, laufen sie Gefahr, lange Zeit ohne Arbeit, ja sogar ohne Wohnung und Lebensmittel zu bleiben.“ Kein Zweifel, daß die Zionisten damit ihre ganze Pflicht gegenüber dem heiligen Lande erfüllen, das sie nunmehr vor der gefährlichen Ueberflutung durch die zu allzugroßen Erwartungen aufgepeit9chten Massen bewahren wollen, aber nur die halbe gegenüber den Massen selbst, wenn Sie über die Warnung nicht hinausgehen. „Da9 Vo!k wird auch verstehen, warum wir die Einwanderung jetzt nicht überstürzen dürfen,“ rief Ruppin auf dem sehr interessant verlaufenen Palästina-

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