Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1919)
- Date
- 1919-08-07
- Page
- Seite 1013-1014 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Haifa 3× ep/1047930
- Beirut 2× ep/1047833
- Aleppo 1× ep/1047811
- Basra 1× ep/1044138
- Vilnius 1× ep/1000947
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1013 VOLK UND LAND 1014 nur der Belagerungszustand und der Verwaltungsapparat, zwei Mittel, die bisher in Rumänien den Regierungskreisen in allen Nöten erfolgreich gedient haben. Der bekannte amerikanische Poalezionist Baruch Zuckermann, der auf der Rückreise nach Amerika in Paris weilt, äußerte sich einem Mitarbeiter der „Jewish Times“ gegenüber in allgemeinen Umrissen über die Verhältnisse in Rumänien. Die jetzige rumänische Regierung tue alles, um den Juden in Rumänien verstehen zu geben, daß sie selbst gegen die Einmengung der Alliierten bezüglich der jüdischen Rechte auftreten sollen, da die Einmengung ein Attentat auf die rumänische Souveränität bildet. Es wird den Juden suggeriert, daß ein solches Auftreten ihrerseits für die Regierung der beste Beweis sein würde, daß die Juden wirklich gute rumänische Bürger sind, wie sie es unaufhörlich behaupten. Es soll sich also niemand wundern, meint Zuckermann, wenn demnächst eine kleine Gruppe von Juden diese ihnen cingegeLene Meinung zum Ausdruck bringen wird. Sie werden für diesen Zweck sicherlich außer moralischer auch finanzielle Unterstützung finden. Die jüdische Oeffentlichkeit möge also gewarnt sein. (J. P. Z.) Der „Populaire“ zu den polnischen Pogromen Das Organ der französischen Linkssozialisten greift Pichon scharf an wegen seiner Unaufrichtigkeit bei der Beantwortung des Offenen Briefes einer Gruppe von Abgeordneten über die Juden-Pogrome in Polen. „Frankreich — schreibt der „Populaire“ —, ist verbündet mit dem reaktionären Polen, das die hohen Prinzipien von Freiheit, Recht und Demokratie vernichtet hat. Von Wilna bis Lemberg vernimmt man die Stimmen der Märtyrer. Und jetzt kommt Herr Pichon und manifestiert doppelzüngig sein Mitgefühl mit den Opfern seines Freundes Dmowski. Niemand wird sich aber von dieser Komödie verführen lassen. Die Verantwortlichkeit der französischen Regierung und des „Quai d’Orsay“ an den Pogromen wird nicht vergessen werden/’ Auflösung der jüdischen Kultusgemeinden in Rußland Wie „Hajnt“ meldet, wurden mittels Dekrets der Sowjetregierung sämtliche jüdischen Kultusgemeinden in Rußland für immer aufgehoben. Sämtliche Fonds und Stiftungen, die das Eigentum dieser Gemeinden bilden,, sowie ihr ganzes totes und lebendes Inventar geht in den Besitz des bolschewikischen Kommissariats für jüdische Angelegenheiten über. WIRTSCHAFT Haifas Zukunft Englische Zeitungen veröffentlichen die Mitteilung, daß die englische Regierung eine Summe von zwei Millionen Pfund Sterling zum Ausbau des Haifaer Hafens und für andere Palästinazwecke bereitgestellt hat. Im Anschluß hieran schreibt die Zeitschrift „Palestine“ unter anderem: Haifa wird in der wirtschaftlichen Zukunft Palästinas und des Orients überhaupt eine große Rolle spielen. Es sei daran erinnert, daß in dem Geheimvertrag von 1916 England in Syrien die Häfen Haifa und Akko, das heißt also die ganze Bucht von Akkoi, für sich beanspruchte. Wahrscheinlich hatte damals die englische Regierung kaum etwas anderes als die Eignung der Bucht von Akko für eine Marine-Basis im Auge. Heute erscheinen die kommerziellen Erwägungen stärker I als je. Haifa und die Bucht von Akko sind bekanntj lieh weitaus die besten Häfen an der palästinensischen Küste. Das will noch nicht viel sagen, denn