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Volk und Land · 1919-08-07 · Heft 32 (7.8.1919) · p. Seite 1017-1018

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 32 (7.8.1919)
Date
1919-08-07
Page
Seite 1017-1018 (sequence 17)
Language
German
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1017-'-=■■=---—= .... ■ ■ -■ VOLK und LAND — ■- - - - lQi8 rung verfolgte Zweck, die künftige Uebersiedlung vorzubereiten, erreicht werden soll. Wir bitten, dahin zu Marken, daß der Fragebogen, der ein allgemeines Bild über Person, Beruf, künftige Absichten und bereits getroffene vorbereitende Maßregeln des zu Registrierenden geben soll, in möglichster Ausführlichkeit ausgefüllt wird. A e r z t e. Kurse für palästinainteressierte Aerzte. Das tropenhygienische Institut in Hamburg (Direktor: Geheimrat Prof. Dr. Nocht) hat für den 1. Oktober einen auf sechs Wochen berechneten Kursus in Aussicht genommen, der die Klinik und die Pathologie der wichtigsten exotischen Krankheiten, Protozoenkunde, medizinische Helminthologie und Entomologie, Bekämpfung wichtiger tropischer Krankheiten, Tropenhygiene und Tierseuchen umfassen und die Teilnehmer täglich von 9—4 Uhr beschäftigen soll. Das Honorar wird voraussichtlich 150 bis 200 M. betragen. Die Kurse sind für Aerzte geeignet, die für die sanitären Verhältnisse Palästinas Interesse haben. Es ist mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß die überwiegende Mehrzahl der Kursusteilnehmer das Palästinainteresse vereinigt, wodurch dem Kursus die besondere Einstellung gegeben werden könnte. Wir ersuchen, Meldungen zu diesem Kurse möglichst bald an das Palästinaamt der Zionistischen Vereinigung, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, gelangen zu lassen. Jüdische Handwerker, die für Palästina Interesse haben, insbesondere Bauhandwerker, Tischler, Installateure, Schmiede, Schlosser, Sattler, Böttcher, Gerber, Metzger, Bäcker und Konditoren werden gebeten, dem Palästinaamt der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8, einschlägige Angaben zu machen. Das Palästinaamt in Wien In den bewegten Novembertagen des vergangenen Jahres entschloß sich die zionistische Parteileitung für Deutschösterrekh, ein Palästinaamt zu errichten, von der Erwägung ausgehend, daß Wien, gleichviel wie! sich das Geschick dieser Stadt in Hinkunft entwickeln würde, für den zu erwartenden Strom der Auswanderung einen wichtigen Zentralpunkt darstellen würde. Für diese Bewegung mußte Vorsorge getroffen werden. Was vor allem nottat, war (die gründliche Aufklärung über die Verhältnisse in Palästina, zumal das Interesse für unsere alte neue Heimat in immer weitere Kreise Eingang findet. Das Wiener Palästinaamt war deshalb bemüht, durch Abhaltung von Diskussionsabenden, Veranstaltung von Lichtbildervorträgen in Wien und der Provinz, Erteilung von mündlichen und schriftlichen Auskünften, Herausgabe von Broschüren, Mitteilungen usw. dieser Aufgabe gerecht zu werden. Eine zweite Aufgabe, der das Palästinaamt von Anfang an seine Aufmerksamkeit zuwenden mußte, war die Evidenznahme und statistische Erfassung sämtlicher Auswanderungsbewerber, deren es heute schon an 11000 in Evidenz genommen hat. So klein die Anfänge waren, aus denen das Palästinaamt hervorgegangen ist, so groß wurden bald die Aufgaben, die es zu erfüllen hat. Sein Tätigkeitsbereich erstreckte sich infolge des Vertrauens des jüdischen Publikums weit über die Grenzen von Deutschösterreich. Auch ergab sich, die Notwendigkeit, für einzelne Spezialressorts eigene Referate einzurichten. So entstand das Handels- und Industriereferat. Schon im Dezember hatte sich eine technische Studiengruppe gebildet, der namhafte Fachleute aus allen Gebieten der technischen Wissenschaft