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Volk und Land · 1919-07-31 · Heft 31 (31.7.1919) · p. Seite 965-966

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 31 (31.7.1919)
Date
1919-07-31
Page
Seite 965-966 (sequence 7)
Language
German
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965 -- 7~7xz7r1 1., , , ■ ,-== VOLK UND LAND -tt .■ .■ —^Q66 kam, tobte ob dieser vermeintlichen Raum- und Geldverschwendung: er hätte in den größten Städten Balkons von winzigen Abmessungen gesehen, und so hätte er es auch heben wollen. Erst nach und nach heiterte sich sein gramdurchfurchtes Antlitz auf, als er dahinterkam, daß in seiner Halle doch gut Sein war. Aber auch' bei gebildeteren Auftraggebern wird es an Verständnis für die durch anderes Klima und veränderte Lebensführung gewandelten Wohnbedürfnisse fehlen. Jeder wird die für sein Heimatland zutreffenden Vorstellungen mitbringen. Hier muß der Architekt belehrend und beratend eingreifen. Diesem Mangel an Verständnis ist zum Beispiel der in Tel Awiw aufgetretene „Ueberlidhtungswahn“ — sit venia verbo — zuzuschreiben. Während in unseren Breiten^das übliche und ausreichende Maß der Glasfläche bei Fenstern 1/9 bis V12 der Bodenfläche des Raumes beträgt, verlangt man dort unbegreiflidierweise ein Vielfaches von diesem Maß, obwohl man mit einer erheblich größeren Intensität und Dauer des Tageslichts zu rechnen hat. Zudem werden Wände, Decken und Böden grundsätzlich! hell gehalten. Hierdurch wird eine in zwiefacher Hinsicht schädliche Wirkung hervorgerufen. Einerseits zerstört die Ueberfülle von Lichtstrahlen alle Gewebe wie Vorhänge, Gardinen, Teppiche und Möbelbezüge, so daß man. sie meist bei der Innenausstattung der Räume, sehr zum Schaden der Behaglichkeit, gänzlich fehlen läßt, andererseits läßt eine so übermäßige Lichtflut durchaus keine gesammelte und ruhige Gemütsstimmung aufkommen; und außerdem wird auf diese Weise die Temperatur sehr unerwünscht gesteigert. Das Studium der veränderten Wöhnbedürfnisse, sowie der Möglichkeiten ihrer Befriedigung und der dazu geeigneten Mittel ist eine weitere Kulturaufgabe, die des Architekten wartet, und die nur mit tüchtigen' Fähigkeiten gelöst werden kann. III. Von dem Entwurf des Architekten, von der aut 'dem Papier festgehaltenen, bis in die Einzelheiten durchdachten Bauidee, bis zur Vollendung ihrer Uebertragung in die materielle Erscheinungsform dehnt sich ein weiter Weg, der reich ist an Schwierigkeiten der verschiedensten Art. An ihrer Bewältigung ist der Architekt nur in beschränktem Maße beteiligt. Was etwa für den Schriftsteller der Verleger, mehr noch für den Dramatiker der Theaterdirektor, das ist für den Architekten der Bauunternehmer. Von diesem Faktor ist es zum großen Teil1 abhängig, ob und wie die Wünsche des Bauherrn und des Architekten in Erfüllung gehen. Solidität und Wirtschaftlichkeit des Bauwerks sind durch seine Leistungen bedingt. Die bisher in Palästina übliche Methode, die ein Mittelding zwischen eigener Regie des Auftraggebers und Kleinunternehmung unter Vorherrschen der Akkord Vergebung war, ist nicht entwicklungsfähig und1 vor allem durchaus ungeeignet, fortschrittliche Baumethoden einzuführen. Eine große Rolle spielt hierbei die Unzulänglichkeit der Rechtsverhältnisse. Baukontrakte sind, weil man ihre Innehaltung nicht erzwingen kann., so wertlos, daß man gemeinhin ganz auf sie verzichtet. Die Folge ist, daß ein Unternehmer den anderen unterbietet, mit dem Hintergedanken, nachträglich doch höhere Preise herauszuweinen, was ihm immer gelingt. Kostenanschläge und Rentabilitätsberechnungen sind somit ganz unzuverlässig. Was an der