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Volk und Land · 1919-07-31 · Heft 31 (31.7.1919) · p. Seite 983-984

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 31 (31.7.1919)
Date
1919-07-31
Page
Seite 983-984 (sequence 16)
Language
German
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983 VOLK UND LAND ..- — 984 wird, dank der Fürsorge ihrer, wie es zweifellos heißen wird, d. h. der veriudeten englischen Regierung? Wird da nicht durch die einseitig jüdische Nationalisierung ein Haß gerade bei dem Teile der Bevölkerung großgezogen, zu dem man doch freundnachbarliche Beziehungen unterhalten will? Kein doppelt Maß soll in unserem Lande bestehen, gleiches Recht für alle seine Bürger! Alle seine Bewohner, ob Juden oder Araber, sollen von der Wohltat der Nationalisierung des Bodens Genuß haben. Wenn man bislang an diese Konsequenz der Nationalisierung des jüdischen Bodens nicht gedacht hat, so ist es höchste Zeit, sie bei den Schritten, die man in Paris tut, in Betracht zu ziehen. Die Lösung der Nationalisierungsfrage in dem angedeuteten Sinne enthebt uns mit einem Schlage der schweren Sorge der Kapitalbeschaffung zum Landerwerb, die nach verschiedenen Berechnungen 200—400 Millionen erfordern würde, wenn die Herren arabischen Großgrundbesitzer sich überhaupt gewillt zeigen würden, schon jetzt ihren Boden uns zu dem von uns in Rechnung gesetzten Preise zu verkaufen. Die Landesregierung enteignet nach und nach die Flächen, die sie zur Ansiedlung von Einwanderern und der schon landeingesessenen Fellachen braucht, zu Preisen, wie sie vor dem Kriege bestanden haben. Durch eine besondere Verfügung, die übrigens auch das türkische Gesetz kennt, wird zunächst aller nicht kultivierte Boden vom Staate gegen eine Entschädigung (während das türkische Gesetz diese nicht vorsieht) eingezogen, melioriert, parzelliert und an Ansiedler in Erbpacht gegeben. Diese Aktion wird viel Geld erfordern, unsere Aufgabe wird es sein, in geeigneter Form es der Regierung zur Verfügung ZU stellen, da wir in erster Linie von diesen Maßnahmen Nutzen ziehen sollen. Die finanziellen Erfordernisse bleiben deshalb für uns als Volk, das in Palästina seine Heimstätte einrichten will, bestehen, sie verlieren nur den Charakter ihrer Plötzlichkeit, wie sie bei einer Durchführung des Ankaufs von Land aus arabischen Händen Bedingung sein müßte. Gelingt uns die Durchführung der Idee der Nationalisierung des ganzen palästinensischen Bodens — und sie muß juns gelingen, sonst kommen wir aus tausend Schwierigkeiten nicht heraus — so ist damit zu rechnen, daß diese Idee sich in dem benachbarten befreundeten Hedschas Bahn brechen wird, wo ähnliche Verhältnisse — eine Irapide Aufschließung eines noch wenig kultivierten Landes und die damit verbundene plötzliche Steigerung der Bodenwerte — herrschen werden wie in Palästina. Zu den materiellen Vorteilen der Durchdringung des großen Hinterlandes von Palästina durch jüdische Intelligenz, Arbeit und Kapital würde der ideelle Vorteil der Befruchtung des Nachbarlandes durch einen großen Gedanken treten, eine Aufgabe, $ie das jüdische Volk gegenüber dem arabischen nur willig übernehmen würde. (Hamburger Jüdische Nachrichten.) iiumiiimimtiimumwimmmmnumimmmiuiiimmiimim STIMMEN DES AUSLANDES Manchester Guardian zur Judenfrage in Polen In Fortsetzung seiner Studien über das jüdische Problem in Polen untersucht der „Manchester Guardian“ die Fragen, wie eine Lösung dieses Problems möglich sei und schreibt: Die Polen, politisch und kulturell ein unreifes und rückständiges Volk, haben nicht durch eigenes Verdienst, sondern einfach durch die Siege zuerst der Deutschen über die Russen und! dann der Alliierten über die Deutschen die Macht gewonnen, ihr Land zu einer Hölle der drei Millionen Juden zu machen. Zweifellos ist die Wurzel des Uebels, ob nun die Polen oder die Juden dafür zu tadeln sind, die außerordentliche Isolierung dieses im Kern fremden Rassenelementes. Aber daraus zu folgern, wie die Polen tun, daß das Heilmittel für dieses Uebel darin besteht, die Juden in den Rahmen der polnischen Nationalität zu bringen, verrät eine vollkommene Unkenntnis der Natinonalitätsidee, Rasse und Sprache sind Kleinigkeiten, verglichen mit dem geschichtlichen Abgrund zwischen diesen beiden Völkern. Beide haben gelitten, beide gekämpft, aber niemals in derselben Sache und mit denselben Empfindungen. Gute Bürger des polnischen Staates können die Juden sein, wenn man es ihnen möglich macht, es zu wollen, aber auch das werden sie nicht, solange die Polen nicht aufhören, sie in den Patriotismus hineinzupeitschen. Richtig ist allerdings, daß eine soziale Verflechtung, ein Einheitsgedanke, ein menschliches Band entdeckt werden muß, wenn der polnische Staat mit seinen drei Millionen Juden einen Zusammenhalt haben muß. Dieses Band kann nicht die Nationalität sein: so suche man es in gemeinschaftlicher Arbeit. Auf sozialem Gebiet könnte eine Lösung der Judenfrage in Polen gefunden werden, wenn erreicht würde, daß die Juden in jeden öffentlichen Dienst, die Arbeiter in alle Fabriken zugelassen werden, wenn die getrennten Gewerkschaften und Arbeiterparteien sich vereinigen. Aber dazu müßte die rückständige und schwache polnische sozialistische Bewegung (die einzige Kraft in Polen, welche für die Zukunft Hoffnung gibt) mutiger, zahlreicher und ihrer Idee treuer werden. Die sonstigen Heilmittel, besonders den Schutz durch den Völkerbund, beurteilt das englische Blatt sehr pessimistisch: Das politische Stimmrecht werde den Juden nicht helfen. Sie sind in verschiedene Parteien geteilt undi wurden oft durch geschickte Wahlkreiseinteilung um ihr Stimmrecht gebracht. Aber auch die Erziehung einer entsprechenden Mandatszahl würde ihre Lage eher verschlechtern; wenn sie eine unter Umständen den Ausschlag gebende Partei würden, so könnte die Ausübung dieser politischen Macht leicht durch verschärfte Verfolgung beantwortet werden. Was die Minoritätsrechte betrifft, so ist es allerdings klar,'daß die Juden eigene Schulen haben müßten, mit entsprechendem Anteil an de i öffenll chen Geldern, beaufsichtigt von einer jüdischen Gemeinschaft auf demokratischer Basis. Aber was wäre damit getan? Da ist eine Rasse, welche täglichen Insulten, gelegentlichen Massakers, ausgesetzt ist, welche tatsächlich vom1 Staatsdienst ausgeschlossen, von den Hauptindustrien durch nackten Fanatismus femgehalten wird und mühsam durch Kleinhaindwerk, Krämerundi Hausierhandel das Leben fristen muß, und wir bieten ihr als Lösung — jüdische Schulen. Der Völkerbund, sagt man uns, wird dem polnischen Staat in bezug auf die Juden gewisse Verpflichtungen auferlegen. Die Liga ist aber vorläufig nur eine große Allianz. Polen fühlt sich als Alliierter und wird in Paris als unerläßliche Schutzmauer gegen Deutsch-

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