Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1919)
- Date
- 1919-08-07
- Page
- Seite 993-994 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649302--0634-2649991- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
993 VÖLK UND LAND 994 schung der Naturkräfte um 90 viel weiter halten? Blicken Sie doch zurück auf die Einfalt früherer Tage und geben Sie sich selbst die Antwort. Wie sich das weiter entwickeln wird? Wie Organisches sich entwickelt. Aus sich heraus! Die Kräfte täglich neu erzeugend die es braucht, und mit den Aufgaben wachsend, nochmal wachsend und wieder wachsend. III. Zur gegenwärtigen Lage. Aus den fürchterlichen Pferchen im Osten Europas brechen seit 20 Jahren ununterbrochen Hunderttausende verzweifelter Menschen auf, um anderwärts ein Stück Brot und ein bischen Freiheit zu suchen. Welcher Mensch, der nicht ein versteinertes Herz in der Brust trägt, wird diese jammervolle Wanderung aus dem Elend in das Elend ohne Erschütterung mit ansehen können? Was mich wundernimmt, ist die Tiefe der Verzweiflung, die Größe der Nichtbereitschaft, welche nur die sinnlose Proposition. der örtlichen Verteilung als ein Remedium für das Uebel verschlägt . . . Das Leitmotiv mag zum größten Teil der Umstand gewesen sein, daß man nicht wußte, wie schnell der heutige Almosengeber zum morgigen Bettler werden dürfte. Alle Juden waren, wenn vorläufig noch nicht tatsächlich, doch voraussichtlich Brüder im Unglück. Das alte System hat einen solchen Grad von Verwirrung erreicht, daß es sich schon nicht mehr allein damit befassen kann, den Leuten zu helfen, sondern daß das Geld, welches den Zweck hatte, die Juden aus ihrer elenden Lage zu befreien, dazu benützt worden ist, sie in dieselbe wieder zurüokzustürzen. Amerika will von armen Einwanderern nichts mehr wissen, ebenso wenig wie England. Auch in Amerika gibt es bereits ein jüdisches Elend. IV. Die praktischen Leute. Darum ist unsere rechnerische Formel eine andere, und wer wagt es, ihre Richtigkeit zu bestreiten? Wir sagen nämlich: „Es ist soviel Geld notwendig, als Leute kommen werden.“ Die Praktischen sagen umgekehrt: „Es können nur so viele Leute hingehen, als Geld für ihre Ansiedlung flüssig ist.“ Nach unserer Rechnung steht das zu investierende Kapital in geradem Verhältnis zur Zahl der Ansiedler. Für w e nigAnsiedler wenig, für viele Ansiedler viel Geld. Kinder und Narren können nicht begreifen, wie man in dem Hause wohnen soll, von dem sie erst die Grundmauern aus der Erde wachsen sehen. Den Mont-Cenis-Tunnel bohrt man von beiden Seiten an, und man hat bis zum letzten Augenblick, wo Licht und Licht sich begegnet, die Sorge, ob man hüben und drüben auf dem gleichen Niveau ist. Wir wollen nur unverzagt bleiben. — Das Problem ist für unsere jetzige technische Macht über die Naturkräfte kein unlösliches. Tatsächlich stehen wir zu den früheren Zionisten nur in dem Verhältnisse von Leuten, die moderne Verbesserungen an einer unbrauchbaren alten Maschine anbringen. Ehrwürdig ist die Maschine, doch — sie gehört ins Museum. - - V. „Eine Lösung der Judenfrage.“ Und so wird es zugehen: gerade die Armen und Einfachen, die gar nicht ahnen, welche Gewalt über die Naturkräfte der Mensch schon besitzt, werden die neue Botschaft am stärksten glauben. Denn sie haben die Hoffnung auf das Gelobte Land nicht verloren. Da ist es, Juden! Kein Märchen, kein Betrug! Jeder kann .sich davon überzeugen, denn jeder trägt ein Stück vom Gelobten Land hinüber; der in seinem Kopf, und der in seinen Armen und jener in seinem erworbenen Gut. WirwerdenendlichalSfreie Männer auf unserem eigenen Boden leben und friedlich in unserem eigenen Heim sterben. — STAEDTEBAUFONDS — VOLKSANLEIHE Von Emil N e Wenn wir bei dem Wiederaufbau unseres Palästina auf die landwirtschaftlichen Siedlungen, als auf daS Rückgrat unseres neuerstehenden Volkstums, auch das Schwergewicht legen müssen, dürfen wir es doch nicht außer acht lassen, daß ein dichtbevölkertes Agrikulturland ohne Städte einfach nicht möglich ist. Die Stadt ist der Knotenpunkt in dem Netzgewebe des Siedliungswerkes. Daß unsere Leitung aut die Entwicklung der Städte tatsächlich auch ein Augenmerk hat, ersehen wir aus; der tatkräftigen Unterstützung, welche die Gründung TePAwiws genossen hat, und auch aus dem großzügigen Vergrößerungsplan Jerusalems. In diesen Fällen handelt es sich um Erweiterung bereits vorhandener Städte. Jedoch genügt dieses? mann (Neutra). Wenn wir die Menge derjenigen Einwanderer sehen, die zufolge der Ansprüche, die ein gewisser Kapitalbesitz mit sich bringt, ihrer Fähigkeiten, ihres Berufes aut den städtischen Wohnsitz, angewiesen sind, 'müssen wir zu dem! Resultate kommen, daß die jetzigen städtischen Siedlungen viel zu wenig sind. Palästina besitzt zur Zeit zirka 40 Städte in Cis- und Transjordanien, von denen nur neun zehn 5000 Einwohner und darüber besitzen, und unter i diesen sind auch nur vier von Juden bewohnt; es ist evident, daß die judenleeren Städte für Zuzügler keine Anziehungskraft bieten. Wenn wir aber auch die sämtlichen Ortschaften als für uns verwendbar betrachten woLen, ist dies eine lächerlich geringe Zahl im Verhältnis auch nur