Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 33-34 (14.8.1919)
- Date
- 1919-08-14
- Page
- Seite 1039-1040 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1039 a) Die Gesellschaft kann die Bepflanzung in eigner Regie durch einen Vertrauensmann, den sie sich aus den palästinensischen Kolonisten auswählt und den das Palästinaamt in Jaffa auf Wunsch vorschlagen wird, vornehmen lassen; b) sie kann die Gesellschaft Agudath Netajim in Jaffa gegen Zahlung einer Kommission mit der Bepflanzung beauftragen; c) sie kann die Bepflanzung des Bodens einer Gruppe von Arbeitern übergeben, von denen jeder außer dem üblichen Lohne nach 5 Jahren 5 bis 10 Dunam von dem bepflanzten Boden erhält und (auf diese Weise selbst daran interessiert ist, daß die Pflanzung gut angelegt wird. Der zu bepflanzende Boden (oder falls mehrere Bodenkategorien) wird in so viele Teile geteilt, als die Gesellschaft Mitglieder hat, und die Teile werden numeriert. Die Gesellschaft hat dann die Wahl, ob sie die Teile unter ihre Mitglieder verlosen oder eine andere Art der Zuteilung wählen will. Nach Vereinbarung mit der Achusa-Gesellschaff beauftragt die Palestine Land Development Company, im Falle sie den Verwalter anstellt, diesen die zur Bearbeitung des Landes notwendigen Gebäude und Brunnen anzulegen, das Inventar anzuschaffen und mit der eigentlichen Pflanzungsarbeit zu beginnen. Falls die Gesellschaft es wünscht, ist das Palästina-Amt bereit, durch einen Agronomen die Oberaufsicht über die landwirtschaftlichen Arbeiten führen zu lassen, und die Kontrolle über die Buch- und Kassenführung der Plantagen zu übernehmen. Von dem gekauften Boden werden etwa zwei Drittel abgeteilt und sofort bepflanzt; ein Drittel des Terrains bleibt unbebaut, damit später, wenn die Mitglieder der Adiusa selbst nach Palästina übersiedeln, ihnen genug Platz bleibt, um ihre Häuser zu errichten, etwas Gemüsebau und Blumenzucht zu treiben und Futter für ihr Vieh' anzubauen. Wenn also jedes Mitglied einer Achusa 120 Dunam Land besitzt, so werden hiervon 80 Dunam sofort bepflanzt; der Rest bleibt bis zur Besiedlung unbebaut. Diese Fläche liefert einen ausreichenden Ertrag, um einem Achusa-Mitglied mit seiner Familie eine bescheidene Existenz als Pflanzer in Palästina zu ermöglichen. Allerdings kann eine Pflanzungsgesellschaft ihren Mitgliedern noch1 kleinere Parzellen anweisen und demgemäß idie von den Mitgliedern zu leistenden Zahlungen verkleinern; doch ist dann der Ertrag einer solchen Parzelle zum Unterhalt einer Familie nicht mehr genügend.*) Bezüglich der Art der Bepflanzung hat es sich als vorteilhaft erwiesen, daß man nicht nur pine *) Ganz falsch uind irreführend. Das Landmaß ist viel zu groß. Vor demi Kriege hatte es allenfalls einen Sinn mit größerem Landmaß als erforderlich zu rechnen. Aber nur um mehr Boden in jüdischen Besitz gelangen zu lassen, und nicht aber weil wem’ger Boden nicht genügen würae! Beweis: für den arbeitenden Kleinsiedler genügt nach Ruppin selbst 15 Dunami (Vs der obigen Fläche) nach Oettinger sogar nur 5 Dunam (l(2 des obigen), und zwar sogar bei sehr geringem! Kapital- (5000 Frs) und Arbeitsaufwand! 