Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 33-34 (14.8.1919)
- Date
- 1919-08-14
- Page
- Seite 1047-1048 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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1047 VOLK UND LAND 1048 für den Bau- und Industriefonds an die Vereinskasse voll und ganz ausgezahlt und ihre Gebäude nach vereinbarten Plänen im ersten Winter bestellt haben, wonach dem Angesiedelten auch seine Garten- und Geflügel-Wirtschaft übergeben wird. Alles übrige untersteht der Verwaltung, welche sich für Gebrauchsartikel bezahlen läßt. Niemand hat Anspruch auf irgendeine Anstellung; hingegen wird ihm für seine oder seiner Kinder Arbeit der übliche Arbeitslohn bezahlt» wenn die Leistungen entsprechen. Die Geschäftsgebarung. Die einlaufenden Gelder sammeln sich in einer sicheren Bank auf den Namen der „Achusa“. Zur Geldüberweisung, die nur zum Bodeneinkauf und dessen Bearbeitung verwendet wird, sind die Unterschriften des Obmannes oder dessen Stellvertreters sowie des Kassabewahrers und des Schriftführers berechtigt. Bis Friedensschluß muß die Hälfte der Anteilsumme eingezahlt sein, wo dann die Generalversammlung einen oder drei aus der Mitte der Mitglieder erwählte, der Landwirtschaft nicht unkundige Vertrauensmänner mit aller Vollmacht nach Palästina entsendet. Diese Kommission bestellt sich auf Empfehlung der offiziellen Leiter der Kolonisationsarbeiten und nach gründlicher Erledigung einen fachmännisch tüchtigen Verwalter. Um lästiges Maklertum fernzuhalten, ist die Geheimhaltung der Aufgabe der Vertrauensmänner unerläßlich. Einer der Vertrauensmänner bleibt in der Kolonie als Buchhalter und hat für seine Gebäude den vollen Betrag im voraus an die Vereinskasse einzuzahlen. Jahresgehalt: Verwalter 3000 Kr. Vertrauensmann 1800 Kr. Mit dem Verwalter und noch einigen praktischen älteren Kolonisten besichtigt die Kommission die von den Führern der Kolonisationsarbeit vorgeschlagenen Bodenparzellen und sobald derselbe als lehmiger Sandboden für Mandelpflanzungen geeignet ist und nicht in einer Malariagegend liegt, wird der Kauf abgeschlossen. Eine „Achusah-Kolonie“ wird mit Mandeln als Hauptprodukt, hingegen mit Oliven, Wein, Oran- Igen, Obstbäumen, sowie Körnerbaif als Nebenfrucht, für die Gesellschafter bepflanzt. Idealen Boden für Mandelpflanzungen geeignet, findet man in Südpalästina, entlang, der Meeresküste Jaffa-Gaza, oder an der Bahnstrecke Jaffa- Ber-Seba. Der größeren Eignung dieses Bodens für Baumkulturen als für Körnerbau und der mehr Intelligenz als physische Anstrengung erfordernden Pflanzungsarbeit, dürften sich die Palästinabestrebungen unschwer anpassen. Dieser südpalästinensische Boden wird um einen! fast vierfach niedrigeren Preis als in den übrigen Gegenden zu kaufen sein. Mandelbäume geben im sechsten Jahre schon die volle Frucht, Wein und Orangen im fünften Jahre, während Oliven erst nach zehn Jahren volle Frucht tragen. Geschieht nun der Bodeneinkauf in der Nähe Jaffas, so muß man auf einen Preis von 60 bis 70 Kronen pro Dunam (gleich 918 Quadratmeter) rechnen. In diesem Falle kann die „Achusa“ nicht mehr als 6000 bis 7000 Dunam kaufen. Die Nähe des städtischen Absatzmarktes sichert aber der Verwaltung gute Einnahmequellen beim Verkauf gemischter ländlicher Kulturen, welche einen grollen Teil der Herstellungskosten decken. Je entfernter aber die Bodenparzellen vom reichen Verkehrsleben Jaffas liegen, um so tiefer sinkt der Bodenpreis bis zu 10—12 Frcs. pro Dunam herab. Man kann einen Durchschnittspreis von 25—30 Kr. pro Dunam annehmen, wobei wir mit einem Bodenkomplex von 12—15 000 Dunam für eine Gesellschaft von 1000 Anteilen rechnen. Jede „Ächusa-Gesellschaft“ muß dafür Sorge tragen, daß in ihrer Nähe eine Arbeiterkolonie errichtet wird. Dies ist notwendig, um der Kolonie Arbeitskräfte zu sichern, sowie für das gesellschaftliche Leben und die größere Sicherheit im Sinne des Kolonisationsgedankens. Diese Arbeiterkolonie wird auf dem Boden des Nationalfonds errichtet. Ein Bodenkomplex von 12—15 000 Dunam gleich 12—15000 Hektaren, ergibt somit für jede Nummer von acht Anteilscheinen je: sechs Dunam Mandeln, ein Dunam Weinstock, ein Dunam Eukalyptuswald bepflanzt, ein Dunam Bauplatz 'und Gartenwirtschaft vier Dunam Getreidebau, zusammen vierzehn Dunam pro Anteil, somit für acht Anteile acht mal so viel; außerdem muß noch ein Reserveboden für Gemeindezwecke erübrigt werden. Sämtliche Kulturen nach neuesten Methoden gepflanzt, veredelt, Ackerbau und Gartenwirtschaft gründlich intensiviert, für den besten Fruchtertrag geeignet und durch den kooperativen Großbetrieb die Herstellungskosten auf mehr als die Hälfte reduziert. An diesem Projekt ist als besonders günstig hervorzuh^ben, daß Mandelpflanzungen in der Tat die geeignetste Grundlage darstellenn, insofern als das Produkt sehr haltbar und infolgedessen nicht so stark von den Schwankungen der Marktlage abhängig ist. Weiterhin ist sehr günstig, daß man gleichwohl sich nicht auf diese eine Kultur beschränken will, sondern ihr nur annähernd die Hälfte der Fläche widmet, während auf dem übrigen Gebiet verschiedene ebenfalls günstige Pflanzungen (Wein, Eukalypten, Oelbäume) vorgesehen sind lind auch der Getreidebau berücksichtigt ist. Die Auswahl der Gegend scheint ebenfalls passend und auch die hier angegebenen Bodenpreise trafen, wenigstens vor dem Kriege, in dieser Höhe zu. Sehr möglich', da;ß Iman auch jetzt zu ähnlichen Preisen dort Boden finden wird. Schließlich’ läßt auch die Einbeziehung eines Industriefonds erkennen, daß auch die Verwertung der kaufmännischen, handwerklichen und industriellen Fähigkeiten und Kenntnisse der Ansiedler verwertet werden sollen. Das einzige, was einzuwenden wäre, ist die viel zu große Fläche. Ein Ausgleich ließe sich schaffen, wenn die Gesellschaft auf der zu erwerbenden Fläche schließlich eine sehr viel größere Anzahl von Kolonisten ansiedelt. Dadurch braucht das Einkommen sich nicht zu verringern, da durch Anwendung intensiver Methoden ein für eine Far milie ausreichendes Einkommen von sehr viel kleiner Fläche erzielt wird. (S. Bemerkungen im obigem.)