Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 33-34 (14.8.1919)
- Date
- 1919-08-14
- Page
- Seite 1033-1034 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1033 VOLK UND LAND — 1034 ZUR FRAGE DER ACHUSA-KOLONISATION In dem Maße, in dem die Zeit der Uebersiedlung für diejenigen näherrückt, die in der einen oder andern Form sich zur Schaffung einer neuen Existenz in Palästina entschlossen haben, Ein System der jüdischen Die Achusa in Amerika. [ Unter den amerikanischen Juden ist seit einigen Jahren eine Bewegung im Gange, die auf Ansiedlung in Palästina unter einem besonderen System hinzielt. Dieses System der „Achusa“! besteht darin, daß die zu solchen Gesellschaften i zusammengetretenen Mitglieder in jahrelangen Ra- | Tenzahlungen die Beträge aufbringen, die zur Niei derlassung in Palästina für notwendig gehalten! werden. Die Kosten der Niederlassung für eine j Familie mit bescheidenen Ansprüchen werden hierj bei meist auf 1400 Dollar (nicht ganz 6000 M.) | geschätzt, soweit Grund und Boden, die nötige Vorbereitung und Bepflanzung in Betracht kommen. Für ein Haus und eine gewisse Reserve für verj schiedene Erfordernisse werden weitere 1000 Dollar i (ca. 4000 M.) in Anschlag gebracht, welche letz-; teren man bei der Uebersiedlung verfügbar haben j müßte. In Fällen, wo diese Summe nicht erübrigt werden kann, soll der Ertrag der Landwirtschaft während etwa 3 Jahren für diesen Betrag aufkommen. Auf solche Weise kann man rechnen, daß bereits 6000 M. als eine Art auskömmlichen Minimums genügen. Die amerikanischen Achusamitglieder verteilen die Einzahlung auf 10 Jahre, sodaß auf das Jahr nur 140 Doll, (nicht ganz 600 Mark) und auf die Woche wenig mehr als 10 M. entfallen. Hiervon hoffen sie später zirka 1200 M. per Jahr, resp. für dauernd das doppelte dessen zu erzielen, was sie 10 Jahre hindurch einzuzahlen hatten. Dieses Einkommen gilt als bei bescheidenen Bedürfnissen ausreichend und stellt übrigens ein arbeitsloses Einkommen dar, das bei eigener Arbeit leicht wesentlich erhöht werden kann. Als Landausmaß ist da bei eine Fläche von 70 Dunam (ca. 61/3 ha) vorgesehen. Hiervon sollen neun Zehntel mit verschiedenen Baumsorten bepflanzt und das Testierende Zehntel für Haus und Gemüsegarten reserviert werden. In Amerika rechnet man, daß die Einzahlungen der ersten drei Jahre auf den Erwerb des Grundbesitzes gehen. Die Vorteile des Systems. Das System der Achusa ist insofern für Juden, die, ohne größere Barmittel zu besitzen, (eine Uebersiedlung nach Palästina planen, besonders geeignet, weil ihnen so die Möglichkeit gegeben wird, die Kosten in jahrelangen Ratenzahlungen aufzubringen und ihre bisherigen Geschäfte usw. ohne Ueberstürzung und Verluste abzuwickeln, zu liquidieren, zu verkaufen usw. Die amerikanischen Achusagesellschaften zählen im allgemeinen nicht weniger als 50 Mitglieder. Im ganzen sind zur Zeit an 20 Gesellschaften mit weit über 1000 Mitgliedern organisiert. Die älteste Achusagesellschaft — diejenige von St. gewinnt die Frage der Achusa erhöhte Bedeutung. Es wird daher Vielen willkommen sein, wenn wir in Nachstehendem eine Zusammenstellung der bisherigen Materialien über dieses Thema bieten. Ansiedlung in Palästina Louis - hat bereits seit drei Jahren in Palästina Land erworben und mit der Bepflanzung begonnen. Das Resultat war so ermutigend, daß hauptsächlich hierauf die rasche Ausdehnung der Achusabewegung in den Vereinigten Staaten zurückzuführen ist.*) Eine neue Achusa für Deutschland und seine Nachbarländer. Seither sind auch in England, Rußland und anderwärts Achusagesellschaften entstanden, und cs wird nun geplant, auch in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern eine Achusagesellschaft größeren Maßstabes zustande zu bringen, die'auf den Erfahrungen der früheren basierend aller Voraussicht nach größere Vorteile wird erzielen können. Im folgenden soll ein Plan entworfen werden, der einer solchen Gesellschaft als Grundlage dienen mag. Bei dem oben Gesagten war an eine landwirtschaftliche Installation gedacht, deren Ertrag bescheidenen Ansprüchen genügen soll. Für diejenigen, die größere Ansprüche stellten, blieb es offen, einen doppelten oder dreifachen Anteil zu erwerben. Wir möchten für den vorliegenden Fall mit einer intensiveren Wirtschaftsweise rechnen, bei der etwa ebensoviel Geld und Arbeit wie bei den amerikanischen Gesellschaften auf eine kleinere Fläche verwandt werden. Nach den besten Erfahrungen sind etwa' 3 ha Baumpflanzungen völlig ausreichend für den hier ins Auge gefaßten Zweck, wobei ebenfalls gilt, daß größere Ansprüche sich durch mehrfache Beteiligung leicht befriedigen lassen. Wir möchten je nach Lage und Eignung ein Areal von 3—4 ha in Betracht ziehen, das für 300 bis 400 M. per Hektar, also für eine Summe von ca. 1200 M. auch in guter Verkehrslage in Palästina zu haben ist.^ Das Pflanzmaterial wird (nebst allgemeinen Ausgaben) ebenfalls auf zirka 1200 M. gerechnet werden können. Es1 kämen hinzu vier Jahre Arbeit und Aufsicht, die ä 900 M. zu rechnen wären, wodurch sieh beispielsweise folgender Einzahlungsmodus empfehlen würde: 1200 M. bei Eintritt, wodurch Zeitverlust bis zum Ankauf des Landes vermieden werden kann. 1200 M. möglichst ein Jahr später, sod^ß auch mit den allgemeinen Vorarbeiten und dem Pflanzen keine Zeit verloren zu werden braucht. Der Rest von 3600 M. in vier Jahresraten (ä 900 M.). *) Diese Ausarbeitung war Mitte 1914 geschrieben. Sie kam unter wesentlicher Mitwirkung des Herausgebers zustande; war aber von vornherein eine Art Kompromiß und trug daher auch keinen. Automamen. Zur Verbreitung war dieser Plan damals nicht gelangt.