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Volk und Land · 1919-08-07 · Heft 32 (7.8.1919) · p. Seite 1009-1010

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 32 (7.8.1919)
Date
1919-08-07
Page
Seite 1009-1010 (sequence 13)
Language
German
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1009 VOLK UND LAND 1010 die Ferien bezahlt, welche sich die verbündeten Staatsmänner auf Kosten der unglücklichen Völker des osntanischen Reiches nehmen. Und das ist nur ein Teil des Preises. Während Paris ruht, werden seine Aufgaben immer schwieriger. Offen gelassene Wunden vernarben nicht, sondern sie werden brandig. Im Vilajet Aidin haben die Griechen eine schwierige Lage geschaffen, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß die Verhältnisse nicht durch eine endgültige Entscheidung der Friedenskonferenz in Ordnung gebracht wurden. In Kleinasien breiten sich die Unruhen aus und ein türkischer General mit beträchtlicher Truppenmacht bedroht die Konstantinopler Regierung. Das „Komitee für Einheit und Fortschritt“ benützt den Aufschub, um Unzufriedenheit zu wecken, und den Widerstand zu organisieren und man darf annehmen, daß die Heimsendung der türkischen Delegierten die Aufgabe nicht erleichtern wird. Pas sind die Früchte des Aufschubes. Gibt es nicht genug staatsmännischen Geist in Paris, um die Aufgabe bald anzupacken und klare Entscheidungen zu treffen?“ Um das „Mandat“ Der „Times“ wird telegraphiert daß man in Paris die amerikanische Kommission erwartet die in Syrien und Palästina Untersuchungen über die Wünsche der dortigen Bevölkerung anstellen sollte. Erst nach Berichterstattung dieser Kommission wird man sich mit der Frage der Verteilung der Mandate im Orient beschäftigen. Im allgemeinen hängt die Lösung stark davon ab, ob Amerika sich entschließen wird, ein Mandat über Armenien und Konstantinopel anzunehmen. Es wird behauptet, daß der Bericht der amerikanischen Kommission dahingehend lauten werde, daß die Bevölkerung von Syrien und Palästina, Amerika als Mandatar wünscht um, falls Amerika ablehnen sollte, England zu wählen. Die französische Presse tritt mit der Beschuldigung hervor, daß diese Stellungnahme der syrischen und palästinensischen Bevölkerung das Resultat der von englischen Agenten geführten Propaganda sei. Der „Times“-Korrespondent in Kairo meldet: Aus Syrien angekommene Personen berichten über das Resultat der Nachforschungen der amerikanischen Kommission: Eine große Majorität der Einwohner der syrischen Dörfer verlangt absolute Selbständigkeit. Falls dies unmöglich sei, verlangen sie ein amerikanisches Mandat oder wenigstens ein englisches, weigern sich jedoch unter die Kontrolle irgend einer andern Macht zu kommen. Beirut, Libanon und ein Teil der Bewohner der Meeresufer erklärten sich mehrheitlich für ein französisches Mandat, was auch die Majorität der Katholiken wünscht, während die Anhänger der orthodoxen Kirche teils für Frankreich, teils für England sind. Außer der jüdischen Minorität ist in Palästina niemand für den Zionismus. Palästina wünscht im allgemeinen Amerika oder England als Mandatar, die Mohammedaner ziehen England, die Christen Amerika vor. Falls Palästina unter das Mandat einer der zwei anglosächsischen Staaten kommen sollte, wird dieses ein starkes Argument dafür bilden, daß dieselbe Macht auch das Mandat über den übrigen Teil von Syrien, außer Beirut und Libanon, erhalten soll. Die Bestimmung Palästinas „Die Bestimmung Palästinas ist es, ein jüdisches Palästina, die nationale Heimstätte des jüdischen Volkes zu werden. Das ist die von Großbritannien anerkannte und von der öffentlichen Meinung der ganzen Welt bestimmte Politik. Das Mandat muß dies prinzipiell klarstellen und im allgemeinen die Details festlegen, die zwischen der englischen Regierung und dem jüdischen Volke in Kraft treten