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Volk und Land · 1919-08-07 · Heft 32 (7.8.1919) · p. Seite 991-992

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 32 (7.8.1919)
Date
1919-08-07
Page
Seite 991-992 (sequence 4)
Language
German
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991 ■ -tt —-.— ■ VOLK UND LAND - ■ . ■■■■■■— . 992 Massenbewegungen wurden weit in den Schatten gestellt durch die Leistungen des Krieges; die Schnelligkeit, mit der Eisenbahnen, Brücken, Hafen, Unterkünfte, Städte usw. gebaut wurden, lassen uns nichts mehr als unmöglich erscheinen, was Herzl uns in „Altneuland“ zeigt. Auch die Angst vor dem Sozialismus und der Weltrevolution, die manche Minimalsten lähmt, ist unnötig. Durch verständige Benutzung des Genossenschaftsprinzips, das Herzl in „Altneuland“ in großem Ausmaß anwendet, können wir vielen jetzt brennenden Fragen beikommen und die neuesten Gründungen für Palästina zeigen schon, daß manche der so Viel geschmähten Unternehmer nicht mehr die alten Ausbeuter sind, sondern sich mit Gewinnbeteiligung und Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und Angestellten befreunden. Auch an ihinen ist Aus Theodor Herzl’s Z I. Theodor Herzl und Baron Hirsch. Wieviel Exemplare können Sie überhaupt hinübersetzen? Fünfzehn-, zwanzigtausend! In einer Gasse der Leopoldstadt in Wien wohnen mehr. Um die Juden aufs Land zu ziehen, müßten Sie ihnen ein Märchen der Goldgewinnung erzählen. Phantastisch konnte es so lauten: Wer ackert, sät und erntet, findet in der Garbe Gold. Ist ja auch beinahe wahr. Nur wissen die Juden, daß es ein kleines Klümpchen sein wird. So konnten Sie ihnen vernunftsmäßiger sagen: wer am besten wirtschaftet, bekommt eine Prämie, die sehr hoch sein kann. Mit 20 000 Ihrer argentinischen Juden haben Sie noch nichts bewiesen, selbst wenn die Leute guttun. Ich werde eine jüdische Nationalanleihe von zehn Milliarden Mark aufbringen. Und doch habe ich auch das Weitere schon entworfen: den ganzen Plan. Ich weiß, was alles dazu gehört: Geld, Geld, Geld. Fortschaffungsmittel, Verpflegung großer Massen (worunter nicht Essen und Trinken wie in Moses einfachen Zeiten zu verstehen), Erhaltung der Manneszucht, Organisierung der Abteilungen, Entlassungsverträge mit Staatshäuptern, Durchzugsverträge mit anderen, Garantieverträge mit allen und Anlage neuer herrlicher Wohnorte . . . Dennoch müssen die Vbliksphan tasten einen festen Grund haben. Wer sagt Ihnen, daß ich nicht durchaus praktische Ideen für das Detail habe? Detail, das freilich noch immer riesenhaft ist. Und aus diesen Bildungsproletariern bilde ich die Generalstäbe und Cadres des Landsuchungs-, Landfindungs- und Landeroberungsheeres. Was sind zehn Milliarden für die Juden? Sie sind doch reicher, als die Franzosen vom 1871 und wieviel Juden waren darunter. Uebrigens können wir zur Not mit einer Milliarde marschieren. Denn das wird arbeitendes Kapital sein, der Grundstock unserer späteren Bahnen, unserer Auswandererschiffe und unserer Kriegsflotte. Damit werden wir Häuser, Paläste, Arbeiterwohnungen, Schulen, Theater, Museen, Regierungsgebäude, Gefängnisse, Spitäler, Irrenhäuser — kurz Städte bauen und das neue Land so fruchtbar machen, daß es dadurch das Gelobte wird. die neue Zeit nicht spurlos vorübergegangen; ihre Intelligenz und' ihre Kapitalien werden uns zur Verfügung stehen. Auch sie werden ihren Anteil am Aufbau Palästinas haben, die Männer des „arbeitenden, nicht des schlafenden, feige verkrochenen Kapitals“. Kurze Zeit trennt uns nur noch vom Beginnen der neuen Juden Wanderung. In wenigen Monaten wird angesichts der überwältigenden Größe des Einwandererstromes jede Beweisführung der Minimalisten für immer hinfällig geworden sein. „Im Zeichen der Arbeit“ werden die neuen Juden die alte Erde der Väter betreten. „Die Welt wird durch unsere Freiheit befreit, durch unseren Reichtum bereichert und vergrößert durch unsere Größe.“ — ionistischen Schriften Man findet jüdisches: Geld in schweren Massen für eine chinesische Anleihe, für Negerbaihnen in Afrika, für die abenteuerlichsten Unternehmungen — und für das tiefste, unmittelbarste, quälendste Bedürfnis der Juden selbst fände man keines? * II. Die Größe der Aufgabe*). Wo Menschen sind, da findet sich alles. Die Menschen in Bewegung zu setzen, ist die Aufgabe. Diese Kraft hat unsere Idee schon jetzt gezeigt und wird sie immer mehr zeigen. Die erworbene Geschwindigkeit muß zunehmen und es kommt hinzu die Attraktionskraft der gesammelten Massen. Wenn wir nun aininehmen, daß es neun Millionen Juden gibt, und daß es der Kolonisation gelinge, jährlich zehntausend Personen in Palästina anzusiedeln, so würde die Lösung der Judenfrage 900 Jahre in Anspruch nehmen. Das sieht unpraktisch aus. Denn die Judenfrage ist nicht gelöst, wenn wir ein par hundert oder einige tausend Familien in Palästina ansiedeln. Unsere Aufgabe ist es, drüben für sie bessere Bedingungen herzustellen. Dann kommt, was will. An dem Tage, wo wir das Land, das wir brauchen, ergreifen, werden wir es jäh mit Kultur bedecken, mit Bahnen, Telegraphen, Telephonen, Fabriken, Maschinen und vor allem mit jenen sozialen Reformen, nach denen heute jeder gesittete Mensch ebenso heiß verlangt, wie nach der Schnelligkeit des Verkehrs . . . Mögen es denn die Juden der ganzen Welt erfahren, mögen sie verstehen, welche Aussichten für sie in dieser Tatsache enthalten sind und mögen sie endlich bereit sein zur Aktion . . . Alles was menschlicher Fleiß in anderen Ländern schaffen kann, wird er doch auch dort schaffen können, wo in wunderbaren Tagen Milch und Honig floß. Warum sollte das gerade dort nicht möglich sein? Etwa wejil wir heute in der Beherr- * *) Die Ueberschriften II, III und IV sind von Uns hinzugesetzt. Die gesperrt gedruckten Stellen sind von uns gesperrt.

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