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Volk und Land · 1919-07-17 · Heft 29-30 (17.7.1919) · p. Seite 953-954

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 29-30 (17.7.1919)
Date
1919-07-17
Page
Seite 953-954 (sequence 33)
Language
German
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053 , ■■■ ■ ■ . VOLK UND LAND =—^ - ■ -■- 054 Haifa, in der sich voraussichtlich, wie in Jaffa, die jüdische Handelswelt niederlassen wird, sind für Errichtung solcher Wohnviertel geeignet. Hebron und Safed, die auf einer Anhöhe liegen, und ein gutes Klima haben, sowie Tiberias, das für den Winteraufenthalt geeignet ist, suchen nach Möglichkeit den Niedergelassenen komfortable Wohnstätten zu bieten. Wir beabsichtigen daher, auch dort den Verein „Bajith-Wegan“ zu gründen. Die Wohnviertel werden in je 300—500 Nummern eingeteilt werden. Jede Nummer enthält 2i/2 JEiunam Boden, wovon 25 »o dem Verein überlassen werden zur Errichtung von öffentlichen Anstalten, wie: Synagoge, Schulen, Gemeindehaus, öffentliche Anlagen, Brunnen usw. und nicht als Privateigentum des Mitgliedes verbleiben. (1 Dungm — 900 Quadratmeter.) Der Boden wird gegen 1000 Frcs. kosten. Da man große Wohnviertel errichtet, ist die Möglichkeit vorhanden, den Boden billig zu kaufen. Auch im Anslande wohnende Juden können durch Vermittlung der Misrachi-Organisationen Mitglieder werden. 500 Frcs sind sofort einzuzahlen und der Restbetrag beim Kauf des Bodens. (Gegenwärtig ist der Bodenkauf in Palästina, verboten, um der Spekulation entgegenzuwirken.) Der Bau eines Hauses mit Garten wird wohl auf ca. 10000 Frcs. kommen. Sichere Angaben fehlen, da die Material- und Arbeitspreise noch nicht festzusetzen sind. Die Misrachi-Landesorganisation in Jaffa wird auf Wunsch für die im Auslande wohnenden Juden Häuser herstellen. Der national-religiöse Charakter wird dem Wohnviertel durch die öffentlichen Bauten aufgeprägt. Universitätsvoilesungen über Palästina Die Universität von Liverpool hat, wie das Kopenhagener Zionistische Büro mitteilt, für die Monate Mai und Juni einen Sieben Vorlesungen umfassenden Kursus über Palästina vorgesehen. Prof. R. H. Roxby wird über „Die Physikalische Geographie Und Raum-Verhältnisse in Palästina“, sowie über „Die ökonomischen Aussichten Palästinas“ lesen. Der Bischof von Warrington wird „Die Ursprüngliche jüdische Besiedlung und die Entwicklung Palästinas“ behandeln. Prof. R. C. Bosanquet liest über „Der Kontakt Palästinas mit dem Westen“ und Herr H. K. Seltern über „Der Islam im Palästina“. Herr Bertram B. Benas hält Vorlesungen über „Der Wiederaufbau Palästinas durch die Juden“ und „Die politischen Aussichten Palästinas“. SOZIALES Ausschaltung des Unternehmertums*) Die Judenfrage ist so alt wie das Galuth. Sie ist keine religiöse, denn wir sehen die Angehörigen der andern Konfessionen friedlich miteinander hausen; sie ist keine soziale, denn Juden jeden Bildungsgrades und jeder wirtschaftlichen Stufe haben von der Umwelt zu leiden. Die Judenfrage ist eine nationale Frage. Fast meint man, diese Grundwahrheit, deren Erfüllung Aufgabe des Zionismus ist, sei vergessen. Angesteckt von der Zeitpsychose füllt man die Spalten unserer Presse mit verfrühten sozialen Debatten, und es rät soweit gekommen, daß eine kleine, laute Partei versucht, die uns notwendigsten Elemente zu diskreditieren. Statt zu versuchen, unternehmende und wohlhabende Leute zur Uebersiedehmg nach Palästina zu *) Wir geben diese Ausführungen wieder, benutzen aber die Gelegenheit für diesen Fall im besonderen und für die Veröffentlichungen von „Volk und Land“- im1 allgemeinen zu erklären, daß sich die Schriftleitung mit den Ansichten der Autoren nicht durch den Abdruck identifiziert. Sämtliche Beiträge des Herausgebers und des Schriftleiters als