und Praxis angehören, zu dem Zweck, alle technischen Fragen, welche Palästina und j seinen Aufbau als jüdisches Gemeinwesen betreffen, j zu studieren. Ebenso schlossen sich die für Palästina; interessierten Aerzte in einer eigenen Gruppe zusammen | und bezogen alsbald Apotheker, Pflegerinnen und son- ' stige sanitäre Hilfskräfte in diese mit ein. Aufgabe der Aerztegruppe ist es, die nach Palästina auswandemden Aerzte mit den speziellen Krankheiten des Landes und ihrer Behandlung bekanntzumachen. Nicht minder wichtig als das bisher Geschilderte ist die praktische Vorbereitung für Palästina. Auch hier kann das Palästinaamt sehr befriedigende Erfolge verzeichnen. Die Hechaluz-Bewegung hat bewiesen, daß das jüdische Element sehr wohl die Eignung zum landwirtschaftlichen Arbeiter besitzt, und die heute in Gruppen auf verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben verteilten Chaluzim und Chaluzoth — ungefähr 400 — haben durch ihren Ernst und ihren Fleiß die Anerkennung und Zufriedenheit sowohl ihrer jüdischen als auch christlichen Arbeitgeber errungen. Das Palästinaamt hat von vornherein Wert darauf gelegt, daß die Chaluzim sich selbst verwalten, ist aber mit ihnen in steter inniger Fühlung geblieben. Neben der Vorbereitung für landwirtschaftliche Be- I rufe geht die für Handwerk und Gewerbe. -Zu diesem Zwecke wurde im Einvernehmen mit dem Jüdischen Nationalrat die Gewerbesektion gegründet. Hier handelt es sich ebenso wie bei der Landwirtschaft nicht bloß darum, bereits ausgebildeten Leuten Arbeitsgelegenheiten zu beschaffen, sondern es muß vor allem das Augenmerk darauf gerichtet werden, die heute vielfach in unproduktiven Berufen tätigen Juden produktiven Erwerbszweigen zuzuführen. Dementsprechend wurde außer dem Arbeitsnachweis eine Abteilung für Berufsberatung errichtet Den Bemühungen der Gewerbesektion und der Chaluzim ist es gelungen, eine Baracke in Meidling von der Sachdemobilisierung zu erhalten und sie als Arbeiterheim einzurichten. Das Palästinaamt hielt es für seine Pflicht, schon jetzt alles vorzukehren, um die Auswanderer vor jeder Benachteiligung und Ausbeutung durch unlautere Elemente, wie sie besonders gelegentlich von Massenauswanderungen auftreten, soweit als möglich zu schützen. Dieser Intention verdankt die „Jüdisch-palästinensische Reise- und Transportgesellschaft" ihre Entstehung. Nach Einsetzung des zentralen Palästinaamtes in London hat sich ihm das Wiener Palästinaamt natürlich sofort unterstellt und arbeitet fortab nach dessen Weisungen und im Einklang mit ihm. Finanziell euie Gründung des Vereins „Keren Kajemeth Lejisrael“, ist es dem Palästinaamt gelungen, alle notwendigen Mittel selbst aufzubringen und den genannten Verein von jeder materiellen Belastung zu befreien. Derzeit stellen die immer mehr anwachsenden Arbeiten stets größere Anforderungen an das Budget. Doch läßt sich mit Recht erwarten, daß die jüdische Öffentlichkeit in Würdigung der schon bisher geleisteten Arbeit sich auf ihre Pflicht gegen das Palästinaamt besinnen und es finanziell sicherstellen wird. Offener Brief an die jüdischen Ingenieure 1. Palästina ist ein Land; das in industrieller Beziehung unentwickelt ist! Viele Zweige der geringiügigen Industrie, die sich dort vorfindet, werden auf eine primitive Weise betrieben und befinden sich nicht in der Hand von Juden. Die Erforschung des Reichtums an natürlichen und Mineralstoffen hält sich noch in bescheidenen Grenzen und das Wenige, was auf diesem Gebiete geleistet wurde, erfolgte nicht durch unsere Brüder, und die jüdische Oeffentlichkeit hat keine Vorstellung von ihrem Inhalt, oft nicht einmal von ihrem Vorhandensein. Darum verlangt unser Land von

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