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Volk und Land · 1919-08-07 · Heft 32 (7.8.1919) · p. Seite 1007-1008

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 32 (7.8.1919)
Date
1919-08-07
Page
Seite 1007-1008 (sequence 12)
Language
German
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1007 VOLK UND LAND 1008 ^m»iimimmiMiMM)mHMii)Miii)mi»Miiimii»ii»imiiiii[i[i)i[iiiimii[iiiii[iii[[iiiii[ii)iii[))[))i[[imm»imiiiii))iiii[[iiiiii[))))iiiiiii)i))im[»i)iiiiiiiiiiiii)ii)iuii)iiiiii)iiiiiiii)))i)ii)lllii[iiliiliiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii || AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA - ARBEIT || POLITISCHES Morgenthau in Polen Ueber die Tätigkeit der Kommission Morgenthau in Polen schreibt der Warschauer Korrespondent der Jüd. Volksstimme (Mähr. Ostrau): Das polnische Judentum begrüßte die Entsendung dieser Kommission mit lebhafter Genugtuung. Daß ein Jude an ihrer Spitze stand, nahm man als Zeichen eines besonderen Interesses Wilsons für die polnische Judenfrage und freute sich umsomehr. Man wußte, daß Morgenthau kein Zionist, auch kein Nationaljude sei, wohl aber „ein gutes jüdisches Herz“ habe. Der „reiche Vetter aus Amerika“ wurde in Warschau mit ehrlichem Ethusiasmus und ungemischter Freude empfangen. Es regnete in den ersten Tagen Empfänge, Bankette, Toaste und Visiten. Zwischen den jüdischen Parteien wurde wohl kein Unterschied gemacht, aber die zionistische ihrer Stärke und Bedeutung entsprechend gerechterweise bevorzugt, die Assimilanten etwas in den Hintergrund geschoben. Die polnische Presse und die polnische Gesellschaft waren ob der Ankunft der amerikanischen Kommission wütend. Man erging sich in Schmähungen und Beschimpfungen Morgenthaus, „des ausländischen Advokaten der polnischen Juden“. Nicht so die polnische Regierung. Die polnischen Staatsmänner hatten in Paris den entscheidenden Einfluß Amerikas und seines Präsidenten erkannt, sowie den lauten Widerhall, den die polnischen Judenverfolgungen in Westeuropa gefunden hatten. Also bemühen sich die polnischen Regierungsorgane der amerikanischen Kommission sehr entgegenzukommen. Morgenthau hatte von vornherein keinen bestimmten Plan für die Tätigkeit seiner Kommission. Aber schon die ersten Schritte und Konferenzen, die er mit Polen und Juden abgehalten hatte, ließen den Schluß zu, daß Morgenthau den eigentlichen Zweck seiner Mission, die Feststellung der Wahrheit über die Judenpogrome in Polen, zurüdkgestellt habe. Er bestrebe sich — erklärte er — in erster Linie die ganze polnische Judenfrage zu studieren und einen Frieden zwischen Polen und Juden zu stiften. Es ist von Bedeutung, dies ausdrücklich festzustellen, denn damit verschob sich bald die Stellung, die die polnischen Juden der Kommission und insbesondere Morgenthau gegenüber einnahmen. Den polnischen Juden ist es zunächst darum zu tun, daß unparteiisch ein Urteil darüber abgegeben werde, ob sie wirklich, wie die polnischen Politiker und Journalisten dem Auslände erzählen, Judenpogrome erfunden bzw. übertrieben haben. Wenn sich Herr Morgenthau dieser seiner eigentlichen Aufgabe entziehen will, so muß ihm erklärt werden, daß das polnische Judentum ihm dafür nicht dankbar ist. Natürlich können die polnischen Juden nichts dagegen haben, daß Herr Morgenthau Ursachen und Gestalt der polnischen Judenfrage studiert und sich bemüht, einen polnisch-jüdischen Frieden herbeizuführen. Die polnischen Juden sind sich dessen bewußt, daß sie in diesem Lande in sehr ansehnlicher Zahl für lange Zeit werden leben müssen und da ist ein friedliches Zusammenleben mit den Polen für sie von vitalem Interesse. Sie verlangen aber, daß diesem Frieden zuliebe nicht von ihnen Opfer verlangt werden, die mit ihrer nationalen Würde und mit den unerläßlichen Voraussetzungen ihrer nationalen Selbsterhaltung unvereinbar sind. 