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Volk und Land · 1919-08-14 · Heft 33-34 (14.8.1919) · p. Seite 1025-1026

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 33-34 (14.8.1919)
Date
1919-08-14
Page
Seite 1025-1026 (sequence 5)
Language
German
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VOLK UND LAND 102r 1025 denn keine andere Bevölkerungsschieht leidet so sehr unter dem Militarismus wie er. Das siegreiche Proletariat wird aber auch die AAittel und das Interesse haben, den Bauer bei de: technischen VcrvoUküiumnung seines Betriebes zu unterstützen, ihm Dünger, Arbeitsvieh, verbesserte Werkzeuge zugänglich ,zu machen und dadurch i die Menge seiner Produkte zu steigern. j Wenn wir erwarten, daß dies nicht zu einer j neuerlichen Befestigung der kleinbäuerlichen Pro- I duktionsweise führen wird, so folgt: dies daraus, daß wir annehmen, auch die größte Entlastung und Unterstützung sei nicht imstande, dem bäuerlichen Kleinbetrieb die ganze moderne Technik im vollsten Ausmaß zugänglich zu machen, und die Kleinbauern werden daher früher öder später, sobald die sozialistische Produktionsweise sich befestigt hat, selbst freiwillig ihre Betriebsform verlassen, die für sie eine Fessel des weiteren sozialen Aufsteigens wird. Die sozialistische Gesellschaft wird alle Ursache haben, ihnen beim Uebergang zu einer höheren Betriebsweise zu helfen, da sie ja einer Vermehrung ihrer Nahrungsmittel und Rohstoffe bedarf und daher dabei aufs stärkste interessiert ist. Dieser Umwandlungsprozeß: wirdnoch in anderer Weise beschleunigt werden. Das sozialistische Regime hat es nicht allein mit den Kleinbauern zu tun, sondern auch mit den zahlreichen Lohnarbeitern der Landwirtschaft. Wie wird es sich zu jenen Betrieben stellen, die Lohnarbeiter im Gange halten? Die Verehrer des, bäuerlichen Betriebs um joden Preis nehmen an, die ländlichen Lohnarbeiter seien wahre Fanatiker des Privateigentums am Boden und verlangten nichts sehnsüchtiger, als Zwergbauern zu werden. Die soziale Revolution sei für sie gleichbedeutend mit der Zerschlagung der großen Betriebe und der Verteilung der daraus gebildeten kleinen Betriebe an die bisherigen Lohnarbeiter. Daß heute noch viele Landarbeiter so denken, unterliegt keinem Zw eifel. Dieses Bedürfnis bildet einen der Gründe der fortschreitenden Zersplitterung des Bodens in manchen Gegenden und der hohen Preise, die gerade für kleine Parzellen gezahlt werden. Aber selbst heute schon, wo noch Teuerung und Arbeitslosigkeit den Proletarier bedrohen, übt der eigene Grundbesitz nicht mehr jenen überwältigenden Zauber aut den Landarbeiter aus wie ehedem. Wir sehen es, daß selbst Bauernkinder lieber in die Stadt ziehen, um der Oede des bäuerlichen Daseins zu entgehen, als daß sie das eigene Gütchen weiter bewirtschaften. In der sozialistischen Gesellschaft wird sich aber, das kann keinem Zweifel unterliegen, die Lage des industriellen Arbeiters noch weit günstiger gestalten alsf die eines Kleinbauern, wieviel sie auch diesem bieten mag. Das allgemeine Sehnen der heutigen Arbeiterklasse geht nicht bloß nach mehr Nahrung, nach besserer Wohnung und Kleidung, sondern auch nach Verringerung der eintönigen Arbeit der modernen Massenproduktion, nach mehr Muße und Freiheit. Die Muße ist heute nicht minder ein unentbehrliches Lebensmittel geworden wie Fleisch und Brot. Soll die Produktion gesteigert und gleichzeitig die Arbeitszeit erheblich verkürzt werden, dann ist es unerläßlich, nur die produktivsten Produktionsmittel anzuwrenden, alle weniger produktiven möglichst außer Gebrauch zu setzen. Das wird in der Industrie geringe Schwierigkeiten machen. Auch hier, nicht bloß in der Landwirtschaft, gibt es