Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 33-34 (14.8.1919)
- Date
- 1919-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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VOLK LA MD JUEPISCÜMlfillflilSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCHÜj§f UND PALAESTINAARBEIT HERAUSGEGEBEN V&N OAVIS TRIETSCH 14./ 21. AUGUST 1919 HEFT 33/34 1. JAHRGANG MAX NORDAU Laut „Jewish Times“ ist Max Nordau mit der jetzigen Leitung und Politik der zionistischen Bewergung nicht einverstanden. In einem von Granada in Spanien vom 12. Juli datierten Brief an einen seiner Pariser Freunde drückt Nordau u. a. seine Unzufriedenheit wie folgt aus: „Man berichtet mir, daß junge Anhänger des Neozionismus in London sich öffentlich brüsten, es sei ihnen gelungen, He/zl von der Bewegung zu beseitigen. Es ist dies keine Uebertreibung; sie haben Herzl nicht nur beseitigt, sondern ihn einfach vertrieben. Diejenigen, die sich durch ihre eigene Autorität als Advokaten und Führer des jüdischen Volkes proklamierten, sind alte Bekannte aus Charkow her, und ihre Anhänger haben ständig gegen Herzl Krieg bis aufs Blut geführt. Die jetzt dominierenden Ideen sind dieselben, die Herzl stets mit größter Entrüstung und heiligem Zorn bekämpft hat, wozu ihn seine Sorge um die Zukunft des^ jüdischen Volkes berechtigte. Es ist dies die mystische Eselei vom geistigen Zentrum der jüdischen Kultur in Jerusalem und die Narretei von langsamer und vorsichtiger Eindringung in Palästina, um im Laufe von 50 Jahren dort Hunderttausende von jüdischen Kolonisten anzusiedeln. Wer heute Herzl lobt und sich gleichzeitig nicht mit seiner letzten Energie dem Strom entgegenstellt, der den Zionismus in eine Richtung führt, welche direkt antagonistisch zurRichtung Herzls ist, der ist fürwahr unaufrichtig. (J.P.Z.) ln einem in der „Jewisih Times“ veröffentlichten Interview bedauert Prof. Yahuda außerordentlich, daß es Nordau unmöglich war, an der Londoner zionistischen Konferenz teilzunehmen. Nachdem Nordau eine Einladung ziu der Londoner Konferenz erhalten hatte, hätten die Zionistenführer trotz aller Schwierigkeiten Nordau eine Einreisebewilligung nach London verschaffen müssen. Es wäre ein leichtes gewesen, den Vorwurf, Nordau — MAXIMALIST; sei ein deutscher Agent, zu entkräften und die englische Regierung von seiner Ententefreundlichkeit zu überzeugen. Yahuda dringt darauf, daß Nordau ehestens nach London gebracht werde, um dort den ihm gebührenden Platz einzunehmen. Nach seinem Empfinden besteht die Gefatur, daß das Mandat ohne energische Aktion eine Art „Milch und Wasser-Mandat“ sein wird. Gl eichj zeitig bedauert Yahuda, daß Nordau sich nicht abhalten lasse in Privatbriefen an Freunde, Kritik an der jetzigen Führung der zionistischen Partei | zu üben, die dann an die Oeffentlichkeit gezogen; wird. (Dieser Vorwurf Yahudas bezieht sich augenscheinlich auf den von der „Jewish Times“ veröffentlichten Brief Nordaus, den wir in vorstehender Meldung der J.P.Z. wiedergegeben haben.) Daß Nordau jejdoch selber wünscht, seine Vorwürfe und kritischen Aeußerungen in die Oeffentlichkeit zu bringen, beweist ein von ihm an die in Jerusalem erscheinenden „Hadashoth Haaretz“ gerichtetes Schreiben, das wir hier gekürzt und sinngemäß wiedergeben: Nachdem Nordau seine Freude über das Wiedererscheinen einer hebräiscehn Tageszeitung in Palästina ausdrückt, und aufs schmerzlichste bedauert, sich an diese Zeitung in einer fremden und nicht in unserer nationalen Sprache wenden zu müssen, betont Nordau: Millionen harren des Augenblicks nach Palästina heimzukehren. Er sei voller Zorn gegen die Feiglinge, die fortwährend betonen, man könne nur mit Ueberlegung und Vorsicht handeln, und die Immigration könne nur äußerst langsam und nur in kleinem Maßstabe vor sich gehen, so daß vielleicht in 50 Jahren einige Hunderttausende im Lande unserer Väter sein werden. Es sei dies eine sehr bequeme These, die keine Gefahr in sich berge; sie verlange keine Verantwortlichkeit seitens derjenigen, die sich rühmen, die Bewegung der Wiederbesiedelung und der Rückkehr nach Zion zu leiten. Sie erfordere keine neuen fruchtbaren Gedanken, keine organisatorische Energie und kein schöpferisches Genie. Es sei die aillereinfachste Lösung dieses Probleme«, es zu umgehen. Wegen de* paar Tausend