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Volk und Land · 1919-07-17 · Heft 29-30 (17.7.1919) · p. Seite 925-926

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 29-30 (17.7.1919)
Date
1919-07-17
Page
Seite 925-926 (sequence 19)
Language
German
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925 VOLK UND LAND 926 Einordnung' dieses Systems in unser Aufbauwerk so weit vervollständigt zu haben, daß es auf ungefähr einer solchen Basis sowohl den arbeitsmäßigen wie auch den sozialen Erfordernissen unseres neuen Aufbaus entsprechen dürfte. Gewiß, auch Oettinger und Ruppin erwähnen die Arbeitsdienstpflicht, aber unter Modalitäten, die teils unzureichend, teils undurchführbar sind. Was soll man zu Oettingers Plan sagen, der seinen „'Freiwilligen der Arbeit“ im zweiten Jahre Kost und Kleidung bieten will — also im ersten Jahre nicht einmal das! Glaubt Oettinger wirklich, daß er zu solchen Bedingungen Leute bekommt? Glaubt er, daß die »Arbeit — auch Ungelernter — so wenig wert sein wird? Und daß unsere „Freiwilligen ihm das glauben werden? Welcher Rattenkönig von Denkfehlern! Dr. Elias Auerbach hat mir den fast unglaublich primitiven Einwand entgegengestellt, daß schon der Mangel an Wohnungen dazu zwingen müßte, Jede größere Einwanderung weit hinauszuschieben. Man braucht sich aber nur zu überlegen, daß schon 2 bis 3000 Bauarbeiter im Jahre wenigstens 20 000 kleine Einfamilienhäuser herstellen können, also, um monatlich an 2000 Familien oder 10 000 Personen unter ordentlichen und definitiven Behaiusungsverhältnissen einwandern zu lassen. Auch die Geldbeschaffung für den Hausbau hält Dr. Auerbach für besonders schwierig. Ich habe nie etwas davon gehört, daß er sich an Oettingers Beschaffung von 460 Millionen Francs gestoßen hätte, die jener zu 2 o/o weiterleihen will. Während bei einer großzügigen Haushauaktion angesichts der schon vor dem Kriege in Palästina üblichen Mietspreise von 10 °;o una mehr doch beispielsiweise eine 5 bis 6 °/oige Verzinsung sichergestellt werden kann — eine Rentabilität, die wohl jede ernstliche Schwierigkeit der Kapitalbeschaffung für diesen Zweck beseitigt! Es wäre sogar sehr vernünftig, wenn eine besondere Aktion dieser Art uns helfen wurde, die Frage der Baukosten zu einer bloßen Frage der Aufbringung der Miete und Amortisation zu reduzieren, die auch nicht die mindesten Schwierigkeiten hat, wenn wir sonst günstige Erwerbsverhältnisse voraussetzen dürfen, wie sie uns beispielsweise aus Oettingers Schema VI strahlend entgegenleuchten. Es ist dabei selbstverständlich nicht so, daß unsere Kolonisation mit einer längeren Bauperiode anfängt, nach der erst eine Einwanderungsperiode kommen darf, sondern Bau und Einwanderung fangen ungefähr gleichzeitig an und die Weiterentwicklung beider Tätigkeiten geht ebenfalls ungefähr gleichzeitig vor sich: Wobei wir gern — angesichts! des schon vor dem Kriege in Palästina aufgetretenen Wohnungsmangels — von vornherein den Bau möglichst stark forzieren werden, um die große Erleichterung, die in geordneten Wohnverhältnissen liegt, möglichst allen Einwanderern zu gute kommen. zu lassen. Während wir hinsichtlich der JEinWanderung- und Kolonisation sehr weit davon entfernt sind — in Anbetracht des ungeheuren Einwanderungsdranges — irgendwelche Propaganda zu machen, werden wir bezüglich der Bauberufe wahrscheinlich die einzige große Ausnahme zu machen haben und hier eine Einwanderung propagieren müssen, um die Bautätigkeit nach Möglichkeit stets um einen