Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 33-34 (14.8.1919)
- Date
- 1919-08-14
- Page
- Seite 1031-1032 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1031——-^=:: -VOLK UND LAND -■■-■=■= r= 1032 1890 durch Anwendungvon Maschinen und Ergebnissen der modernen Chemie und Biologie die Produktivität des Gutes gewaltig zu steigern. Wie eine einzige Verbesserung wirken kann, zeigt der Erfolg der Trocknung der Rübenschnitte, die als Viehfutter dienen: „Die Rübenschnittrocknung allein gibt mir aus derselben Rübenmenge Schnittfutter für 1000 Mastochsen im Jahre mehr als früher, wo ich nur nasse Schnitte verfütterte.“ Hätten alle 200 Zuckerfabriken Oesterreichs diese Methode eingeführt, so könnten sie an 200 000 Ochsen im Jahre mehr mit denselben Erträgnissen füttern. Aber erst etwa ein Dutzend Fabriken wendet das Verfahren an. Nicht minder wichtig ist ein Verfahren der Strohaufschließung, das nicht nur jede Art Stroh, sondern auch Kartoffelkraut in gutes Vichfutter verwandelt. Seidl führte die Methode 1905 ein und konnte seitdem die dem Futterbau gewidmete Fläche von 430 Hektar auf 250 reduzieren. Nicht minder bedeutend wie in der Produktion von Viehfutter waren Seidls Erfolge auf dem des Körnerbaus: „Düngung, zeitgemäße Bodenbearbeitung (für SO000 Kronen Dampfpflüge!) und richtige Sortenauswahl ermöglichten es mir, ... die Getreideproduktion von 0000 Meterzentner auf 27 000 Meterzentner pro Jahr, also auf das Dreifache, zu 'steigern. Ich ließ aber auch die Fortschritte auf dem neu erschlossenen Gebiete der Pflanzenzüchtung keineswegs außer acht... Es ist gelungen, aus einer Landrasse von Winterroggen ein Saatkorn zu erzielen, das im Vorjahr auf 5 Hektar 33 Meterzentner und im letzten Jahre im feldmäßigen Anbau sogar 37 Meterzentner pro Hektar ergab.“ Dabei war im Vorjahr im allgemeinen die Ernte keine gute. Im Durchschnitt wurden in Mähren während des letzten Jahrfünfts jährlich 13,4 Meterzentner pfo Hektar geerntet! Im Deutschen Reiche Jm Durchschnitt der Jahre von 1899 bis 1907 auch nur 15,5 Meterzentner.; Die Erzielung dieser hohen Erträge war keineswegs eine kostspielige Spielerei. Herr Seid! ist ein guter Geschäftsmann. Die Höhe seiner Profite freilich verschweigt er. Aber er sagt uns doch, daß seine jährlichen Einnahmen von 1889 bis 1909 von 420 000 auf 798 000 Kronen stiegen, die Ausgaben für Arbeitslöhne dagegen nur von 100 000 auf 157 000 Kronen. Sie waren bis 1906 auf 189 000 Kronen gewachsen, seitdem durch Einführung von Maschinen um 32 000 Kronen herabgedrückt 'worden! Aber freilich, Kapital mußte in das Gut hineimgesteckt werden. Mit den Mitteln bäuerlicher Wirtschaft wäre die Steigerung nicht zu erzielen gewesen. Betriebe wie der Seidlische sind nicht:;das letzte Wort der modernen landwirtschaftlichen Technik. Trotzdem bilden auch sie noch sehr vereinzelte Erscheinungen. Wie weit stehen aber noch andere Länder, die Kornkammern der Welt, hinter Deutschland und England zurück! Nach der Statistik des englischen landwirtschaftlichen Amtes betrug im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (bis 1907) der Weizenertrag pro Acre in Busheis in: Großbritannien .31.12 Deutschland .. 29 59 Belgien. 