noch zahlreiche höchst unrationelle, oft geradezu parasitische kleine Betriebe. Sie \ ei -ehw ueien nicht innerhalb des Kapitalismus, sondern haben die Tendenz, an Zahl zu wachsen, trotz des siegreichen Vordringens des Großbetriebs, ja durch ihn. weil de immer me.hr zu einer Erscheinungsform der industriellen Reservearmee, zu einer ZuLuchtstätte von Existenzen werden, die der Großbetrieb arbeitsl >s macht. Die ungeheure Mehrheit dieser zwerghaften Betriebe kann ohne jede Störung für die’ Produktion mit einem Schlage aufgegeben werden, und sie wird aufgegeben in dem Moment, in dem in den großen Betrieben die besten Arbeitsbedingungen, reicher Lohn und Sicherheit der Beschäftigung winken. Führt man etwa in den produktivsten Betrieben eine Verdreifachung der Arbeit erzähl ein, einen dreimaligen Schichtwechsel im Tage mit fünfstündiger Arbeitszeit für jede Schicht, und vielleicht im Sommer drei Monate lang zw eimaligen Schichtwechsel im Tage und Beurlaubung der dritten Schicht für einen Monat, so daß jeder Arbeiter im Betrieb so lange Ferien erhält w?er der kleinen Handwerker und Krämer wollte da nicht Arbeiter in solchem Betrieb sein, wer wrollte sich noch mit Rezepten zur Rettung des Kleinbetriebs abgeben? Auf die schmerzloseste Weise wird dieser in Handel und Industrie verschwinden, unter dem freudigen Aufatmen aller kleinen, bisher anscheinend „selbständigen“ Meister und Ladenbesitzer. Nicht minder aber werden bei einer derartigen Gestaltung der Industrie auch die Arbeiter vom Lande ihr Zuströmen, nicht nur bisherige Lohnarbeiter, sondern auch die selbständigen Kleinbauern, die nun jeglichen Eigentumsfanatismus loswerden und auf ihr Eigentum pfeifen, wenn sie dafür so herrliches Leben eintauschen können. So erwünscht es sein wird, daß die kleinen Händler, Budiker, Handwerker ihre für die Gesellschaft zwecklosen Betriebe aufgeben und die Zahl der Arbeitskräfte in den produktivsten Großbetrieben und Industrie und des Verkehrs vermehren, so gefährlich vvürde es für das neue Regime, wenn sich dazu eine Massenfliucht der landwirtschaftlichen Bevölkerung vom, Lande weg zur Industrie gesellte. Die Ausstattung der Ländlichen Lohnarbeiter mit Eigenbetrieben würde diese Gefahr nicht bannen. Selbst wenn {sich das, sozialistische Regime nicht von vornherein, wie es wahrscheinlich ist, daran machen sollte, den Betrieb der Landwirtschaft möglichst anziehend zu gestalten, würde es bald durch die Landflucht gezwungen werden, dies zu bewirken. Das ist aber in der Landwirtschaft weniger einfach als in der Industrie. In dieser schafft die kapitalistische Entwicklung bereits technisch höchst vollkommene Betriebe. Die neue sozialistische Gesellschaft wird in der Industrie zunächst weniger die Aufgabe haben, neue, höhere v Betriebe zu schaffen als die überlebte stillzusetzen un^l die Arbeitskräfte in den vollkommenen zu konzentrieren. In der Landwirtschaft gibt es nur wenige Betriebe, die man als vollkommene bezeichnen darf, in denen das Maximum dessen erreicht wird, was bei dem heutigen Stande der Technik und des Wissens geleistet werden könnte. Und diese wenigen Betriebe wären bei weitem unzureichend, den gesellschaftlichen Bedarf an Bodenprödukten zu decken. Es wird heißen, die ganze Landwirtschaft neu zu organisieren und auf eine höhere Stufe zu heben. Hier hat die ökonomische Entwicklung dem Sozialismus nur wenig vorgearbeitet, hier wird er sich seine technische Basis erst selbst schaffen müssen — mit Hilfe der Naturerkerintnis und der Technik, die der Kapitalismus in der Stadt entwickelt hat. Die technische Umwälzung der städtischen Industrie * durch den Kapitalismus, aus der sich

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