Schritt der Einwanderung voraus bleiben zu lassen. * * * Ruppins Anzapfungen wegen des Sonnenmotors habe ich auf dem Delegiertentag nicht mehr Gelegenheit gehabt zu beantworten. Schließlich hat auch die Zeit einer viertägigen Verhandlung nicht ausgereicht, und ein ausführlicherem Eingehen auf die Diskussion war mir daher versagt. In einem Schlußwort, für das mir nur 20 Minuten j zur Verfügung standen, habe ich neben dieser i Sonnenkraftfrage zu meinem besonderen Bedauern u. a. auch auf eine eingehendere Beleuchtung der Auerbachschen Argumentationen verzichten müssen. Was den Sonnenmotor betrifft, so hatte sich Ruppin vor allem daran gestoßen, daß der Motor nur im Sommer laufen würde, während wir eine kontinuierliche Kraft brauchen. Hier haben wir wieder ein Beispiel jener mießmacherischen a priori-Ablehnungsmanier. Zunächst sei festgestellt, daß wir in Palästina nicht nur im Sommer, sondern, von wenigen Tagen abgesehen, das ganze Jahr hindurch ausreichende Sonne haben dürften. Sollte dies nicht zutreffen und sollte der Sonnenmotor tatsächlich nur während der Sommermonate laufen, so würde er damit genau demjenigen großen Teil unseres Kraftbedarfs entsprechen, der mit der Be- Wasserung zusammenhängt, die wir ja nur im Sommer und nicht etwa während der sogenannten Regenzeit nötig haben. So kolossal verschieden sind die klimatischen Bedingungen zwischen Kairo (in dessen Nähe eine lOOpferdige Sonnenkraftanlage funktioniert) und unserm Ansiedlungsgebiet, das ja sogar ziemlich weit nach Süden reicht, doch nicht. Aber vor allen Dingen: die Fachleute una gerade die großen Techniker haben bereits das erste Auftauchen einer praktischen Verwendung der Sonnenkraft als den Beginn einer Umwandlung der industriellen Verhältnisse unseres Planeten signalisiert und sofort darauf hingewiesen, daß neben anderen sonnenstarken Ländern auch die Küstengebiete Syriens, Aegyptens und Arabiens für eine Iridustriealisierung auf Grund dieser neuen Kraftquelle in erster Linie in Betracht kommen dürften. Dabei ist dann freilich nicht auf die Bevölkerungsverhältnisse Rücksicht genommen worden. Da aber eine industriebegabte Bevölkerung sogar noch wichtiger ist als verfügbare Kraft, so haben wir eben in dem Zusammentreffen jüdischer Einwanderung mit den Möglichkeiten des Sonnenmotors, wie sie in Palästina gegeben sind, diejenige Kombination, die zu den besten Resultaten führen kann. Selbstverständlich habe ich nicht übersehen, daß der Sonnenmotor noch mancher Durcharbeitung bedarf. Von den beiden ersten bekannteren Abs1- #ührungsformen in Pasadena (Kalifornien) und M e a d i (bei Kairo) ist nicht zu erwarten, daß sie bereits einen Höhepunkt der Entwicklung darstellen. Hier eben ist meiner Ansicht nach ein besonderes Feld für den jüdischen Techniker gegeben. Es ist selbstverständlich Ruppin gern zuzugeben, daß der Sonnenmotor im SomUier besser tufen wird als im Winter. Aber weit davon entfernt, einen Schaden darin zu sehen, ist dieser Umstand doch viel eher geeignet, zum Ausgle ich der Kraftbedarfsschwankung zu dienen, die durch die sommerliche Bewässerungs-Notwendigkeit gegeben ist. Es! wird also nicht leicht sein, auf eine Argumentation zu kommen, deren genaues Gegenteil zutreffender wäre, als eS bei diesen Ruppinschen Bedenken der Fall ist. Uebrigens handelt es sich bei der Ausnutzung der Sonnenwärme nicht nur um Kraftgewinnung, sondern auch um andere Verwertungen, so z. B. für industrielles Kochen, und

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