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Volk und Land · 1919-08-14 · Heft 33-34 (14.8.1919) · p. Seite 1037-1038

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 33-34 (14.8.1919)
Date
1919-08-14
Page
Seite 1037-1038 (sequence 11)
Language
German
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1037 VOLK UND LAND 1038 geringeren Bodenflächen ganz erheblich höhere Beträge erzielt werden, als wir es im obigen angenommen haben. Der Jahresbedarf einer bescheiden lebenden Kolonistenfamilie kann auf Grund sorgfältiger Erhebungen in Palästina auf ca. 800—1200 Frcs. veranschlagt werden. Gute landwirtschaftliche Arbeiter (Juden) pflegen bei Jahresarbeit 600 Frcs. zu verdienen. Der größte Teil der eingeborenen Bevölkerung Palästinas — auch der jüdischen lind auch in den Städten — lebt pro Familie von weniger als einer Mark per Tag. Das arbeitslose Einkommen von 1200 M. jährlich, dasi bei diesem Achusab- Plane berechnet wurde, reicht also sicherlich aus. Es übertrifft bei weitem das Einkommen eines guten jüdischen Handwerkers in Jaffa, der von seinen etwa 1000 M. noch ca. 250 M. für Wohnungsmiete zu bezahlen hat. Auch ein großer Teil des eingewanderten jüdischen Mittelstandes in Jaffa muß mit 1000—1200 M. jährlich auskommen. Die Rentabilität von 20 Prozent, die oben angenommen wurde (1200 M. jährlich von einer Kapitalaufwendung von 6000 M.), bleibt ebenfalls innerhalb vorsichtiger Schätzungen. Für Mandelpflanzungen (die zu den geeignetsten Kulturen gehören, weil sie frühen E rtrag bringen, weil die Furcht sicli gut hält und im Preise steigt) berechnet Dr. Ruppin in seiner Schrift über kolonisatorische Arbeit in Palästina (pro Hektar, den anzulegen 1400 M. kostet) einen Ertrag von 440 kg, was schon bei heutigen Preisen einem Geldwert von mindestens ebensoviel Mark und einem Einkommen (netto) von mindestens 300 M. oder über 20 Prozent entspricht. (In Italien wird von Mandeln mehr als das Vierfache an Wert erzielt. In Palästina selbst berechnen gute Fachkenner die Anlagekosten einschließlich des Bodens auf weniger als 1000 Frcs. pro Hektar, die Rentabilität vom vierten Jahre ab auf 25 Prozent, und für später auf das Doppelte. — Zahlreiche andere landwirtschaftliche Unternehmungen werfen ähnliche und höhere Erträge ab.) Schließlich bemerken wir noch, daß die englische „Achusah“ Beteiligungen von ebenfalls 6000 Mark vorsieht. Die russische Achusah-GeSeilschaft „Achwah“, die aus wohlhabenderen Mitgliedern besteht, rechnet mit Anteilen von 10 000 M. Eine englische Gesellschaft, dje auch Heimstätten kleinsten Ausmaßes (Bauplatz mit Obst- und Gemüsegarten für den eigenen Konsum} vorsehen will, ermöglicht dies für 1000 M. (50 Pfund) usw. usw. Organisation der Pflanzungsgesellschaften*). In verschiedenen Städten in Amerika, England, Rußland Und Deutschland sind in den letzten Jahren Pflanzungs- oder Achusa-Gesellscbaften entstanden. Eine Reihe fvon Familien, die eine Existenz als Kolonisten in Palästina als ihr Lebensziel betrachteten, schlossen sich' zu Gesellschaften von 30 bis 50 Mitgliedern zusammen, um gemeinsam ' den für ihre Zwecke geeigneten Boden zu erwerben und ihn während der Jähere bis zum Fruchtertrag der Bäume bewirtschaften zu lassen. Mit Rücksicht darauf, daß sich die Angehörigen dieser Achusah in Palästina! zu Kolonistengruppen zusammenschließen sollen, die nahe beieinander leben, ist man in der Auswahl der einzelnen Mitglieder sehr wählerisch1 und nimmt nur solche Personen auf, die als spätere Nachbarn willkommen sind.**) Die Mitglieder verfassen ein Statut der Gesellschaft, das von jedem einzelnen Mitglied unterschrieben wird. In dem Statut müssen folgende Bestimmungen enthalten sein: a) Welche Beiträge jedes Mitglied zu zahlen hat; b) welche Mitglieder den Vorstand der Gesellschaft bilden und für die Gesellschaft rechtsgültige Geschäfte abschließen können; c) in welchen Fällen der Vorstand eine Versammlung der Mitglieder einberufen muß und nur *) Diese Ausarbeitung kommt ebenfalls aus Mitte 1014 und beruhte aiuf offizielle Unterlagen aus Palästina. **) Anmerkung des Herausgebers: Die Zahl von 30—50 Mitgliedern scheint mir zu klein. Weder verteilen sich dabei hinreichend die Kokmiespesen noch wird das kulturelle und soziale Leben sehr reizvoll sein. Es ist auch falsch, daß größere Pflanzungen bereits unübersichtlich, wären. Auf alle Fälle könnten ja mehrere Gruppen ä 30—50 Mitglieder eine g e meinsame schöne Großsiedlung — evtl, mit getrennten Verwaltungen usw. — ins Leben rufen. mit vorheriger Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder handeln darf; d) bei welcher Bank das Geld der Gesellschaft deponiert werden soll (am besten eignet sich hierfür die Anglo-Palestine Company in Jaffa), und welche Mitglieder das Verfügungsrecht über das Geld haben; e) welche Rechte ein Mitglied behält, das aus der Gesellschaft ausscheiden will oder seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt. Am vorteilhaftesten ist es, wenn alle Mitglieder einer solchen Achusa in der gleichen Stadt, mindestens aber in benachbarten Städten wohnen, da sie sich dann jederzeit zu Beratungen und Versammlungen vereinigen können, und da Ihnen ferner dank ihrer Lokalkenntnisse — die richtige Auswahl der Mitglieder erleichtert wird. Eine Mitgliederzahl von 30 bis 50 ist deshalb am besten, weil danm die änzulegende Pflanzung nicht zu klein und nicht zu groß sein wird, so daß die allgemeinen Verwaltungsspesen das richtige Verhältnis haben und auch die Uebersicht über die ganze Pflanzung noch möglich ist. Die Mitglieder der bereits bestehenden Achusa, die meistens Leute in behaglichen Lebensumständen sind, bezahlen im Laufe einer bestimmten Reihe von Jahren einen festgesetzten Betrag, und hach einer von den Mitgliedern festgesetzten Zeit wendet sich die Pflanzungsgesellschaft an die Palestine Land Development Company bzw. deren Vertretung, das Palästinaamt in Jaffa, mit dem Ersuchen, das gewünschte Terrain für sie Zu erwerben. Sobald der Boden gekauft und vermessen ist, ist die P. L. D. C. bereit, genaue Vorschläge für die Bewirtschaftung und Bepflanzung des Bodens zu machen. Im allgemeinen gibt es für die Bepflanzung drei Möglichkeiten:

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