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Volk und Land · 1919-07-17 · Heft 29-30 (17.7.1919) · p. Seite 955-956

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 29-30 (17.7.1919)
Date
1919-07-17
Page
Seite 955-956 (sequence 34)
Language
German
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055 VOLK UND LAND 056 Friedens vertrage vollständige Hilfe kommen wird. Der Judenhaß in Polen wird so rasch nicht schwinden und mag Paderewski es leugnen oder nicht, man wird dort stets Juden verfolgen, 'boykottieren und zur Emigration zwingen. Dasselbe wind wahrscheinlich auch in Rumänien und anderen Ländern der Fall sein. Außerdem; sind die Juden überall ökonomisch viel mehr als die übrige Bevölkerung ruiniert worden. Sie werden daher trachten, so rasch als möglich, auszuwandern. In großen Massen wird man nur nach Amerika emigrieren können, da Palästina in den ersten Jahren nur Tausende von Juden aufnehmen kann. Wir müssen also beizeiten daran denken, in Amerika Vorbereitungen für diese Emigration zu treffen. Man beabsichtigt jetzt, Amerika für die Einwanderung zu sperren; dagegen müssen wir anJcämpfen. Wir werden bei diesem Kampfe gegen ein vollständiges Verbot der Einwanderung viele Mitkämpfer finden. Der Schrecken vcr einer Krisis und Arbeitslosigkeit nach Friedensschluß ist geschwunden und man kann derzeit Amerika leichter überzeugen, daß ein Einwanderungsverbot ein Unglück für das Land bedeuten würde, abgesehen davon, daß es auch unmenschlich ist. Wir haben also jetzt mehr Hoffnung, mit unserem Verlangen durchizudringen, und dürfen diese Aufgabe nicht vernachlässigen. Unsere Vorarbeiten und Vorbereitungen für die Aufnahme der zukünftigen jüdischen Einwanderer sind beinahe ebenso wichtig wie unsere Hilfe für die Brüder jenseits des Ozeans, welchen wir behilflich sein wollen, in ihrer jetzigen Heimat zu bleiben und wieder selbständig yxi werden. (Der Tag, New York.) Der Wilnaer „Tog“ meldet: Der Direktor der ausländischen Abteilung der New York „Public National Bane“, S. Bergson, der Ende April. New York verlassen hatte, erklärte, daß Zehntausende von Juden sich in den Büros der erwähnten Bank nach den Möglichkeiten der Geldüberweisung an ihre Verwandten im Polen erkundigen. Etwa 40 000 Personen beabsichtigen auch, ihre Familien nach Amerika zu bringen. Diese Familien werden in drei Gruppen geteilt werden: Vorerst werden diejenigen die Einreisebewilligung für ihre Familien erlangen, die bereits amerikanische Staatsangehörige sind, dann kommen die Familien, derjenigen in Betracht, die im Besitze der ersten Bürgerdökumente sind und schließlich die übrigen Immigranten, die Verwandte ln den Vereinigten Staaten haben. jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiitniiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiwiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiii || . =— JÜEDISCHE VOLKSKUNDE Von den Balkanjuden „In der bisherigen europäischen Türkei leben heute etwa 200 000 Juden. Die große Masse davon in recht dürftigen Verhältnissen, viel dürftiger noch als die Juden im; Osten Europas. Die Armenviertel der Städte, die wir gesehen haben, heißt es in den Schilderungen der Delegierten, — die vielen Hunderte von Wohnungen der Armen, in die wir kamen, machen einen unbeschreiblich ärmlichen Eindruck. Wohnungen sind die armseligen Baracken kaum zu nennen. Hausgerät gibt es in den Wohnungen nicht. Eine hölzerne kleine Bude von wenigen Quadratmetern, notdürftig zusammengenagelt, das ist , die Wohnung für eine, manchmal auch für mehrere Familien. Als Ofen und Küche dient ein alter eiserner Topf, der mit Holzkohlen gefüllt wird und seinen Qualm mit den anderen übten Gerüchen der Stube vermengt. Als Lagerstätte dient der Fußboden. Am Kopfende ein kleines Kissen aus Stroh oder Heu; die Mahlzeiten werden ebenfalls auf dem Fußboden eingenommen. a Als Tisch gilt entweder der Fußboden selbst oder es wird ein Brett auf ein paar Klötzchen gelegt, und um diesen etwa 15 bis 20 cm hohen Tisch hocken die Einwohner beim Essen herum. — Noch ein Ausstattungsgegenstand, der selten in der Wohnung fehft, ist ein altes Tuch, nach Art einer Hängematte an der Decke befestigt, das ist die Wiege für ein ode'r manchmal auch zwei Kinder. An Stricken, die an dem; Balken befestigt sind, hängen dann noch, die dürftigen Kleidungsstücke und die noch dürftigeren Küchen- und Eßgeräte. Zu Tausenden findet man solche Wohnungen und in diesen Wohnungen dumpf hinbrütende Menschen. Der Balkanjude ist bedürfnislos, hat nicht die Energie, nicht den starken Auftrieb, der auch bei den ärmsten Juden des Ostens zu finden ist. Der Drang, seine Lage zu bessern, ist in ihm nicht so mächtig, daher ist auch die Auswanderung verhältnismäßig gering.“ Verantwortlich: Für die Redaktion C. Z. Klötzel; für die Inserate Fritz Scherbel, beide Welt-Verlag, Berlin NW 7. Druck von Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg,

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