Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 29-30 (17.7.1919)
- Date
- 1919-07-17
- Page
- Seite 901-902 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
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901 VOLK UND LAND 902 Lin Schweizer Ingenieur, ein Christ, der aus Begeisterung für den Zionismus zium Judentum übergetreten war und den Namen Abraham angenommen hatte, half ihm bei dieser Arbeit. Der bescheidene Fischer pflegte ihn immer als den eigentlichen geistigen Urheber des Werkes hinzustellen. Die ausgezeichneten Landkarten des englischen Generalstabs und namentlich die plastische Karte Armstrongs, die vom Palestine Exploration Fund herausgegeben werden, leisteten uns dabei unschätzbare Dienste. Um diese Zeit regte ich auch die Gründung der ersten Eisenbahngesellschaften an. Die armselige Linie Jaffa—Jerusalem konnte natürlich den kommenden Bedürfnissen nicht genügen. Die Küstenbahn von Jaffa südwärts nach Port-Said, nordwärts über Cäsarea, Haifa, Tyrus, Sidon, nach Beirut mit dem Anschluß nach Damaskus wurde vor allem gesichert. Es folgte die neue Linie nach Jerusalem, die Jordantalbahn mit den östlichen und westlichen Abzweigungen am See von Genezareth, die Libanonbahnen. Die Kapitalien wurden von Warszawski in Amerika und von Leonkin in Rußland aufgetrieben. Ich hatte Kämpfe mit meinem Direktorium wegen der Zinsengarantien. Man erklärte mich für tollkühn, weil ich die Rentabilität solcher Linien gewährleisten wollte. Ich setzte meinen Willen durch und behielt mit meinen Schätzungen 'Recht. Es war allerdings! eine Affaire von fünf Jahren, in denen ich nach und nach eine Linie um die andere durchdrückte. Heute ist das alles alte Geschichte, die Bahnen sind ja ins Eigentum der Neuen Gesellschaft über gegangen. Nächst den Transportfragen beschäftigte mich die des Zugviehs am meisten. Eine meiner Aufgaben war ja die Einrichtung einer sehr großen Landwirtschaft. Die Zugviehherden mußten nicht nur angeschafft, sondern auch nach Palästina gebracht und gefüttert werden. Ich hatte darüber manche sorgenvolle Unterredung mit Broxvnstone, in dessen Abteilung das fiel. Seine Vorschläge sagten mir nicht recht zu. Ich hatte ordentlich Angst vor dem Gedanken, Herden von vielen tausend Ochsen in den Donauländern anzukaufen und sie aut langsamen Land- und Wasserwegen hinüberzuschaffen. Brownstone drängte, es wäre schon die höchste Zeit, aber ich konnte mich lange nicht entschließen. Am sympathischsten war mir der Gedanke, Zugvieh aus Aegypten zu holen. Dagegen sprach auch manches. Während der ersten Wochen konnte ich mich nicht von London wegrühren. Aber einmal machte ich einen Sprung nach Deutschland, um mir den neuen elektrischen Motorpflug anzusehen. Ich war von dem Ergebnis geradezu begeistert. Den elektrischen Pflug rechne iCh zum allergrößten, was uns das neunzehnte Jahrhundert geschenkt hat. Heute ist der elektrische Pflug freilich viel praktischer, als er damals war. Aber schon in seiner frühen Form fand ich ihn ausgezeichnet. Ich kaufte augenblicklich den ganzen Vorrat der Fabrik auf, bestellte nach, was sie bis Februar liefern konnte und telegraphierte an Warszawsiki nach New York: „Kaufen Sie elektrische Pflüge Motorsystem zusammen, so viel Sie bis Februar bekommen können/* Er antwortete: „Werde sehen/* Als ich wieder in London eintraf, hatte ich seine Depesche: „Dreihundert Motorpflüge werden Mitte Februar in Jaffa sein/* Durch diesen