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Volk und Land · 1919-08-07 · Heft 32 (7.8.1919) · p. Seite 1011-1012

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 32 (7.8.1919)
Date
1919-08-07
Page
Seite 1011-1012 (sequence 14)
Language
German
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1011 VOLK UND LAND 1012 etwas unidealistischen Marktens, erwirkt, und eine entschiedene und starke Politik geführt werde, bei der die Zionisten den ihnen zugewiesenen Anteil haben. Die Lage, wie sie gegenwärtig in verschiedenen Teilen des Landes herrscht, kann nicht andauern. Die zionistische Bewegung in Amerika Dr. B. Mossinson, Direktor des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, der in Amerika während dreieinhalb Jahren des Krieges über 600 Propagandavorträge für den Zionismus gehalten und über 2' '■> Millionen Francs für Palästinazwecke gesammelt hat, hatte die Freundlichkeit, vor seiner Rückreise nach Palästina, während eines Aufenthaltes in Zürich, dem Vertreter der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ über den Stand der zionistischen Bewegung in Amerika, folgende Einzelheiten zu geben: Als ich Amerika vor sieben Jahren besuchte, gehörte der zionistischen Bewegung nur ein kleines Häuflein junger Leute an. Das zionistische Office bestand damals aus einem Zimmer und war im Ghetto untergebracht. Jetzt nimmt es eine ganze Etage in einem großen Gebäude in der 5. Avenue ein, wo über 300 Leute arbeiten. Amerika hat vielleicht zuerst eine wirkliche Organisation des Zionismus geschaffen, speziell seit dem letzten Jahre, wo das Vereins wesen aufgegeben und eine Organisation gebildet wurde, der jetzt etwa 150 000 organisierte Zionisten angehören, die das 18. Lebensjahr überschritten haben. Bis zum Herbst hofft man die Organisation auf 14 Million Mitglieder zu bringen, was nicht übertrieben ist. Zum Anwachsen der zionistischen Bewegung in Amerika haben der Krieg und die Leiden der Juden in den kriegführenden Ländern, speziell in Osteuropa, viel beigetragen. Die Elemente aus dem Osten haben bis zum Kriege fast gar keine Aktivität gezeigt, sie waren von den sogenannten amerikanisierten Juden abhängig und diese waren nicht national. Während des Krieges, wo ihnen die Leiden ihrer östlichen Brüder durch die nach Amerika gekommenen Flüchtlinge so nahe kamen, haben sie begonnen, aktiv tätig zu sein, und als sie aktiv wurden, haben sie die Verantwortung gefühlt, zu denken begonnen und sich mehr in das jüdische Problem vertieft. Sie begriffen, daß die jüdische Frage eine wirkliche Volksfrage und eine nationale Frage aller Juden ist* Im Anfang war der Versuch gemacht worden^ die russische Judenfrage, als ein rein russisches Problem hinzustellen. Man wollte nicht anerkennen!, daß es sich um ein allweltlich-nationales Problem handelt. Im Erwecken eines nationalen Judentums glaubte man eine Gefahr zu sehen. Aber die Leiden der Juden in allen Ländern haben es klar gemacht, daß es ein spezifisch jüdisches Gesamtproblem, ein internationales Problem ist. Das hat ihre nationalen Gefühle angefacht. Die Ostjuden haben sich organisiert und begonnen, auf die Psyche der sogenannten amerikanisierten Juden zu wirken. Mit dem Vertuschen des jüdischen Problems wird es nicht weitergehen können. Der Gedanke des jüdischen Kongresses in Amerika war der Prüfstein für dieses Problem. Die assimilierten Elemente haben sich gegen den Kongreß gesträubt. Sie gaben nur allmählich nach, aber die Massen haben darauf gedrungen und den Kongreß durchgesetzt. Der Kongreß war die größte und schönste Dokumentierung der Nationalisierung des amerikanischen Judentums. Den Höhepunkt erreichte der Kongreß, als die palästinensische Resolution und die Forderung bezüglich' der nationalen Rechte der Juden in der Diaspora angenommen wurden. Als das Recht der kleinen Nationen auf Selbstbestimmung proklamiert wurde, halben die Juden Mut gewonnen, auch für sich das Selbstbestimmungsrecht in Anspruch 7.1t nehmen. Anderseits