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Volk und Land · 1919-07-17 · Heft 29-30 (17.7.1919) · p. Seite 941-942

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 29-30 (17.7.1919)
Date
1919-07-17
Page
Seite 941-942 (sequence 27)
Language
German
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941 VOLK UND LAND 942 Nein, es gibt noch ein drittes, das Sollende, das Gewollte. Was soll der Zionismus? — „D i e Judenfrage lösen!“ Das allein, ist Zionismus, — das ist nichts als Zionismus! Was darunter ist, möge rnan auch künftig „Minimalismuis“ nennen. Stimmen aus Palästina. „Mit allen Mitteln muß eine großzügige Volkseinwanderung möglich gemacht werden. — —; Es ist darin inochi so gut wie nichts getan, Immer herrschten in unseren Siedlung,sformen hausbackene Begriffe und Methoden. Unsere Maßstäbe waren zu klein und knickerig. Das miuß anders werden.“ Dies sind Worte aus der Eröffnungsrede, die Berl Katznelsohn auf der ersten Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter Judäas nach der Besetzung hielt. Sie steht im „Juden“ unmittelbar hinter dem „Dogma“ Schwadrons, und sie gehört dahin. In ihr wird von jener zweiten großen Aufgabe des Zionismus gesprochen, der die Judenfrage lösen will. Der Auszug aus dem Mizrajim des Galuth ist nur der erste Teil dieser Aufgabe, der zweite ist die, das Volk so in das Land zu führen, daß es Erez-Israel nicht nur füllt, sondern auch erfüllt, daß das Volk dem Lande und das Land dem Volke wirklich Erfüllung bringt. Die Wege zu zeigen, die zu solchem Ziele führen, fühlt sich die Arbeiterschaft Palästinas berufen. Katznelsohn weist auf die Stellung des Arbeiters hin, wie sie sich im palästinensischen Leben entwickelt hat, wie ihm die Gegenwart alles versagt hat, umidi wie ihm die Zukunft trotz aller Verheißung voller Wolken hängt. Die Arbeiter Palästinas, die ihr Werk so ganz von innen heraus, so völligaus eigener Willenskraft aufgebaut haben, lassen sich von den „großen politischen Erfolgen“ nicht blenden. Sie verkennen ihren Nutzen nicht, — aber sie sehen auch ihre Gefahren. Sie mißtrauen diesem, „neuen“ Zionismus, dieser in wenigen Wochen sich vervielfachenden Zahl von „Gesinnungsgenossen“ in aller Welt, die, falls sie nur eine Ahnung von der währen Gesinnung Palästinas hätten, sicherlich keinen Genuß daran verspürten. Wo der bürgerliche Zionismus der Diaspora den Sieg sieht, sehen sie den neuen Kampf: den Kampf ihres palästinensischen Arbeiterzionisnurs gegen den Pariser Zionismus der frisch bekehrten Bürgerlichen. Der „alte“ Zionismus war ihnen ein vertrauter Feind, — der neue ist ihnen unheimlich. Angesichts dieser Gefahren, „die umso größer werden, je mehr sich der Horizont weitet“ — spacht Katznelsohn das aus, was dem Zionismus bei uns immer wieder gesagt werden muß; „Der palästinensische Arbeiter, wie er bis heute in Palästina lebte, wird in naher Zukunft nur eine Minderheit im Lande sein, — aber die aktive Minderheit, die die Zukunft trägt.“ Der Stamm, der bereits drüben ist, wird) alle erziehen, die hinüberkommen werden. Und er wird sie alle mit dem erfüllen, was ihn selbst ganz aitsfüllt, mit der Sehnsucht nach Erlösung, mit dem Streben nach freier und befreiender Arbeit! Es sollte auf jeden Zionisten tiefen Eindruck machen, wenn er liest, wie diese palästinensische Arbeiterschaft es ablehnt, die nationale Frage zu lösen, ohne gleichzeitig die soziale zu erledigen. „Die haben gut reden, denen das zweite (das soziale) Problem kein Problem ist. . . . Was sollen wir tun, wenn in unserrn Leben eine Frage mit der andern so verwachsen ist, daß sie gamicht von einander zu trennen sind? Wenn die nationalen Bestrebungen sich im Leben verwirklichen, können sie nie neutral ohne soziale Inhalte bleiben.