Qualität der Arbeit und der Materialien gesündigt wird, ist traurig. Der Hauptschädling ist der sogenannte „Aufpasser“, der des Bauherrn Sachwalter sein soll, und von diesem nach Prozenten der Bausumme abgefunden wird. Nichtsdestoweniger ist es zum Landmißbrauch geworden, daß dieser Biedermann auch von den Lieferanten Vergütungen bezieht, welche dieser seinerseits wieder durch Minderlieferungen einholt. So wird jeder Sparren, der mit einem Querschnitt 7 14 cm projektiert, bestellt und bezahlt wird, eo ipso 6X12 cm geliefert. Der Architekt, der diesen Kniff nicht kennt, kommt in die unangenehmsten Lagen, und der Bauherr ist .nochmals geschröpft. Ist er nicht gewillt oder in der Lage, die Bausumme beliebig anschwellen zu lassen, so ist er gezwungen, an der Qualität der weiteren Ausführung zu sparen. Es bedarf keines Nachweises, daß die Klein Unternehmung überhaupt unwirtschaftlich ist. Sie kann keine Hilfsmaschinen, wie Aufzüge, Betonmischmaschinen und dergleichen Vorhalten. Die Beschaffung von Baumaterialien in geringen Mengen ist teuer. Die einzelnen Ausführungsarbeiten greifen nicht flüssig ineinander, weil für jede neue Arbeiter angeworben werden müssen. Und vor allem besitzt der Kleinunternehmer weder den E lick noch die finanzielle Freiheit, das mit der Erprobung und Einführung neuer Baumethoden und -Materialien verbundene Risiko Zu übernehmen. Meine Versuche, bessere, bisher in Palästina unbekannte Fußbodenbeläge und DaClideckungsmaterialien — zwei brennende Fragen — einzuführen, stießen aus diesen Gründen auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Man sieht aus ,dem wenigen Angedeuteten, daß ein Systemwechsel in der Bauausführung eine unerläßliche Bedingung für die Gesundung des Bauwesens ist. Man könnte leicht auf die Methode der Bauvereine und ähnliche Genossenschaften, wie sie z. B. gewisse Beamtenwohnungsvereine sind, verfallen. Die Erfahrungen sprechen dagegen. Das mangelhafte Interesse der leitenden Beamten und die durch ihre Verantwortlichkeit bewirkte Beengung in Geschäftsführung und Disposition läßt, wie bei fast allen derartigen Genossenschaften, den Erfolg hinter den an sich begründeten Erwartungen Zurückbleiben. Ueberdies ist es mehr als zweifelhaft, ob die in Frage kommenden Kreise die für derartige Institutionen erforderliche Reife haben. Das klägliche Ende des Tel Awiwer Konsumvereins spricht für das Gegenteil. Alle Unzulänglichkeiten und Mißstände, weiche mit den erwähnten Unternehmungsformen verknüpft sind — sie erschöpfend zu behandeln, fehlt der Raum — fallen fort für finanziell gut fundierte Großunternehmungen, deren Leiter über gründliche Kenntnisse der Landesverhältnisse verfügen und in ihrer’Persönlichkeit eine Gewähr für solide Geschäftsführung bieten. Ueberträgt man einer^ derartigen Firma in einer Form, die noch zu behandeln sein wird, den Aufbau einer ganzen Kolonie oder größerer, zusammenhängender Teile einer solchen, so wird man, wie ja auch die Erfahrung in Europa allgemein gelehrt hat, die solideste Ausführung bei den mäßigsten Preisen erzielen. Es seien auch hier nur einige kleine Ausschnitte der Perspektive gegeben, die ein derartiges Verfahren eröffnet. Palästina ist überreich an Baustoffen der verschiedensten Art, insbesondere an sedimentären Natursteinen von gutem Aussehen und hoher Druckfestigkeit. Das judäische Gebirge bis in seine Ausläufer liefert solche; Ramleh, an ider Bahn Jaffa—Jerusalem, ist der Fundort eines vorzüglichen Materials, während die Küstenstriche, und so auch die Umgegend von Jaffa, jeglicher geeigneten Bausteine entbehren. Infolge

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