Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1919)
- Date
- 1919-07-31
- Page
- Seite 967-968 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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967 VOLK UND LAND 068 der hinlänglich bekannten Verkehrsverhältnisse Palästinas ist es aber wirtschaftlich unmöglich, Steine von Ramleh, das etwa 30 Minuten Bahnfahrt von Jaffa entfernt ist, in Tel Awiw zu verwenden. Der Bahntransport ist unerschwinglich, und auch der Kameltransport rentiert sich nur auf geringere Entfernungen; zudem ist dieses Transportmittel in der Zeit der Orangenernte nicht zu haben. So ist man in Jaffa gezwungen, seine guten Bausteine per Schiff bis aus Latakieh und Cypern zu holen. Leider hat man sich aber wegen der Umständlichkeit dieses Weges daran gewöhnt, ein völlig unzulängliches Material, das nur den einen Vorteil hat, leichter erreichbar Zu sein, zu verwenden. Für einen weitsdiauenden Unternehmer wäre es ein Leichtes und ein geringes Wagnis, einen eigenen Steinbruch zu eröffnen und die Ausfuhr durch Förderbahn oder Lastauto zu bewerkstelligen. Viele weitere Beispiele könnten autgeführt werden. Die Handwerkerfrage könnte von einer großen Firma leicht gelöst werden. Diese würde dauernd einen Stamm tüchtiger Leute halten — fehlende nötigenfalls herbeiziehen — weiche sie durch geeignete Disposition so ansetzen könnte, daß einerseits die Bauarbeiten in der gewünschten Weise ineinandergreifen, andererseits die Arbeiter ihre ununterbrochene Beschäftigung haben. Die Qualität der Bauarbeiten und somit dem Interesse des Bauherrn würde auf diese Weise sehr gedient. Nur eine solvente Firma ist in der Lage, Kontrakte abzuschließen, und für deren Innehaltuing zu haften, gegebenenfalls Konventionastrafetn zu zahlen. Erst hierdurch erhalten Kostenanschläge und Rentabilitätsberechnungen einen praktischen Wert. Der Gefahr, daß die Bauunternehmung den Ausschluß der Konkurrenz zur Erzielung übermäßiger Gewinne ausbeutet, kann dadurch begegnet werden, daß man ihr eine gemischtwirtschaftliche Betriebsform gibt. Im Aufsichtsrat ist das anfangs genannte nationale Organ, sowie die Bauauftraggeber vertreten. Das Verhältnis des Unternehmergewinns zu den Preisen läßt sich durch Statuten regeln, und die effektive Höhe des Gewinns begrenzen. Die Ueberschüsse können wieder den Auftraggebern zugute kommen, sei es prozentual zu den Bausummen direkt oder durch Ermäßigung der Einheitspreise; sei es, daß man daraus Fonds zur Errichtung öffentlicher und gemeinnütziger Gebäude bildet. Der Einwand, daß schwächere im Baugewerbe tätige Existenzen, erdrückt werden, oder daß einige Existenzmöglichkeiten hintangehalten werden, ist unzutreffend. Sofern die betreffenden Tätigkeiten nötig un;d nützlich sind, .werden sie auch fernerhin ausgeübt werdenf müssen, und die Träger derselben werden auch (durch'die Großunternehmung zu ihrem Rechte kommen, teils als Lieferanten, teils als Angestellte. Schmarotzer des Wirtschaftslebens aber werden auf diese Weise ausgemerzt. Wenn die Gründung unserer Siedlungen durch eins nationales Organ erfolgt, wenn die künstlerische Gestaltung Von Stadt und Haus in einer berufenen Hand hegt, und wenn endlich für eine leistungsfähige Bauausführung gesorgt wird, so sind wir voll berechtigt zu erwarten, daß unsere Kolonien Heimstätten werden, in denen wir uns wohl und glücklich fühlen, und daß sie der Nachwelt ein Denkmal des Geistes unserer Bewegung sind. DIE VERWIRKLICHUNG DES ZIONISMUS (Nach Joe Levys phonographischem Bericht.) Von Theodor Herzl. (Schluß). Die Veranstaltung'war nicht schwer. Ich warb den ersten Beamten eines großen englischen Reisebüros an, sagte ihm mein Vorhaben, und in vierzehn Tagen legte er mir alle Kosten Voranschläge, Vertragsentwürfe und Pläne* vor. Von einer italienischen Schiffsgesellschaft mietete ich auf den Vorschlag des Reisernarschälls (den eleganten modernen Dampfer „Futuro“, der Zwischen Neapel und Alexandrien zu verkehren pflegte. Das Schiff sollte am fünfzehnten März in Genua bereit sein und uns durch sechs Wochen (zur Verfügung bleiben. Ferner ließ ich durch Iden Reisemarschall die Verpflegung von fünfhundert Passagieren in den besten Hotels der italienischen, ägyptischen, kleiniastatischen und griechischen Städte versorgen. Die Mitfahrenden konnten nach Belieben in Genua oder Neapel den Futuro besteigen. Ihre Billete gaben ihnen das Recht zur Fahrt auf allen italienischen Bahnen und zum Aufenthalt in den ersten Hotels. Aeußertich nahm sich die Expedition wie eine der schon damals gebräuchlichen Vergnügungsreisen nach dem Orient aus. Es war aber mehr. Die Damen und Herren, die wir eingeladen hatten, auf dieser sediswöchentlichen Frühlingsfahrt nach dem Morgenlande unsere verehrten) Gäste zlu sein, gehörten zum erlauchtesten Geistesadel der Kulturwelt. Ein Komitee von Schriftstellern und Künstlern war eingesetzt worden, um die Liste dieser Ehrengäste zu entwerfen. Die Besten ,aus aller Welt wurden gerufen, selbstverständlich ohne Unterschied von Nationalität und Konfession. Die Besten wurden gerufen, und sie kamen gerne, nicht nur weil, wir ihnen eine helle Frühlingsreise versprachen, sondern vor allem, weil es eine so einzige Zusammenkunft mit ihresgleichen war. Auf dem Futuro trafen sich Dichter und Philosophen, Erfinder und Entdecker, Forscher und (Künstler aller Zweige, Staatsgelehrte, Volkswirtschafter, Politiker und Journalisten. Für Körper und Geist war in reichlichem Maße vor gesorgt. Der Reise marschaU hatte den ganzen Luxus, den die besten Geselischaftsausf 1 üge der damaligen Zeit bieten konnten, verschafft. Die Gäste des Futuro sollten in diesen sechs Wochen das Glück der wolkenlosen Tage erfahren. Von der Musikkapelle, welche Izlur Tafel aufspielte, bis zur täglich am Morgen ausgegebemen Bordzeitung war nichts vergessen. Und daßi es dieser im Schiffsräume gedruckten Zeitung (an fesselndem Inhalte nicht fehlte, das ergab sich schon aus der Zusammensetzung der Reisegesellschaft. Es war viel Küstenfahrt, und in allen Häfen warteten schon die neuesten Depeschen aus der ganzen Welt auf den Futuro. Wenn das Schiff nachts auf einer Reede angelegt hätte, fand man die dort erhaltenen Depeschen am nächsten Morgen im Blatte. Aber viel köstlicher war dter literarische Teil. Denn die Vorgänge und Erlebnisse des Tages wurden von den feinsten Federn geschildert. Namentlich erschienen in der Bordzeitung von Tage zu Tage, wie sie gehalten worden, die später berühmt ge-