der einzige andere Hafen ist das durchaus ungenügende Jaffa. Immerhin könnte man ohne große Schwierigkeiten Haifa und die Bucht von Akko zu einem Hafen machen, der besser wäre als irgendein anderer an der syrischen und palästinensischen Küste. Beirut ist keineswegs ein guter natürlicher Hafen und hat den Nachteil, daß das Gebirge bis dicht an Beirut heranreicht, so daß der Verkehr in das Innere des Landes nur über Bergstraßen oder eine enge Zahnradbahn bewerkstelligt werden kann. Dagegen liegt Haifa an der Mündung der großen Ebene Jesrcel; der ganze Verkehr von Galiläa, Samaria und dem Jordantal ergießt sich nach Haifa. Auch die Erreichung der transjordanischen Hochebene von Haifa aus über das Jarmuktal ist verhältnismäßig leicht, so daß Haifa der Hafen für dieses ganze große Produktionsgebiet ist i Häfen an der Küste von Syrien und Palästina würden jedoch nicht allein den Lokalverkehr dieser beiden Provinzen heben, sondern auch den Handel mit dem großen Hinterlande von Mesopotamien, das eine unabschätzbare Zukunft vor sich hat. Damaskus wird gewöhnlich der Hafen der Wüste genannt. Er ist zugleich das Handelszentrum für Südsyrien. Die Franzosen beanspruchen Damaskus, die Engländer erheben keinen Anspruch darauf, jedoch wird andererseits Damaskus von dem arabischen Staat reklamiert. Wenn Damaskus an Frankreich fällt, so wird dieses alle Mittel gebrauchen, um den Handelsverkehr von Damaskus in den Hafen von Beirut zu ziehen. In diesem Falle würde vielleicht die Verwaltung von Palästina mit der Verwaltung des künftigen arabischen Staates Zusammengehen, um ein Gegengewicht gegen Damaskus zu brieten, das den Handel der Wüstengebiete an sich zieht und .auf Haifa konzentriert. Sehr wohl könnte Basra dieser Punkt sein; es liegt an einem Netzwerk alter Römerstraßen und hat eine bedeutende Handelsgeschichte hinter sich. Im Wettbewerb um den syrischen Handel hat Beirut außer Haifa noch bedeutende Konkurrenten, nämlich Tripolis für Zentralasien und Alexandrette für Nordsyrien. Falls Damaskus an den arabischen Staat fällt, so wird sein Handel sicherlich nach Haifa gelenkt werden und sein Wohlstand größer werden als je zuvor. Nachdem jetzt England die Bagdadbahn und Mesopotamien beherrscht, wird sicherlich die englische Regierung den westlichen Mündungspunkt bestimmen, und sicherlich wird England einen Mündungspumkt in Palästina wählen. Haifa ist von der englischen Regierung deutlich dazu bestimmt, der Mittelmeerhafen für Mesopotamien zu werden. Augenblicklich steht Haifa gewissermaßen in einer regelmäßigen Eisenbahnverbindung mit Bagdad. Eine Eisenbahn von Haifa aus trifft sich mit der Hedschas-Linie in Damaskus. Von Damaskus ging eine Linie über Rojak nach Aleppo und dem Knotenpunkt von I Muslemije, von wo aus die Bagdadbahn ostwärts nach Mesopotamien geht. Diese Verbindung ist jedoch gegenwärtig ungenügend. Ke Linie von Haifa nach Damaskus ist schmalspurig. Von Damaskus nach Rajak wechselt die Spur, und von Rajak ab beginnt die Normalspur für die syrische Bahn und die Bagdadbahn. Es gibt also drei verschiedene Spurweiten und eine vierte oder sogar fünfte muß dazu kommen, wenn man an die Eisenbahnverbindung mit Aegypten denkt. Man wird also eine Einheitsspur einführen müssen, wras in der Praxis bedeutet, daß eine normalspurige Bahn von Haifa nach Rajak gebaut werden muß. Die Frage, ob Haifa die Einkaufsquellen und den Handel von Mesopotamien über die lange Strecke von Mossul—Aleppo—Homs—Damaskus an sich ziehen kann, beruht aber auf noch anderen Bedingungen als der einfachen einer Einheitsspur. Längs jener Linie gibt m