Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1919)
- Date
- 1919-08-07
- Page
- Seite 995-996 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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VOLK UND LAND 996 995 zu derjenigen Anzahl der Städte, die unser Land zur j Zeit Jehoschuas besaß, zur Primärzeit des westi asiatischen Wirtschaftslebens. j Und wenn wir einem — von unserem Standpunkte aus — auswanderungsfähigen Juden von den Chancen unseres Heimatlandes erzählen, ist seine erste Frage: „Und wenn ich dort lande, habe ich sofort wo zu wohnen?“ Wir müssem Städte vor bereiten! Neue Städte, auf geographisch und ventehrstechnisch günstig gelegenen Stellen, von vornherein mit allen modernen sanitären Einrichtungen, Kommunikationsmitteln, Beleuchtung usw. versehen; Städte, wie sie sich unser Herzli erträumt hat, wenn auch nicht sofort, in derselben stolzen Größe und Pracht, jedoch mit allen Entwicklungsmöglichkeiten hierzu. Gartenstädte mit Einfamilienhäusern, jedoch so, daß sich Handel und Industrie auch dort heimisch fühlen können. Und in diese können wir den Einwandererstrom, gleichwie in ein wohleingerichtetes Heim, lenken. Es ist überflüssig, zu erklären, daß die Ausgaben für eine solche Stadtan/age sich bedeutend geringer stellen müssen, als die Additionssumme der Kosten der entsprechenden Häuseranzahl wäre; abgesehen davon, daß eine solche, planmäßig aut das leere Terrain hergestellte Stadt naturgemäß bedeutend zweckmäßiger eingerichtet wäre als eine solche, die sich nach dem natürlichen Entwicklungsgang aus dem Dorf durch den agrikulturellen Marktflecken hindurch zur eigentlichen Stadt durch- gewunden hat. Um hierüber einen, wenn auch nur annähernd genauen KostenvoransChlag machen zu können, fehlen uns heute die Daten. Die Vorkriegsbaupreisie können wir natürlich nicht als Ausgangspunkt unserer Berechnungen an nehmen, noch verfehlter wäre es aber, die heutigen Preise als Basis zu benützen. Ist es idodh unberechenbar, welch einen Umschwung der Preise auch nur ein Jahr der vollen Weltproduktkm bringen wird, und mit der I Verbilligung der zum Lebensbedarf nötigen Güter muß sich! naturgemäß auch der Arbeitslohn (und um diesen handelt es sich ja größtenteils) drücken. Trietsch rechnet für ein Haus in Palästina 1000 Francs per Zimmer. Dies ergäbe für ein Durchschnittsgebäude von 2 Zimmern, Vorhalle*), Küche und Nebenräumlichkeiten 5000 Francs. Hierzu etwa 900 qm Terrain für das Gebäude, den Hof und Garten, nadh vorkriegs Berechnung etwa 50 Francs, und wenn wir die Mehrausgaben für Umfriedung, Brunnen (wenn eine städtische Wasserleitung nicht möglich wäre), Badeeinrichtung (ohne den, dort nicht unbedingt notwendigen Badeofen, bk)Bl mit Dusdhe) im Schlafzimmer, elektrische Leitung, Keller hinzurechnen, dürften sich etwa 6000 Francs ergeben. Als Laie kann ich es nicht beurteilen, ob sich die Edisonschein Betonguß-Häuser, die sich wegen der Schnelligkeit ihrer Herstellung und ihres billigen Preises empfehlen, nicht für uns eignen würden, und will diese Idee als Anregung nur inter parenthese dazwischen geworfen haben. Jedenfalls könnte, wenn sich diese Erfindung für uns als praktisch erweisen würde, (die obige Berechnung sehr zu unseren Gunsten, Verschieben. Nun wollen1 wir die oben ausgerechneten 6000 Francs auf 10 000 Francs erhöhen, um dadurch *) Ich habe mit Absicht anstelle des dritten Zimmers die für das halbtropische Klima Palästinas geeignetere Vorhalle gewählt. der zu erwartenden Preiserhöhung gerecht zu werden, und diese Summe als Ausgangspunkt unserer Berechnung nehmen. Wenn wir für ein solches Haus 200 Francs pro Vierteljahr als Miete verlangen, wäre dies auch nach europäischen Provinzialverhältnissen eher zu billig als zu teuer anzusehen, auch wenn wir, was ich vorschlagen würde, von dem Pächter die Vornahme sämtlicher notwendigen Reparaturen auf seine Kosten bedingen würden*). Und diese 200 Francs bilden eine 8 prozentige Annuität, welche bei 6 prozentiger Verzinsung nach kaum 24 Jahren eine vollständige Abschreibungdes Objektes ermöglicht. Und wir haben, außer dem 2 prozentigen interkolaren Zinsengewinn**) ein nodh „im schönsten Männesatter“ befindliches Gebäude. Allerdings sind die Straßen, sanitären und sonstigen Wohlfahrtseinrichtungen nicht mit in Kombination gezogen, diese lassen sich aber im Wege der Kommunaljsteuern amortisieren. Woher jedoch das zur Errichtung der Städte benötigte Kapital? Der Nationalfonds wächst zwar erfreulich, jedoch ist es evident, daß wir bei der bisher gepflogenen Weise der Spendens ammlung nicht schnell genug vorwärtskommen, und Gefahr laufen, daß uns! auch bei progressiver Fortsetzung des bisherigen Tempos die Ereignisse über den Kopf wachsen. Vergessen wir nicht, daß Prof. Schapiro, der Schöpfer des Nationalfonds, von der Grundidee ausgegangen ist, daß:, wenn das jüdische Volk vor 1850 Jahren einen Heller angelegt hätte, es heute mit Zinsen und Zinseszinsen so viel) besäße, um Palästina ankaufen zu können, und hierauf die Sammlung von Spenden, also ihrer Natur nach kleinen Summen angeregt hat. Nun, Gott sei Dank, heute können wir keine 1850 Jahre mehr warten. Der Na t i o n a I f o n d s muß von der Nationalanleihe abgelöst werden! Hans Goslar hat in seinem, dem deutschen Palästina-Delegiertentag vorgelegten trefflichen Finanzplane mit Recht betont, daß eine Anleihe börsenfähig sein muß, wenn sie nicht den nächsten Anleihen den Ausgang verstopfen soll. Börsenfähig ist sie aber nur, wenn sie von einem Welthause eingeführt und gestützt wird; und eingeführt kann sie nur werden, wenn die finanzielle Basis für die Stabilität des Zinsendienstes bereits gegeben ist. Wir sehen plso, daß, um bei den Weltbanken ankommen zu können, wir bereits eine stabile, zahlungsfähige Bevölkerung haben müßten. Wir wären also, wenn wir auf die Großbanken warten wollten, im circulo vitioso. Die Nationalanleihe müßte daher e i n e Volksanleihe sein. Diese Volksanleihe soll die Kreditbasis unserer anderen Anleihenwerden, die wir unstreitig noch benötigen werden. Sie soll gleichsam das Eigenkapital vorstellen, aut das basirend ein Privatunternehmer kommerziell-legal einen Bankkredit beanspruchen kann. Die Volksanleihe soll nicht auf eine genau umschriebene Summe, und deren Subskriptionstermin nicht auf eine kurze Zeit beschränkt sein. Vor dem Kriege würde eine solche Proposition als unfachgemäß belächelt worden sein. Wir haben *) Wir könnten auch die Häuser in Erbpacht (bis zum Jobei) mit 4 o/0igier Zin&enermäßigung geben. **) Bei einem supponiertem Geldpreise von 4 °/o.