1040 einzelne, sondern mehrere Baumarten gleichzeitig anpflanzt, z. B. Oliven, Mandeln und Eukalyptus. Daneben kann man einen mäßigen Bestand an Tafeltrauben ziehen und sich mit der Bereitung von Rosinen befassen. Wenn die Plantage in der Nähe einer Stadt liegt, so daß der Transport ihrer Erzeugnisse sich leicht bewerkstelligen läßt, empfiehlt sich auch die Zucht von Apfel-, Birn-, Nuß- und Aprikosenbäumen. Orangenpflanzungen anlegen zu lassen, dürfte sich dagegen für die Achusa - Gesellschaften weniger empfehlen; denn erstens erfordern diese große Bewässerungsanlagen, und dann hat man überhaupt noch zu wenig Erfahrung mit ganz großen Orangeriein.**) Wenn nach einer Reihe von Jahren die Mitglieder einer Pflanzungsgesellschaft nach Palästina übersiedeln, so finden sie ein bereits wohlbestelltes und fruchttragendes Besitztum vor — jüdisches Land, das von jüdischen Arbeitern bestellt wird. Manche Platitagenbesitzer schicken vor ihrer eigenen Uebersiedlung ihre jüngeren Söhne nach Palästina, damit diese von Anfang an als Arbeiter bei der Anlage der Pflanzungen helfen und später — dank ihrer inzwischen erworbenen Erfahrung — den Eltern eine Stütze sein können. Auch ein jüdisches Milieu hat sich meistens bis zur Ansiedlung der Kolonistenfamilien bereits gebildet; denn indem die Achusa für ihre eigenen Mitglieder gesorgt haben, haben sie auch die Existenz für eine Reihe von jüdischen Arbeitern geschaffen, die sich auch1 nach der Ansiedlung der Familien am Platze behaupten können. Diesen Arbeitern gibt — sobald Bedarf hierfür vorhanden und die Wirtschaft völlig eingerichtet ist — der Jüdische Nationalfonds im Wege der Erbpacht die Möglichkeit, sich ein kleines Haus und ein Gemüsegärtchen anzuschaffen, und so entwickelt sich schon in den ersten Jahren der Bearbeitung des Achusa-Landes ein kleines jüdisches Gemeinwesen. Wenn die Ansiedler herüberkommen und für sich selbst soziale Institute errichten (Schule, Apotheke, Synagoge, Bibliothek und Badeanstalt, sowie idie Einrichtung einer ärztlichen Sprechstunde), so erhalten sie hierdurch1 gleichzeitig Gelegenheit zu einer sozialen Fürsorge für die Arbeiter. Kosten. Um die Kosten zu berechnen, die den einzelnen Mitgliedern einer Achusa erwachsen, muß man den Preis für einen Dunam Boden mit ungefähr 50 Frcs. ansetzen, so daß der Kaufpreis für 120 Dunam ungefähr 6000 Frcs. beträgt. Die **) Merkwürdiges Argument. — 1000 ha ließen sich z. B. ganz gut etwa in 10 Betriebe ä 100 ha einteilen und für die 10 selbständigen Betriebe ein Oberfadhtmann, eine noch ökonomischer arbeitende Gesamt-Bewässerungsanlage und dergleichen mehr vorsehen. Bei entsprechendem System arbeitet der größere Komplex immer besser. Auch der folgende ‘Absatz zeigt, daß alles zu klein gedacht. Z. B. ist ein eigener Arzt pro Kolonie sehr viel besser als nur eine Sprechstunde, die so zu verstehen ist, daß mehrere nahegelegene Kolonien sich in e i n e n Arzt teilen (ein Zustand, der in der bisherigen Kolonisation leider vorherrschte). Wie viel besser ist die intensivere Großsiedlung mit eigenem Arzt, eigener, größerer und besserer Schule und all den zahlreichen anderen (und bei erheblicherer Ansiedlerzahl doch leicht zu ermöglichenden) kulturellen usw. Einrichtungen. VOLK UND LAND