müssen, die Maßnahmen1, die notwendig sind, um aus Palästina die nationale I Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen. Im jetzi- 1 gen Stadium ist es nicht notwendig, noch einmal darzulegen, daß diejenigen nichtjüdischen Elemente in der Bevölkerung Palästinas, deren Rechte zu schützen sind, nur Gewinn davon haben werden, wenn Palästina Unter dem Einfluß jüdischer Arbeit und jüdischen Geistes steht. Aber der alte Spruch, daß, wenn wir das Ziel wollen), auch die Mittel wollen müssen, gilt auch hier. Welche Mittel anzuwenden sind, haben wir oft gesagt. Das Land muß unter annehmbaren Bedingungen für eine dichte Besiedlung durch Juden aufnahmefähig gemacht werden. Das jüdische Volk muß Gelegenheit zur Ausführung öffentlicher Arbeit erhalten. Die industrielle Entwicklung des Landes muß nicht weniger als seine landwirtschaftliche Entwicklung eine Sache des jüdischen Volkes werden. Die Verwaltung des Landes müß unter dem Gesichtspunkt der Bestimmung Palästinas als der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes eingerichtet werden. Diese Verwaltung muß eine sympathische Haltung einnehmen und mitarbeiten und soweit wie möglich aus jüdischen Kräften bestehen. Die Tore Palästinas müssen den Juden der ganzen Welt offen stehen, und jeder Jude, der entschlossen ist, Palästina zu seinem Heim zu machen, muß die Staatsbürgerschaft in Palästina erwerben können. Wenn es soweit ist, muß Palästina ein autonomes Gemeinwesen werden, was in dem Mandatar-Vertrag durch die Friedenskonferenz allmählich vollziehen und ein autonomes Gemeinwesen wird Palästina erst, wenn es ein jüdisches Land ist, und das Gemeinwesen ein jüdisches Gemeinwesen ist. Es wäre ein schwerer Irrtum, lediglich die Formen der Demokratie ohne ihren eigentlichen Gehalt mit ungebührlicher Eile einzuführen. Zurzeit ist die nichtjüdische Bevölkerung Palästinas nicht vorbereitet für demokratische Institutionen. Nur eine winzige Minorität kann lesen und schreiben. Die Massen sind bisher gehorsame Werkzeuge in den Händen der Effendis gewesen, die sie exploitiert haben. Es wird Zeit und viel Erziehung erfordern, solche Gewohnheiten zu ändern. Sobald sich die Fähigkeiten entwickeln, sollen demokratische Institutionen geschaffen und verbreitet werden, und politische Rechte, wie das Wahlrecht, sollen dem Grade der Reife des Individuums, das dieses Recht ausüben soll, entsprechen. Wir wären geneigt, es demnächst mit parlamentarischen Institutionen in der lokalen Verwaltung zu versuchen. Zentrale parlamentarische Institutionen müssen einem späteren Stadium Vorbehalten bleiben. Ueber diese Punkte läßt sich natürlich viel sagen, aber gerade aus diesem Grunde sollte das Mandat der Friedenskonferenz nicht versuchen, der Mandatarmacht diktatorische Vorschriften zu machen. Das Mandat soll ein sich selbst regierendes Gemeinwesen vorsehen, und der Mandatarmacht die Pflicht übertragen, beständig diesem Ziel zuzustreben. Zeit, Stufen und Mittel hierfür müssen der Mandatarmacht überlassen bleiben.“ (Palestine.) Die unhaltbare Lage Der Pariser Korrespondent des „Manchester Guardian“ bespricht in einem längeren Artikel die beunruhigenden Berichte über die Lage in Arabien und die Gegensätze, die sich dort zwischen Frankreich und England äußern. Der Artikel schließt: Alle diese Gerüchte müssen natürlich mit Rücksicht auf ihren Ursprung mit Vorsicht airfgenommen werden; indessen sind genügend Gründe vorhanden, sie ernst zu nehmen, was auch, wie man sagt, Lord Milner tut. Jetzt, wo die Palästinafrage in den Hauptlinien geregelt ist, ist es für die Sicherheit des werdenden zionistischen Staates zum mindesten nötig, daß die Situation in seiner Nachbarschaft, soweit nur möglich, geklärt, die Festsetzung der letzten Grenzen, sei es auch auf dem Wege eines

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