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Volk und Land · 1919-08-07 · Heft 32 (7.8.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 32 (7.8.1919)
Date
1919-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLK LA MD WOCHENSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCH^|| UND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN VON OAVIS TRIETSCH 7. AUGUST 1919 HEFT 32 I. JAHRGANG HERZL ALS Von Ernst In den letzten (Nummern von „Volk und Land“ lasen wir Auszüge aus Herzls Schriften; wir vergegenwärtigten uns die gigantischen Pläne, die sein weitschauender Geist entworfen hatte, lange bevor eine Möglichkeit ihrer Durchführung bestand. Wer wird angesichts dieser Zitate und der heutigen politischen Situation zu behaupten wagen, daß Herzl heute .kein Maximalist wäre? Eher könnte man, gestützt auf die Lehren der Vergangenheit, behaupten, daß, wenn Herzl heute lebte, die Minimalisten samt und sonders ebenfalls Maximalisten wären. Es ist bekannt, daß Herzl seinen Aufbauplan in „Altneuland“ keineswegs als Roman gewertet wissen wollte. Und die Zionisten, die sich an das Erscheinen dieses Buches erinnern, werden wissen, daß nicht nur Herzl, sondern auch sie selbst, die Zionisten, damals an der Ausführbarkeit dieses Planes nicht Zweifelten, sobald einmal die öffentlichrechtlich gesicherte Heimstätte da sein würde. Und jetzt, wo uns .diese Heimstätte durch ein Wunder, infolge des Weltkrieges, in den Schoß gefallen ist, zögern sie, Herzls großartige Pläne zur Anwendung zu' bringen. Können wir deutlicher, als Herzl in seinem Gespräch mit dem Baron Hirsch es tut, die Nutzlosigkeit einer Ansiedlung von fünfzehn- oder zwanzigtausend Seelen dartun? Man beachte, wie vertrauensvoll — jund! jmit Recht — er in Bezug auf die Entwicklung unseres Verhältnisses zu den Arabern sich in „Altneuland“ ausgesprochen hat, während den Minimalisten, die größtenteils nichts davon verstehen, die Araberfrage große Kopfschmerzen macht. Es wird! von unserer Seite mit Recht betont, daß gerade bei maximalistischer Kolonisation von den Arabern nichts zu befürchten ist, da wir bei dieser ja in Kürze die Majorität im Lande erwerben werden und jede etwaige Gegnerschaft dadurch in nichts zerfließen muß. Welchen großzügigen Optimismus zeigt Herzl in der Finanzfrage! Mit knappen, klassischen Worten drückt er ihre Quintessenz aus: „Für wenig Ansiedler wenig, für viele Ansiedler viel Geld.“ Mit bewundernswerter Klarheit hat er erkannt, daß die Aufgabe darin besteht, „die Masken in Bewegung zu feetzen.“ Nur ahnte er nicht — vor dem Pogrom von Kischinew, ,vo r den Oktoberpogromen, vor dem ungeheuren Zusammenbruch im Weltkrieg« —welch« himmelschreiende Not einmal MAXIMAL!ST Herrmann. die Ausführung seiner größten Plans zur gebieterischen Notwendigkeit machen, welche gewaltige Verzweiflung jedes längere Zuwarten grotesk erscheinen lassen würde. Und wenn heute, wo allenthalben die Grenzen vor den Juden geschlossen werden, die zionistischen Minimalisten nach Einwanderungsländern suchen, wie ehemals die Itoisten, und nun gar aiuf — Rußland verfallen, ist es nicht, als hätte Herzl Sie im Auge gehabt, als er sagte: „Was mich wundemimmt, ist die Tiefe der Verzweiflung, die Größe der Nichtbereitschaft, welche nur die sinnlose Proposition der örtlichen Verteilung als ein Remedium für das Uebel vorschlägt..“ Gerade als hätte Herzl die kleinmütigen Einwände geahnt, »die die Minimalisten gegen alle neuen großen Pläne Vorbringen würden, die palästinensische Landwirtschaft auf eine neue Basis zu stellen und die Erfahrungen anderer Völker und Länder auszunützen; „Al’les was menschlicher Fleiß in andern Ländern schaffen kann, wird er doch auch dort schaffen können, wo in wunderbaren Tagen Milch und Honig floß.“ Auch darüber läßt uns Herzl nicht im Zweifel, daß er an die Möglichkeit großer industrieller Betätigung geglaubt hat, während viele seiner ehemaligen wärmsten Anhänger vor diesem Gedanken furchtsam zurückweichen. Immer und immer wieder begründet Herzl seine Ueberzeugung von der Durchführbarkeit einer jüdischen Heims'alte größten Maßstabes mit den Fortschritten der Technik in unserer modernen Zeit. Wenn wir nur einige ihrer Errungenschaften seit seinem Tode betrachtenDie Verbesserung .der Automobiltechnik und die .Bedeutung, die die Kraftwagen im Kriege gewannen — „ohne die Kraftwagen wäre der Krieg unmöglich gewesen“ —, die Erfindung des Flugzeuges und seine beginnende, umfangreiche Verwendung zu friedlichen Zwecken, nachdem es im Kriege technisch auf eine ungeahnte Höhe der Vollendung gebracht worden ist, die Ueberwimdung jeder Entfernung des Erdballs durch Telegraphie und Telephonie ohne Draht — haben wir wirklich vor der Größe der Aufgabe zu verzagen, die uns gestellt ist? Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, welch ein Lehrmeister für uns der Weltkrieg gewesen ist. Alle von Herzl geschilderten

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