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Volk und Land · 1919-07-17 · Heft 29-30 (17.7.1919) · p. Seite 929-930

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 29-30 (17.7.1919)
Date
1919-07-17
Page
Seite 929-930 (sequence 21)
Language
German
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929 930 VOLK UND LAND Selbstverständlich ist auch £in Nachprüfen nötig, und oft wird auch ein Bremsen erforderlich sein, aber wenn man vor lapter Pessimismus und vor lauter Bremsen und Nachprüfen gar nicht erst zu der erforderlichen Inangriffnahme großzügiger Arbeit kommt, so ist es schon besser, wenn die Korrekturen und die Verlangsamung sich aus der Tätigkeit selbst ergeben. * * * Es werden manche über die gelegentliche Form der Kritik sich entsetzen: Wie kann man einem Mann wie Ruppin in einer solchen Weise entgegentreten. Wäre es nicht richtiger und auch im besten Sinne wirksamer, wenn man Differenzen mit ihm hat, sie in allen Punkten in derselben ruhigen und akademischen Art vorzutragen, in der seine Ausführungen gehalten sind usw. usw. Solche Einwände werden immer ihr Publikum finden. Aber wie verhält es sich in der Tat? In Wirklichkeit ist es doch so, daß von hundert Lesern volle 99 an den Widersprüchen, Mängeln und offenkundigen Unsinnigkeiten des Ruppinschen Buches andachtsvoll vorbeilesen. Und wenn ich jetzt versuchen wollte, in einer ähnlich „akademischen“ Weise meine abweichenden Ansichten zur Geltung zu bringen, so hätten im besten Fall jene armen 99 anstatt eines Materials zwei Materialien zu lesen gehabt, ohne etwas1 von der Wirklichkeit der Dinge zu spüren. Solchen gelehrten Methoden ist — wenigstens bei unserm Publikum — in akademischer Form eben nicht be izu komme n: hier hilft nur die Mobilmachung des Gelächters — "des Lachens als „ultima ratio“. * * * Wer es nicht glaubt, der mag sich die anderen Beurteilungen ansehen, die Oettinger» und Ruppins Darstellungen gefunden haben und noch finden dürften. Ich war schon gezwungen daraut hinzuweisen, wie Ruppin das Oettingersche Buch als „das Gediegenste“ bezeichnet hat, was bisher auf dem Gebiet der jüdischen Kolonisation veröffentlicht worden ist, wie Franz Oppenheimer diese konfuseste aller bisherigen Leistungen als „gut und klar“ gepriesen hat usw. usw. Und jetzt haben wir uns auf die offiziellen Würdigungen von Ruppins Buch gefaßt zu machen. Eine Probe haben wir bereits in der Wiener „Jüdischen Zeitung“. Dort schreibt Adolf Böhm (wie es sich gehört im Leitartikel): „In Dr. Arthur Ruppin hat die zionistische Organisation den providentiellen Mann für die Leitung der zionistischen Palästina-Kolonisation gefunden.“ Mit diesen Worten begrüßte die „Jüdische Zeitung“ schon im Jahre 1908, als Ruppin die Leitung des Palästina-Amtes übernahm und die praktische Tätigkeit der zionistischen Organisation inaugurierte, seine Berufung. Seine Arbeit seither hat diese Begrüßung voll gerechtfertigt. Keinen Berufeneren kann es deshalb geben, heute, wo der Zionismus freie Bahn erhält, seine Ideen voll zu verwirklichen, den Plan dafür zu entwerfen. Er tut dies in seinem soeben, erschienenen Werk: „Der Aufbau des Landes Israel“. Man schlägt es auf .und all der Nebel, der aus uferlosen Debatten und verantwortungsloser Projektenimacherei aufgestiegen war und uns den 'Ausblick für das zu erreichen Mögliche und für das Tun notwendige genommen hatte, zerreißt. Wir stehen auf festem Boden, in durchsichtiger Atmosphäre und sehen klar. Das Buch zeigt all jene Vorzüge, dSe wir an Ruppin stets bewundert hatten. Der strenge Wissenschaftler und zugleich eminente Praktiker, der wie kein Zweiter die gesamte Materie beherrscht, ist zugleich der Mann des klarsten kritischsten Urteils und der schöpferische Geist, der die festen Pläne für die Zukunft entwirft . . . Man sieht: Wenn die Kolonisationsfrage sich mittels Weihrauchs lösen ließe, würde der Böhmscfie Weihrauch allein genügen. Mit großer Bravheit geht er auch auf alles ein, was Ruppin an Ballod auszusetzen hat. Dessen Berechnungen sind auf einmal „Konstruktionen“, „im luftleeren Raum entworfen“ usw. Von Rechts wegen hätte zwar Böhm, der doch auch Oettinger bedingungslos anerkennt, in dieser Hinsicht vorsichtiger sein sollen, da doch Oettinger — aut landwirtschaftlichem Gebiet noch mehr Fachmann als Ruppin — sich weitgehend und begeistert auf Ballods Standpunkt stellt. Aber auf so kleine Unstimmigkeiten kommt es Böhm nicht an. * * * Den maximalistischen 'Ruppin in allen Ehren. Er ist auf dem richtigen Wege. Auf dem Wege zu Trietsch; auf dem Wege zur Vernunft; auf dem Wege zur Verwirklichung des Zionismus. Aber um so schlimmer müssen wir mit dem minimalistischen Ruppin verfahren. Man könnte eine Wut kriegen, wenn mau sieht, wie dieser „providentielle Kolonisator“ neben den schönsten Anläufen zum Maximalismus zur Vernunft usw. (s. o.) wieder in die abgedroschensten und tollsten Irrtümer zurückverfällt. Aber Wut ist kein ästhetisches Schauspiel, und so wollen wir es lieber mit der Ruhe und der Heiterkeit halten, zu der er uns, wenn wir einen Augenblick die Schwere der Zeiten vergessen wollen, reichlich Veranlassung gibt. GEDANKEN UEBER HYGIENISCHE MASSNAHMEN ZU DER BEVORSTEHENDEN JUEDISCHEN EINWANDERUNG Von Dr. med. LamecSaad, ehern, kaiserl. öttom. Quarantänearzt. Aus Interesse und Anhänglichkeit an Palästina und seine Bewohner, mit denen mich ein 14jährigfer Aufenthalt im Lande selbst verknüpft, möchte ich zu der bevorstehenden jüdischen Masseneinwandenung in Palästina die folgenden hygienischen Maßnahmen anregen. Der Weltkrieg ist vorderhand zu Ende, mit ihm ist die Erfüllung der Sehnsucht des Judentums nach der Rückkehr in die Heimat ihrer Väter, wo „Milch und Honig fließt“, in greifbare Nähe gerückt. Das „Uebers Jahr in Jerusalem“ und die endliche (Anerkennung des jüdischen Volks als geschlossene Nationalität sollen nun Tatsache werden. Die Auswanderer werden aus allen Weltteilen und den verschiedensten Volksklassen stammen, insbesondere aber aus Rumänien, Rußland, Polen, Galizien, also gerade aus den Ländern, in denen die Volkshygiene viel zu wünschen übrig läßt und unter der jüdischen

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