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Volk und Land · 1919-07-31 · Heft 31 (31.7.1919) · p. Seite 979-980

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 31 (31.7.1919)
Date
1919-07-31
Page
Seite 979-980 (sequence 14)
Language
German
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979 VOLK UND LAND 980 organisierenden Gemeinwesens in denkbar kürzester j Zeit sein, wie in Palästina. Der gegenwärtige türkische oder arabische Landbesitzer braucht nur sein Land 5 bis 10 Jahre zurückzuhalten, um später einen Gewinn einzuheimsen, wie er ihn sich hat nie träumen lassen. Ein Mittel, ihn zum Verkauf seines Bodens zu zwingen, haben wir nicht. — Die von zionistischer Seite empfohlene Nationalisierung des Bodens soll nach dem Wunsche der Befürworter dieser Idee den jüdischen Besitz treffen. Das Obereigentum des Jüdischen Nationalfonds oder der Jüdischen Kolonisations-Gesellschaft wird (nur auf dem in jüdischer Hand befindlichen Boden konstituiert, so daß die Weitergabe von Boden lunter Juden nur durch das Mittel des Jüdischen Nationalfonds möglich ist und so jede Spekulation verhindert wird. Dagegen wird der nichtjüdische Landbesitzer den durch die Arbeit der Allgemeinheit bewirkten Wertzuwachs, da die Nationalisierung seinen Besitz nicht trifft, bei freihändigem Verkauf seines Bodens oder bei seiner Verpachtung genießen dürfen. Die natürliche Folge der Erschließung des Landes, der gesteigerten Einr Wanderung, der geordneten Verwaltung usw. Wird eine rapide Intensivierung des Landbaues sein, sodaß der gesteigerte Ertrag der Felder (Gärten, Pflanzungen) einen bedeutend höheren Verkaufspreis (oder Pachtzins wird gerechtfertigt erscheinen lassen. Daß die Preissteigerung der Bauplätze in den Städten schon in den nächsten Monaten fühlbar sein wird, werden wir bald verspüren. Schon auf die Nachricht hin, die englische Regierung habe zwei Millionen Pfd. Strl. zum Aufbau des Hafens von Haifa bereitgestellt, müssen die Preise für die Bauparzellen in und bei Haifa sofort in die Höhe schnellen (und bald werden wir von der Gründüng lukrativer Terrain-Gesellschaften in und für Palästina durch arabische, syrische, ägyptische und vielleicht auch dahinter verborgene jüdische Kapitalisten hören. Soll Idie Nationalisierung des Bodens den Genuß des unverdienten Wertzuwachses in bodenreformerisohen Sinne unmöglich machen, so darf sie nicht Vor den Arabern Halt machen. Sie darf nicht eine Klasse von privilegierten Profitmachern züchten. Sie soll und muß den durch die Arbeit aller Bewohner des Landes bewirkten Wertzuwachs der Allgemeinheit sichern. Mit anderen Worten, wir (dürfen keinen Unterschied zwischen den Bürgern Palästinas konstruieren, indem wir den jüdischen Bodenbesitz nationalisieren, den arabischen dagegen für viele Jahrzehnte — iwenn er überhaupt für den Jüdischen Nationalfonds noch erschwinglich sein wird — oder gar dauernd als freie Ware auf dem Markte belassen. Eine differenzierte Behandlung der einzelnen Volksstämme darf in Palästina ebensowenig zugunsten wie tau - Ungunsten der Betroffenen möglich sein! Ja, können wir denn das Obereigentum der Jüdischen Kolonisations - Gesellschaft auch' auf fremdstämmigen Besitz ausdehnen? Freilich nicht; wir brauchen aber nur die Jüdische Kolonisations- Gesellschaft durch die Englische Landesregierung zui substituieren, um das Institut für alle Landesr bewohner gelten zu lassen. Es muß also unsere Aufgabe sein, England, das ja als Mandatar des Völkerbundes Palästina verwalten soll, von der Notwendigkeit der Nationalisierung des palästinischen Bodens zu überzeugen. Die Urheber des Gedankens der Nationalisierung allein des jüdischen (Bodens können sich anscheinend noch immer nicht Von der sozusagen „türkischen Konstellation“ unserer Arbeit emanzipieren. Der Jüdische Nationair fonds war konzipiert unter dem „apcien regime“, als 'wir keinen anderen Weg vorgezeichnet sehen konnten, als den der Ueberführung eines Teils des palästinischen Bodens in unseren Besitz, trotz und gegen den Willen des türkischen Herrn des Landes. Die Sache liegt doch jetzt grundsätzlich ganz anders. Die Landesregierung soll im Aufträge des Völkerbundes für eine möglichst rasche Entwicklung des Landes sorgen und dabei dem jüdischen Volke Gelegenheit geben, sich' in ihm eine nationale Heimstätte zu: errichten. Sie hat alle Schritte zu unternehmen, um die Aüfschließung Palästinas durch neue Einwanderer zu ermöglichen. Zu diesen Schritten gehört in erster Linie die Sicherstellung von Land für die neuen Ansiedler. Es kann selbstverständlich nicht die Rede davon sein, daß die Landesregierung, ganz einerlei, ob sie englisch oder jüdisch ist, oder vorübergehend — solange die Araber die Mehrheit im Lande bilden — einen vorwiegend arabischen Einschlag hat (auch diese Möglichkeit muß erwähnt werden), eine Klasse von Einwanderern bevorzugt. Da aber kein Volk der Erde das Interesse an Palästina hat wie das jüdische, — aus freien Stücken heraus als Ausfluß seines Strebens nach nationaler Wiedergeburt einerseits und gezwungenermaßen als Folge seiner bedrängten Lage im europäischen Osten andererseits — so Wird es praktisch darauf hinauslaufen, daß den Hauptstrom der Einwanderer Juden abgeben Werden Und die für alle ohne Unterschied der Nationalität berechneten Maßnahmen der Landesregierung unsere Interessen vorwiegend werden fördern helfen. Eine nennenswerte arabische Einwanderung steht nicht zu befürchten, da es keine Länder imit einem Ueberschuß an Arabern gibt und keine, in denen ihre Lage sie zur Auswanderung zwingt. Sollten sich aber andersstämmige Einwanderer nach Palästina wenden, so werden die Behörden, Pb wir es wollen oder nicht, diese keinesfalls abweisen, sondern sie in gleicher Weise fördern wie die jüdischen Einwanderer. Es darf in Palästina keine „doppelte Moral“ existieren, weder zur Bevorzugung, noch zur Benachteiligung seiner Bürger Oder derjenigen, die es werden wollen, Sollte es in der Tat schwer fallen, England davon ‘zu überzeugen, daß es keinen anderen Wieg gibt, die Mißstände, die eine Folge der Bodenspekulation und des Bodenwuchers sind, zu vermeiden, als den, in Palästina ein Obereigentum der Landesregierung über den ganzen Bodenbesitz zu konstituieren, daß nur auf diese Weise den Einwanderern in genügendem Maße Boden zur Verfügung gestellt werden kann, und daß nur so der durch die Arbeit der Allgemeinheit bewirkte Wertzuwachs des< Bodens auch der Allgemeinheit und flicht wenigen, die ihn gar nicht verschuldet haben, zugute kommt? DerbodenreformerischeGedanke ist in England nicht nur gut zu Hause, ja, Lloyd George, der, wenn auch nicht die Seele, so doch sicherlich der Kopf der Friedenskonferenz in Paris ist, gehört zu seinen eifrigsten Verfechtern. Die lease hold-Form der Bodennutzung für Bauzwecke ist in London die am meisten verbreitete, allerdings nicht zugunsten der Gemeinde, sondern zur Bereicherung weniger Landlords, denen ein großer Teil des Weichbildes von London gehört. Was aber die alten Kulturvölker mit tief eingewurzelten Eigentumsbegriffen nicht bei sieh zu Hause so durchführen können, wie es die weitsichtigen führenden Geister wünschen, das versuchen sie immerhin in neuen Verhältnissen, wenn sich ihnen Gelegenheit bietet, Neuland zu erschließen. Warum sollte England im Aufträge des Völkerbundes nicht das; in Palästina versuchen, was Deutschland mit Erfolg in Kiautschou durchgeführt hat?

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