Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1919)
- Date
- 1919-07-31
- Page
- Seite 977-978 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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977 VOLK UND LAND 978 tungsindustrie (2 b);und die Eisenindustrie (2 c) j — ich habe hier nur die notwendigsten Fertigerzeugnisse in Betracht gezogen — können ebenfalls sofort ein lohnendes Feld finden, da, ihre Erzeugnisse zu den dringlichsten Bedürfnissen des Landes gehören. Das gleiche gilt für die Industrie der Steine und Erden (1 a) und es wird dringend erforderlich sein, sie so schnell wie irgend möglich in .Gang zu bringen. Die chemische Industrie, die der Landwirtschaft künstliche Düngemittel liefern soll (1 b), sollte schon mit Rücksicht hierauf so bald .als möglich in Angriff genommen werden. Erst mit der fortschreitenden Entwickelung des Landes wird die Maschinenindustrie (2d) und die Elektrizitätsindustrie (2 e) jn Aufnahme kommen. Man wird aber von Ainfang an die Entwicklung dieser Industrien fördern müssen, da sie zu hochbedeutsamen Exportindustrien werden können. Es ist zu erwarten, daß Vorderasien tund besonders die Nachbarländer Palästina einen aufnahmefähigen Markt für die Erzeugnisse dieser Industrien bieten werden. Die Lage Palästinas1 gibt ihm den europäischen und amerikanischen Industriestaaten gegenüber einen großen Vorsprung. Rührige Kaufleute, begabte Ingenieure und eine intelligente Arbeiterschaft befähigen Uns, (diesen Markt zu erobern. Die Industrie ,der Gruppe II können wir ebenfalls in die Untergruppen 1 -und 2 wie die der Gruppe I einteilen. Die Untergruppe 1 gliedert sich in: a) solche Industrien, deren Rohstoffe im Lande nur in begrenzter Menge vorhanden sind; b) solche Industrien, deren Rohstoffe im Lande in beliebiger Menge erzeugt werden können. Für die Unterabteilung 1 a werden wir anscheinend geringe industrielle Möglichkeiten haben. Die Unterabteilung 1 b dagegen kann sofort bedeutende Mengen Rohstoffe gewinnen und verarbeiten. Diese Industrien werden energisch zu fördern sein, da sie, ohne Einführung von Rohstoffen zu erfordern, eine bedeutende Ausfuhr ermöglichen und so die Zahlungsbilanz des Landes besonders günstig beeinflussen können. Eine Gliederung der Untergruppe 2 halte ich nicht für erforderlich. Jede Industrie, die den Einwandernden Arbeit und dem Lande Vorteil bietet, können wir aufnehmen. Selbstverständlich werden wir diejenigen bevorzugen, die die größten Vorteile bieten. Im allgemeinen wird es sich um' Industrien handeln, die zunächst den La,ndesbedarf befriedigen und sich bei weiterer Entwickelung dem Auslandsgeschäft zuwenden. Ich verweise auf das vorher von der Maschinen- und der Elektrizitäts-Industrie Gesagte. Es wird sich nun noch darum handeln, festzustellen, ob sofort mit dem Aufbau der Industrie begonnen werden kann. Zunächst ist der erforderliche Grund und Boden für die Fabrik und das dazugehörige Industriedorf zu erwerben. Nach Auerbach wird dem eine jahrelange Vermessungsarbeit voraufgehen müssen, weil die arabischen Nachbarn den Besitzwechsel zu Bereicherungsversuchen ausnutzen werden. Ich bin der Ueberzeugung, daß es auch Land geben wird, bei 'dem die Besitzrechte klarliegen; man würde zunächst also auf dieses zurückgreifen können. Sollte es .aber „Proteste regnen“, so wird der Kaufmann durch Verhandlungen vielleicht in wenigen Stunden das erreichen, was dem Vermessungsingenieur in Jahren nicht gelingen wird: einen freundschaftlichen Ausgleich mit den Nachbarn. Gewiß wird er den Boden teurer bezahlen; aber da er einige Jahre früher seine Fabrik in Betrieb nehmen kann, wird der Nutzen hieraus die Verteuerung des Bodens um ein Vielfaches übersteigen. Die Sanierung der Böden! Es soll in Palästina auch Boden geben, der der Sanierung nicht mehr bedarf. Aber die Beseitigung von Tümpeln, die Ableitung der Winterwasser, die Beschaffung guten Trinkwassers sind Dinge, die den Industriellen wenig schrecken. Diese Arbeiten können sicherlich gleichzeitig mit dem Bau der Fabrikanlage und der Wohnhäuser ausgeführt werden. Es ist gar keine Frage, daß ein Industrieller es fertigbringt, all die Schwierigkeiten, die Auerbach so eindringlich schildert, ohne allzu große Mühe in wenigen Monaten zu überwinden. Die größten Schwierigkeiten, die der Unternehmer zu überwinden hat, liegen nicht in Palästina, sondern hier. Wer sagt uns, was für Industri.eprodukte in Palästina gebraucht werden und in welcher Menge, welche Landesprodukte dort verarbeitet werden können, und wo Absatz für sie sein wird, wer Kapital investieren will und wer solches braucht, wer als Kaufmann, als Ingenieur hinübergehen will, und welche Spezialfächer er beherrscht, ob im Lande oder unter den Einwanderungslustigen gelernte Arbeiter sind und was sie können, wo günstige Terrains zu haben sind, von wem die Bauten errichtet, die Maschinen bezogen werden können usw. usw.? Dies sind die Schwierigkeiten, die wir überwinden, die Vorbereitungen, die wir treffen müssen. Das können wir aber nicht, wenn von führender Stelle aus die Entwicklung der Industrie als unerwünscht bezeichnet und gehemmt, anstatt gefördert wird. DIE NATIONALISIERUNG DES BODENS UND DIE ARABERFRAGE Von Dr. S. So Maßgebend für den allgemeinen Ruf nach der Nationalisierung (des Biodens in Palästina ist in erster Linie der Wunsch, die Bodenspekulation, den Wucher mit der unvermehrbaren Ware „Boden“ unmöglich zu machen. Es ist ein naheliegender Gedanke, daß das erste Ergebnis der beginnenden Erschließungsarbeit in Palästina eine noch nie dagewesene Preissteigerung des Grund und Bodens sein wird, ja, daß die Wertsteigerung schon einsetzen Wird, bevor mit dem Aufbau Palästinas begonnen wind, indem gewissermaßen eine Diskontierung der durch die Arbeit der Allgemeinheit k i n - Hamburg. noch zu schaffenden geordneten Zustände durch die gegenwärtigen Landbesitzer erfolgen würde. Daß diese Preissteigerung des Grund und Bodiensi eine ganz außerordentliche sein muß, geht aus der einfachen Ueberlegung hervor, daß Palästina durch die von uns geplanten öffentlichen Werke, wie Eisenbahn-, Straßen-, Hafenbau usw., in möglichst kurzer Zeit aus dem Zustande der türkischen Verwahrlosung in den der europäischen Kultur übergeführt werden soll. Wohl nirgends sonst in der Welt Iwirö die Wertsteigerung des Bodens so handgreiflich das Ergebnis der Tätigkeit des das Land