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Volk und Land · 1919-08-14 · Heft 33-34 (14.8.1919) · p. Seite 1023-1024

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 33-34 (14.8.1919)
Date
1919-08-14
Page
Seite 1023-1024 (sequence 4)
Language
German
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1023 VOLK UND LAND 1024 jährlichen Immigranten brauche man sich nicht /u ängstigen. Diese werden niemand in Verlegenheit bringen, denn schlimmstenfalls könne inan sie ja als Pensionäre aushalten und ihnen eventuell eine neuen „Chajuka“ geben. Der jetzige große Moment stellt uns ganz andere Aufgaben. Wir müssen in unserem Denken und Schaffen viel großzügiger sein. Unsere Massen wollen den blutgetränkten Staub von ihren Füssen abschütteln und zwar nicht in 50 Jahren und nicht morgen, sondern heute. Nachdem sie wie Helden in den höllischen Jahren des Weltkrieges gekämpft haben, wollen sie heute ein freies Volk werden, geachtet und aller menschlichen und nationalen Rechte teilhaft. Hat man uns denn nicht Palästina feierlichst versprochen? Sollte man jetzt mit uns unbarmherzig Spott treiben und die Türe vor uns schließen, so müßten wir vor der ganzen Welt lautesten Protest erheben gegen diejenigen, die uns irre geführt haben, und vor dem Völkerbund unser Recht fordern. Diejenigen, die behaupten, Palästina sei nicht imstande, Millionen Einwohner zu ernähren, befänden sich im Irrtum. Nicht das Land ernährt seine Einwohner, sondern die Bewohner eines Landes sind es, die erst die Volkswirtschaft schaffen. Sie heben sie, indem sie sich der natürlichen Hilfsquellen des Landes bedienen, durch Arbeit, Erfindungen und Neugründungeil. Je mehr ihrer werden, desto rascher schaffen sie den Reichtum, sowohl für den Einzelnen wie für die Gesamtheit. Es ist nichts Paradoxes, sondern Tatsache, Axiom: ein Land, in dem Hunderttausende Hunger leiden, ernährt Millionen. Deshalb müssen wir laut und energisch fordern, daß man uns die Tore des Landes sperrangelweit öffne, ohne uns irgendwelche Hindernisse in den Weg zu legen. Wir wollen in Massen nach Palästina kommen, ohne jegliche Einschränkung. Ein oder mehrere Jahre noch werden wir Avancen von unseren Brüdern außerhalb des Landes fordern, als Hilfe für den Anfang. Nachher werden wir gekräftigt aus der Bedrängnis hervorgehen. Ueber das wie ängstige er sich auch keinen "Augenblick, da er sein Volk genügend kenne. LANDWIRTSCHAFT Von Karl Im Verlage von Paul Cassirer, Berlin, erschien vor kurzem: Karl Kautsky: „Die Sozialisierung der Landwirtschaft. Mit einem Anhang: Der Bauer a'.s Erzieher, von A. Hofer“. Wir werden auf das Buch noch in einer eingenenden Besprechung zurückkommen, glauben ‘aber schon jetzt unsern Lesern durch Abdruck des nachfolgenden Kapitels davon Kenntnis geben zu sollen, weil vieles von dem dariii Gesagten von höchste'm Interesse für die Fragen der Landwirtschaft in Palästina ist. Alle die gewaltigen, Hemmungen, die der Kapitalismus der Entwicklung der Landwirtschaft ln den Weg liegt, werden durch dessen Ueberwindung beseitigt, sowohl das Privateigentum am Boden wie die Lohnarbeit und die koloniale Eroberungs¬ und Erpressungspolitik. Damit ersteht die Möglichkeit, den heute schon sehr hohen und immer noch steigenden Gegensatz zwischen der möglichen und der wirklichen Produktivkraft der Landwirtschaft zu überwinden, in dieser alle die enormen Produktivkräfte zu entwickelin, die ihr der Stand der theoretischen Naturerkenntnis und der praktischen Technik schon bietet und zur Zeit der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat sicher in noch höherem Maße bieten wird. Denn Wissenschaft und Technik rasten, nicht. t)ie Ueberwindung des Kapitalismus durch das Proletariat bietet aber damit nicht nur die Möglichkeit, die Produktivkräfte der Landwirtschaft aufs höchste so schnell zu enfalten, als Cs die Produktivkräfte der Industrie gestatten, die ja der Landwirtschaft die Mittel ihres Aufschwunges zu liefern hat; sie bringt auch die Notwendigkeit mit sich, diesen Aufschwung möglichst zu beschleunigen, weil das siegreiche Proletariat trachten muß, mit allen Mitteln die Summe von Nahrung und Muße zu vermehren, die für die Bevölkerung erreichbar ist. Ehe wir das näher erläutern, sei einem möglichen Mißverständnis vorgebeugt. Wir haben da raut hingewiesen, daß das Regime des, siegreicheni Proletariats zur Aufhebung des Privateigentums am Boden führen wird. Dies ist nur in der Weise UND SOZIALISMUS Kautsky. aufzufassen, daß wir erwarten müssen, diese Aufhebung werde schließlich im Laufe der Entwicklung eintreten, die mit dem Siege des Proletariats anhebt. Keineswegs soß damit gesagt sein, daß wir forderten, das Proletariat solle, sobald es zur Macht gelangt, Isie jsofort dazu benutzen, alle Bauern zu expropriieren, oder gar ihr Land zu konfiszieren. Daran denkt niemand in der Sozialdemokratie. Das allein wäre indes noch keine Gewähr dafür, daß es (zu einer derartigen (Expropriatiomtjnidht käme. Wir können ja nur für uns sprechen, wissen aber nicht, wer Von uns den Sieg des Proletariats erlebt, unter welche** Bedingungen er eintritt, welche Anschauungen die Sieger leiten werden. Es gibt jedoch noch einen anderen Faktor als das Wollen und Wünschen der heute lebenden Sozialdemokraten, einen Faktor, der eine viel bessere Gewähr dafür bietet, daß es zu einer Expropriation der Bauernschaft nicht kommen wird, und das ist die einfache Tatsache, daß dem Interesse des Proletariats diese Expropriation nicht nur nicht entspricht, sondern vielmehr entgegensteht. Das siegreiche Proletariat hat alle Ursache, dafür zu sorgen, daß die Nahrungsmittelproduktioin ungestört fortgeht. Eine Expropriation der Bauern würde diesen ganzen (Produktionszweig in die tollste Unordnung bringen und das neue Regime mit Hungersnot bedrohen. Die Bauern mögen also unbesorgt sein. Ihre ökonomische Unentbehrlichkeit wird jede Expropriation verhüten, ganz abgesehen davon, daß schon die einfachste Regel der Klugheit gebietet, sich ohne Not nicht eine so starke Bevölkerungsschicht zu Feinden zu machen. Die Kleinbauern werden durch den Sieg des Sozialismus nichts verlieren, sie können; dadurch nur gewinnen. Erst durch ihn werden die Gegensätze der kapitalistischen Nationen aus dem Wege geräumt, die die wachsenden Kriegsrüstungen und Kriegsdrohungen erzeugen; erst durch ihn werden die Bedingungen der Abrüstung und des so heiß ersehnten ewigen Friedens geschaffen. Dadurch wird niemand so sehr entlastet wie der Bauer,

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