“ Es gibt bei uns immer noch genug •Leute, die glauben, man dürfe das aufzubauende Werk nicht „belasten“, in dem man es mit der sozialen Fräge kompliziert. Die Arbeiterschaft Palästinas mahnt uns, dessen eingedenk zu sein, daß die stärkste Gefährdung des Aufbaus darin liegen würde, daß man glaubt, die nationale Frage erst, und dann, — vielleicht, — die soziale Frage lösen zu können. Es sind dieselben Menschen, in denen die soziale und die nationale Frage zu einer untrennbaren Einheit als Lebensnotwendigkeit nach Entscheidung drängt. Wenn man die Anklagen liest, die Katznelsohn gegen den „amtlichen“ Zionismus erhebt, gewinnt man den Eindruck, daß in Palästina nicht etwa schon um letzte Entscheidungen des sozialen Lebens gekämpft wird, — wie in den revolutionierten Ländern Europas, — sondern daß es dort noch an der primitivsten sozialen Hilfe fehlt. „Die Hebung der Landwirtschaft ist für den Landarbeiter und seine Zukunft ebenso sehr eine Lebensfrage, wie die soziale Neuordnung.“ — „Nicht nur die landwirtschaftliche Hilfe fehlt uns, auch für die menschliche Gesundheit ist herzlich wenig getan worden.“ Der Mangel an Großzügigkeit, der Charakter der Kleinkrämerei lastete bis heute schwer auf dem Jischuw. Die Frage, wie es in Zukunft werden soll, hat Berechtigung gegenüber einer Leitung, die ehrlich „Maximales“ leisten mag, die aber bedauerlicherweise ihre Maßstäbe nicht da sucht wo sie allein zu finden sind: im Bedürfnis des Volkes. Möglich, daß Palästina, „zu klein“, unsere Mittel „zu gering“ sind. Aber wenn, wir uns nicht auf den Standpunkt stellen, daß solche „Erkenntnis“ nicht unser Wollen beeinflußen darf, werden wir weder die nationale, noch die soziale Frage lösen. Weder nebennoch nacheinander. Araberfrage und sozialer Aufbau. Auf die Zusammenhänge zwischen, der sozialen Frage und dem Araberproblem weist ein. Artikel des Palästinaheftes der Zeitschrift des deutsehen Hapoel-Hazair „Die Arbeit“ hin. Amimiel Maccar legt darin dar, daß die restlose Lösung der Araberfrage, d. h. eine Lösung, die sowohl der Forderung der „jüdischen Arbeit“ gerecht wird, als die Araber mit der jüdischen Nachbarschaft aussöhnt, nur in der Sozialisierung des Bodens zu finden ist. Man muß „eine solche Wirtschaft errichten, in welcher das Privatkapital und der Privatunternehmer ausgeschaltet werden; in welcher z. B. jeder nur soviel Land bekommt; als er allein oder genossenschaftlich bearbeiten kann, und das er zu bearbeiten verpflichtet ist, ohne Hilfe von gemieteten Arbeitskräften; in welcher jeder soviel vom! Ertrage bekommt, als seinen Bedürfnissen entspricht, wobei umso mehr Bedürfnisse umso reichlicher werden befriedigt werden können, als Güter geschaffen werden.“ Das schmeckt zwar so, wie es da steht, etwas nach sozialistischer Bücherweisheit, trifft im Wesentlidhen aber doch wohl den Kern der Sache. Dem Araber muß wirtschaftliche G 1 ei ch ber echt i g u ng werden; nicht eine theoretische, unbrauchbare, sondern eine, die es nicht nur dem Namen nach ist. Man darf ihm nicht sagen: „Du darfst in Palästina auch kapitalistisch wirtschaften“, — wozu ihm jede innere Anlage und die meisten äußeren Bedingungen fehlen. Gibt man ihm aber, — unter Ausschaltung der kapitalistischen Wirtschaftsform auch auf jüdischer Seite, — die Möglichkeit eines wirklich freien Wettbewerbs, so dürfte damit die AraWrfrage einen großen Schritt ihrer Lösung näher kommen. In jedem Fall ist auch sie in hohem Grade soziale Frage. Auf die eingehende Argumentierung Maccars kann hier weder referierend) noch kritisch eingegangen werden. Man lese sie an Ort und Stelle nach; das Palästinaheft der Arbeit enthält eine Reihe weiterer sehr lesenswerter Aufsätze von Buber, Gordon, Höflich, Arfosoroff n. a. m. C. Z. K. *

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