solche sind namentlich gekennzeichnet. j animieren, reizt man öffentlich gegen sie auf, in denen! man nur Ausbeuter sehen will. Palästina ist ein kleines Land, die Juden sind ein großes Volk. Jahrzehnte lang hat man den Juden die Erlösung im Judenstaate versprochen. Soll das nur Gaukelspiel gewesen sein? Jeder Staat der bestehen will, braucht Unternehmer; erst recht ein Land, das erst der Entwicklung entgegengeführt werden soll. Handelt es sich aber, wie in unserm Falle, um die Verpflichtung der Erlösung eines 15-MillionenVolkes auf kleinem Territorium, dann müssen alle Register gezogen werden, uro zur Erfüllung zu gelangen. Intensivste Wirtschaft muß das Ziel, Förderung des Unternehmungsgeistes das Mittel sein. Oder soll Palästina wirklich nur, und das erst nach einem Menschenalter, einem Fünftel des jüdischen Volkes vergönnt sein? Soll die große Mehrheit um ihre Hoffnung betrogen werden? Dann war es nicht nötig, den nationalen Stolz zu erwecken, die Sehnsucht nach dem Lande der Väter von neuem in uns aufflammen zu lassen; dann üätte man besser getan, Taufe und Mischehe zu propagieren! Für 15 Millionen Juden muß Raum im Lande geschaffen werden, und eine im wesentlichen landwirtschaftliche Wirtschaftsform, welche dies von vornherein ausschließt, hat daher keine Berechtigung bei uns. Für die weite russische Ebene und ihre gesitig zurückgebliebenen, dünn gesiedelten Einwohner mag sie zweckmäßig sein — bei uns gilt es, aus. der entwickelten jüdischen Intelligenz das letzte herauszuholen und statt der extensiven die intensivste Wirtschaft zu treiben. Das ist aber die Landwirtschaft und zumal der Körnerhau nicht. Jede Industrie, die eim'gen Erfolg verspricht (und es gibt deren viele) myß daher in Palästina versucht werden. Nur eine hochentwickelte Industrie kann die Möglichkeit in Aussicht stellen» das jüdisdie Volk — und das ganze hat Anspruch darauf — in Palästina unterzubringen. Zur Blüte kann aber die Industrie nur durch den ungehemmten Unternehmungsgeist gelangen, durch die durch nichts zu übertreffende Privatinitiative, die noch dort Wege aufspürt und Mut hat sie zu begehen, wo die mit größerer Verantwortung beladene Gemeinschaft vor steilen Mauern steht. Und noch eins ist zu beachten. Der Ackerbau stellt eine niedrige Stufe der Entwicklung dar. Schon vor Jahrtausenden hat man den Boden in ähnlicher Weise bearbeitet und seinen Ertrag für sich nutjhar gemacht. Das Ideal aller Güterproduktion ist möglichst geringes Ausmaß an Kraft und Raum. Beidem widerspricht der Ackerbau. Es wird daher das unablässige Mühen der unternehmungslustigen Chemiker des ganzen Erdkreises sein, Nahrungsmittel im Laboratorium herzustellen, welche die rohen Erdprodukte übertreffen. Ob sich noch eine Intelligenz in Palästina mit Könrerbau beschäftigen wird, wenn man. den Nährwert eines Waggons Weizen in einer kleinen Kiste aus Amerika beziehen kann, Ist nicht zweifelhaft. Doch mag dieser Gedanke auch verfrüht sein: Viel schneller wird der Wunsch nach Verfeinerung der Lebensformen und Hebung der Lebenshaltung den jüdischen Händen den Pflug entgleiten lassen, mag der Idealismus gegenwärtig auch noch so stark sein. Wie sagt Herzl? „Die Arbeit ohne Unternehmungsgeist ist die stationäre, alte; ihr typisches Beispiel die des Ackerbaus, der noch genau dort steht, wo sein Urvater vor tausend Jahren stand. Alle materielle Wohlfahrt ist durch Unternehmer verwirklicht worde n." Man hüte sich die Privatinitiative zu hemmen. Freie Bahn dem Tüchtigen! Ernst Baer. Jüdische Emigration Täglich wird es klarer, daß für die Juden Rußlands, Polens, Litauens, Rumäniensi und sogar der Ukraine weder mit dem Unterschreiben des Friedens, noch sogar mit der Aufnahme ‘von Garantien in die verschiedenen

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