'Das begreifen die Polen und so manche Politiker in Paris nicht, aber ebensowenig, scheint es, Herr Morgenthau. Er wünscht einen Frieden um jeden Preis. Während seines Besuches in Bialystok unterhielt sich Morgenthau mit den Vertretern der dortigen jüdischen Presse über den von der Entente Polen auferlegten Minoritätsvertrag und fragte die Journalisten, worum denn die Juden bei ihren national-kulturellen Forderungen so eindringlich beharren. Als man ihm entgegnete, daß doch andernfalls die polnischen Juden ihre nationale Individualität nach zwei Generationen bereits verlieren würden, antwortete Morgenthau: „Die monotheistische Idee wird aber doch fortleben.“ Da ijjuß Herrn Morgenthau aber ein deutliches: „Nicht dieses ist der Weg“ zugerufen werden. Wir wollen Frieden mit den Polen, wir sind auch zu Opfern bereit, aber nicht zum Opfer unserer nationalen Individualität. In Grodny sagte Morgenthau jüdischen Pressevertretern, in Amerika sei er ZU 60°/o Amerikaner und zu 40 o/o Jude, hier in Polen wolle er nur Amerikaner sein. Dagegen hätten wir nichts, wenn es sich nur darum handeln würde, die Wahrheit über die Pogrome festzustellen. * Wenn es sich aber darum handelt, ein Friedenswerk aufzubauen, brauchen wir stolze, aufrechte Juden, die Verständnis für das jüdisch-nationale Problem besitzen. Palästina und der Friede mit der Türkei Anläßlich der Zurücksendung der türkischen Friedensdelegation aus Versailles schreibt das „Jüdische Volksblatt“ (Mäbr.-Ostrau): „Es ist uns schlechterdings unmöglich, die Methode zu verstehen, die in einem Vorgang liegen soll, welcher erist die türkischen Delegierten nach Paris bringt und sie dann wieder nach Konstantinopel! zurückschickt, weil nichts für sie vorbereitet ist. Es ist offenbar nicht höflich den Türken gegenüber, welche a,uf Höflichkeit ebenso rechnen dürfen, wie auf Gerechtigkeit. Es schädigt das Ansehen der Friedenskonferenz sehr schwer. Die Türken wurden offenbar nicht als Sachverständige nach Paris geladen, die man befragen wollte, sondern um mit den Verbündeten zu verhandeln und den Vertrag, der das Schicksal! des Orients bestimmt, zu unterzeichnen. Darum hätten sie nicht früher nach Paris gebracht werden dürfen, bevor sich die Verbündeten untereinander über die Bedingungen, die man ihnen anbieten wollte, geeinigt hätten. Weit ernster als diese formellen Fehler ist es, daß die Verbündeten in ihrer Note die Regelung der Verhältnisse im Orient ins Unbestimmte hinausschieben. Dafür kann es nur eine Entschuldigung geben. Die verbündeten Staatsmänner sind müde — sie haben nuin sechs Monate in Paris verbracht, miteinander und mit ihren mannigfaltigen Aufgaben gerungen. Sie haben Anspruch auf unsere Sympathie; es gibt aber andere, die diese Sympathie noch dringender fordern. Während der Monate oder Wochen, in denen die verbündeten Staatsmänner ruhen, sind die Völker des osmanischen Reiches verurteilt zu Ungewißheit und! Unruhe. Sie sind jedem Agitator und Antrieb von Unzufriedenheit und Unruhe ausgeliefert. Sie können sich nicht an die friedliche Arbeit und an den Wiederaufbau ihrer Heimstätten und ihrer Ländereien begeben. Große Teile von Kleinasien sind von Hungersnot heimgesucht. In anderen Gegenden können Flüchtlinge nicht nach Hause zurückkehren. In Palästina kann das jüdische Volk nicht mit dem Aufbau seiner nationalen Heimstätte beginnen und dvie gequälte jüdische Bevölkerung Osteuropas wird um die Hoffnung und die Möglichkeit einer Zuflucht Und einer Erlösung im Lande ihrer Väter betrogen. All das stellt den Preis dar, welchen die Menschheit für

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