haben sich die amerikanische öffentliche Meinung, wie auch die leitenden Kreise ganz klar darüber ausgesprochen, daß dieses Selbstbestimmungsrecht auch für die Juden Anwendung finden müsse. Sowohl die Wilsonpartei, als auch die Republikaner unterstützen den Zionismus. Das alles zusammen hat auf die jüdische öffe it'iche Meinung zugleich als innerer und äußerer Ansporn gewirkt. Jetzt beginnt der Zionismus auch in sonst ganz amerikanisierte jüdische Kreise zu dringen. Persönlichkeiten, wie Rabbiner Stephen Wise, Martin Mayer und last not least Louis D. Brandeis, der im politischen Leben Amerikas eine sehr hohe Position einnimmt, haben zur Verbreitung des Zionismus viel beigetragen. Besonders aber hat das Auftreten von Schmarjahu Lew in geradezu eine Revolution der zionistischen Gedankengänge bewirkt und neue Ideen hervorgebracht, die die Zionisten Amerikas gerne aufnahmen. Es bildete sach eine neue Phase, deren Erscheinen sich bald in der gesamten Bewegung geltend machen wird. Der amerikanische Zionismus wird einen neuen großzügigen Zug in das Wirken des Zionismus hineintragen und ein ernstes Wort mitzusprechen haben, wie es schon ejas Pittsburger Programm gezeigt hat. Folgende Zahlen illustrieren am besten das Anschwellen der zionistischen Bewegung in Amerika. Im Jahre 1914 zögerten die Zionisten Amerikas ein Budget von 80 000 Dollar aufzuetellen und es galt damals als Rekord ein solches Wagnis auch nur zu unternehmen. Im Winter 1918/10 haben sie bereits ein Budget von 3 Millionen Dollar durchgeführt. Wenn noch Gegensätze zwischen den östlichen und amerikanischen Zionisten bestehen, so werden sie ohne Zweifel, in der gemeinsamen Palästinaarbeit, in der sie beide so wetteifern, ihren einigenden Ausgleich finden. (J.P. Z.) Rumänien Die rumänische Regierung ist von ihrem Plane, jetzt Neuwahlen durchzuführen, abgekommen und hat ein königliches Dekret erlassen, laut welchem die Nachwahlen für die Kammer auf den 15., 16., 17. September, die Wahlen für den Senat auf den 20. und 21. September festgesetzt wurden. Diese Daten sind offenbar mit Rücksicht darauf bestimmt, daß in dem von Oesterreich unterfertigten Vertrag die Grenzen Rumäniens; nach Westen bereits endgültig fixiert sein werden. Wahlberechtigt sind alle großjährigen rumänischen Staatsbürger im alten Königsreich, in der Bukowina, in Bessarabieu, Siebenbürgen, dem Banate und den ungarischen Gebirgsteilen. Die Wahl erfolgt in Wahlkreisen nach dem allgemeinen, gleichen, direkten, obligatorischen und geheimen Stimmrecht. Auf je 30 000 Bewohner eines Wahlkreises und je 20 000, die diese Zahl übersteigen, fällt ein Abgeordneter; auf je 70 000 Bewohner und je 46 000 eines Wahlkreises, die diese Zahl übersteigen, entfällt ein Senator. Die Durchführungsvorschriften zu diesem Dekrete, das wie alle rumänischen Gesetze eine sehr gefällige Form hat, die aber niemanden mehr täuscht, stehen noch aus. Man weiß nicht, ob Proporz oder Majoritätssystem Grundlage des Verfahrens bildet und nach welcher Geometrie die Wahlkreise geschnitten werden. Bei ordnungsmäßiger Regelung des Wahlrechtes müßten den Juden von zirka 500 Sitzen der Kammer ungefähr 35, von zirka 200 Sitze im Senate ungefähr 14 zufallen. Allerdings, man weiß auch noch lange nicht, wer rumänischer Staatsbürger ist. Aus dem für die Wahlen zur Konstituante bestimmten Zeitpunkt geht klar hervor, daß Rumänien den analogen Vertrag wie ihn Polen unterschrieben hat, unterfertigen wird. Sonst bekommt es eben nicht die alten österreichischen Provinzen. Wozu also der Lärm wegen der Sicherung der Minoritätsrechte? So orientiert ist heute jeder, daß er den glatten Versicherungen rumänischer Staatsmänner keinen Glauben schenkt und daß man aus ihren Handlungen Schlüsse, die sich leicht ergeben, ziehen kann. Soll die Sprödigkeit gegenüber den Minoritäten oder gegenüber alliierten Staatsmännern wirken? In beiden Richtungen ist die Mühe vergeblich. Bleibt als Trost

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