Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 33-34 (14.8.1919)
- Date
- 1919-08-14
- Page
- Seite 1035-1036 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1035 —-—-— .^= VOLK UND LAND - =-■ -■■= 1036 Nach dieser Zeit kann bei geeigneter Auswahl der Sorten und entsprechender Bearbeitung ein wesentlicher Teil der Pflanzung schon zum *Ertrage gebracht sein. Auf solche Weise wäre gegenüber dem amerikanischen Vorgehen eine Zeitersparnis von vier Jahren zu erzielen. Es würde ferner auf kleinerer Fläche gewirtschaftet, wodurch sich unter anderem auch die gröbere Arbeit verringert, ohne daß der Ertrag dabei kleiner zu sein braucht. (Diese Zahlungsmodalitäten sind natürlich nur eine von' vielen Möglichkeiten). Arbeit und Ertrag. Aus einer derartigen Anlage läßt sich nach vorsichtigen Berechnungen ein Einkommen von ca. 1200 M. jährlich ziehen, ohne daß es der Besitzer nötig hätte, selbst mitzuarbeiten oder auch nur zu übersiedeln. Im Falle der Uebersiedlung stellt sich der Ertrag wesentlich günstiger, insofern, als dje eigene Disposition des Besitzers, der sich einigermaßen mit den Landesverhältnissen vertraut gemacht hat, immer besser wirtschaften wird, als eine allgemeine Verwaltung. Auch arbeitet eine genossenschaftliche Absatzorganisation zweifellos besser, wenn ihre Mitglieder selbst ansässig sind, als/ wenn sie ihre Interessen durch andere vertreten lassen. Außerdem verursacht ein derartiges kleines, fertiges Besitztum ziemlich wenig Arbeit. In dem Maße, in dem der Eigentümer diese Arbeit selbst und mit seinen Familienmitgliedern zu leisten imstande ist, vergrößert sich sein Einkommen. Jedenfalls würde der Gemüsebau für den eigenen Bedarf ein Minimum an Arbeit erfordern, und Obst und Geflügel wären gleichfalls für den Familienbedarf mit ganz geringer Arbeitsleistung zu ziehen, womit ein sehr wesentlicher? Teil der Bedürfnisse gedeckt wäre. Wenn dann selbst für die eigentlichen Pflanzungen auch weiterhin bezahlte Arbeit in Anspruch genommen wird, so ließe sich daraus ein unter solchen Umständen hinreichendes Einkommen erzielen. Achusaund Gartenstadt. Der überwiegend städtischen Herkunft der zu erwartenden Teilnehmer entsprechend wird man praktischerweise eine Form der Ansiedlung suchen müssen, die städtischen Gewohnheiten und Bedürfnissen nicht allzu fremd ist. Dies ließe sich erzielen, wenn eine genügend große Beteiligung stattfindet, um eine stark bevölkerte Kolonie zu schaffen. Eine Ansiedlung von ca. 100 Familien oder mehr kann erfahrungsgemäß in Palästina schon viele Vorteile sozusagen städtischen Lebens (in kultureller und sozialer Beziehung) auf weisen. Es wäre auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, die neue Ansiedlung an eine der bestehenden Kolonien anzulehnen. Bei der verhältnismäßigen Kleinheit der einzelnen Parzellen (die aber in diesem Klima und bei der in Betracht gezogenen intensiven Kultur durchaus genügen) wird sich im großen und ganzen jener denkbar beste Zustand erzielen lassen, daß die Wohnungen inmitten der Besitztümer oder in ihrer nächsten Nähe liegen. Bei größerem Umfang der Kolonie wird auch erzielt, daß die notwendigen allgemeinen Ausgaben (für Verwaltung, Wasserversorgung, Wachtdienst usw.) sich auf eine größere Anzahl von Ansiedlern verteilen und infolgedessen ,den Einzelnen weniger stark belasten. Am besten wäre es, wenn der neuen Ansiedlung die Hauptzüge der Gartenstadt (im Sinne der Verbindung von Landwirtschaft und Gewerbe) ■ gegeben werden könnten. Dies ließe sich erzielen, I indem der Ansiedlung beispielsweise hausindustrielle und gewerbliche Betriebe usw. angegliedert j oder auch nicht erwerbende Bewohner zugeführt! werden können. So können unter Umständen Klima l und Billigkeit des Lebens dazu führen, daß eine! solche Ansiedluug als eine Art Kurort von Erhoi lungsbedürftigen für kürzere oder längere Zeit aufgesucht wird. Auch wäre für die Ansässigmachung einer Anzahl von Arbeitskräften zu sorgen. Produktion und Verwertung. Es bleibt noch einiges darüber zu sagen, ob der Landwirtschaft ungewohnte Elemente, die sich j doch nicht (oder nicht ganz) auf fremde Arbeit i verlassen möchten, Aussicht haben, in Iandwirtj schatflichen Berufen vorwärts zu kommen. Nun j wird eine genügend große Ansiedlung der geplanten I Art aber immer in der Lage sein, vorzügliche Fach- | heute anzustellen, die Iden Einzelnen mit Rat und Tat dienen, und die Erfahrung vieler Länder hat es gerade in der letzten Zeit über allen Zweifel klar gemacht, daß wohlberatene, resp. wohlgeleitete Arbeit von Neulingen bessere Erträge bringt, als alle herkömmliche Landwirtschaft. Die gröbsten landwirtschaftlichen Arbeiten sind ja bei dem hier in Aussicht genommenen System der fertigen und tragenden Pflanzungen von Anfang an ausgeschaltet, und etwa nötig werdende einzelne Arbeiten solcher Art werden stets von dem „kleinen Landwirtschaf tsamtf< der Ansiedlung besser einheitlich durchgeführt werden können, als von den vielen Einzelkolonisten. Auch für die Verwertung und den Absatz der Produkte werden von vornherein alle erforderlichen genossenschaftlichen Einrichtungen zu treffen sein, denen sich anzuschließen jedem Mitglied freigestellt werden würde. Schließlich sollte die ständige Wirtsdiaftszentrale ein Stück Gemeindeland verwalten, aus dessen Erträgen allgemeine Kosten der Kolonie bestritten werden können. Das Vorhandensein eines solchen, schon etwas größeren Betriebes bietet auch sonst allerlei Vorteile. Bodenmaß, Lebenshaltung und Rentabilität. Bezüglich des Ausmaßes an Land, daß wir i hier in Aussicht genommen haben, und das viel- | leicht manchem zu klein Vorkommen wird, sei noch! gesagt, daß nach den besten amerikanischen Erfah- { rungeit, 3 Acres (nur 1,2 ha) ein gutes Durch sch nittsj maß für kleine Besitztümer bilden, von denen eine i Familie schon recht gut leben und etwas vor sich j bringen kann. j Es sei noch erwähnt, daß bei entsprechenden Methoden sowohl in Palästina als auch in zahlj reichen klimatisch ähnlichen Gebieten aus sehr viel