3409 Dagegen: Vereinigte Staaten.13,57 Argentinien.. 10,58 Australien . 8,76 Europäisches Rußland (ohne Polen) 9,72 Indien .11,44 Der Ertrag der letztgenannten Länder ließe sich, nach diesen Zahlen zu urteilen, also schon verdreifachen, auch wenn man sie bloß mit jenen Hilfsmitteln ausstattete, die heute schon in England und Deutschland allgemein angewandt werden. Die technisch mögliche Steigerung ginge weit darüber hinaus. Andererseits könnte man die für menschliche Nahrungsmittel bereitstehende Bodenfläche erheblich vermehren, wenn man das Pferd durch mechanische motorische Kräfte ersetzte. Im Deutschen Reiche sind nicht ganze zwei Millionen Hektar mit Weizen bebaut, dagegen über vier Millionen mit Hafer, in Rußland mit diesem fast, siebzehn Millionen, in den Vereinigten Staaten dreizehn Millionen. Wieviel Boden durch Entwässerungs- und Bewässerungsanlagen gewonnen werden kann, dafür nur einige Angaben. Im Deutschen Reiche umfassen die Hochmoore allein 27 500 Quadratkilometer mehr als das Rheinland, mehr als der Weizenboden des ganzen Reiches. Das Sumpfland der Vereinigten Staaten umfaßte 1900 75 Millionen Acres, dagegen, der mit Weizen besäte Boden bloß 50 Millionen. Ueber das Terrain, das durch künstliche Bewässerung in den Vereinigten Staaten zu gewinnen ist, zitiert Simons aus dem Bericht einer Kommission des Senats: „Mehr als uzwei Fünftel des Gebiets der Vereinigten Staaten, abgesehen von Alaska, erfordern Bewässerungsanlagen, sollen Sie regelmäßige Ernten liefern, und ln wenigstens vier Fünfteln dieser Landstriche ist die künstliche Bewässerung Vorbedingung jeglicher Produktion auf ihnen. Die dürre Region umfaßt 1 200 000 bis 1 300 000 (englische) Quadratmeilen, sie ist um ein Drittel größer als BritisCh-Indien und diesem im allgemeinen Charakter sehr ähnlich ... Die Zeugen sind einig in der Erklärung, daß ein ACre Boden in Montana unter Bewässerung an Produktivkraft ebensoviel besitzt wie drei bis fünf Acres in den feuchten, dem Regen ausgesetzten Staaten.“ Dieses Gebiet umfaßt rund 1000 Millionen Acres - gegenüber den rund 50 Millionen Weizenboden der Vereinigten Staaten; es liefert schon bei den jetzt dort üblichen Methoden des Anbaus im Durchschnitt 35 Bushel Weizen pro Acre, gegenüber dem Durchschnitt der Vereinigten Staaten von 13,5 Bushel. Man kann sich vorstellen, welch ungeheure Erweiterung des Nahrungsspielraums die Bewässerung dieses Gebiets ergeben muß. 1899 waren davon rund 7 Millionen Acres unter Bewässerung. Die Bewässerungsbauten hatten 64 Millionen Dollars, etwas über 250 Millionen Mark, gekostet, der jährliche Wert der Ernten belief sich auf 84 Millionen Dollars, fast 350 Millionen Mark. (Vergleiche darüber A. M. Simons, The American Farmer, S. 176 ff., Chicago 1902.) Und ähnliches kann in den Mittelmeerländern erreicht werden sowie in Mesopotamien, im tropischen Afrika und Amerika. Solange dieser Prozeß fortdauert, kann von einer Uebervölkerung keine Rede sein, wie rasch auch die Bevölkerung anwachsen mag. Es ist aber sicher nicht übertrieben, wenn wir erwarten, dieser ganze riesenhafte Prozeß der Umwälzung der Landwirtschaft der gesamten Erde durch den Sozialismus werde auch nach einem Jahrhundert noch nicht beendet sein.