Fund war ich von einigen Sorgen erleichtert. Es gab nach meiner Rückkehr aus Deutschland einen komischen Aluftritt mit Brownstone. Ich sehe noch' sein verblüfftes und beleidigtes Gesicht, als ich ihn in meiner Freude anschrie: „Mein Lieber, Sie sind überflüssig geworden — wir brauchen keine Ochsen mehr! . . /* Erst aus dem Gelächter der Umstehenden erkannte er das drollige Mißverständnis, ich bat ihn um Lutschuldigung und erklärte die Sache. Brownst nc jauchzte laut auf, und so taten die übrigen. Allerdings war unser Freund Brownstone auch jetzt nicht überflüssig geworden. Es gab roch reichlich für ihn zu tun, wenn er auch weniger Zugochsen aufzubringen hatte. Wir brauchten immer noch genug Pferde, Milchkühe, Schafe, Geflügel und entsprechende Futtervorräte für all das Getier Dieser Zwischenfall hatte sich bald nach Brownstones Rückkehr aus Rumänien abgespielt. Jetzt schickte ich ihn nach Holland, der Schweiz und Ungarn, um gutes Vieh einzukaufen. Statt der Ochsen mußten wir Uns nun Kohlen für die Pflüge besorgen. Das war die Sache RübenzL Damals war die asiatische Kohle noch nicht SO leicht erreichbar, wie jetzt, Rübenz deckte sich den voraussichtlichen Bedart an Kohle in England durch einfachen Depeschenwechsel. Innerhalb vierundzwanzig Stunden war das erledigt. Es war einer der glücklichen Momente, in denen einem der Kulturfortschritt fühlbar wird. Denn schon das hielten, wir damals für eine kolosisale Errungenschaft. Sie war es auch. Wir hatten damals noch nicht die Wasserkraft des Toten-Meer-Kanals. Heute brauchen wir ja nicht mehr die englische Kohle, um den Boden von Palästina zu pflügen. Auch das Lokomobil, aas am Feldraude stand, ist für uns eine altertümliche Erscheinung geworden. Wir haben jetzt unsere Drähte, in denen die Kraft vom Jordangefälle, vom Toten-Meer-Kanal oder von den Bächen des Libanon und Hermon weit übers ganze Land den Pflügen zugeleitet wird. Statt der Kohle haben wir das Wasser. Dies waren in großen Zügen meine ersten Vorkehrungen. Schon war abef die Maschine in Gang. Von Alladino kamen günstige Nachrichten über den Laridkauf. Steineck meldete, daß er im Monate März in Haifa eine Ziegelei nach neuem System und eine Zementfabrik eröffnen lassenwerde. Warszawski und Leonkin zeigten an, daß in den Ortsgruppen überall die vortrefflichste Stimmung herrsche. Brownstone und Kohn hatten sich bereits die Lieferung von Getreide und Vieh für das Frühjahr gesichert. Wir mußten aber nicht nur an die mittellosen Massen denken, sondern auch an die wirtschaftlich höheren Schichten, die nach Palästina gezogen werden sollten. Alut diese konnte nicht durch Arbeitshilfe oder direkte Unterstützung gewirkt werden. Es war eine andere Form der Anregung für sie zu suchen. Ich bediente mich einer Idee des Khedive Ismail von Aegypten. Wer sich verpflichtete, ein Haus im Werte von mindestens dreißigtausend Francs zu bauen, dem überließ Ismail das erforderliche Grundstück ohne Entgelt. So tat auch ich, bedang aber den Heimfall des Grundeigentums an die Neue Gesellschaft im fünfzigsten Jahre. Wir hatten ja beschlossen, das altjüdische Jubeljahr wieder einzurichten. Es ist bekannt, wie der Khedive durch seinen klugen Ratschluß die reizende Stadt Kairo entstehen machte. Die Wirkung war bei uns eine ähnliche. Kaum war diese Vergünstigung durch unsere Vertrauensmänner ausposaunt worden, so liefen auch schon die Bauanmeldungen aus allen Ländern massenhaft ein. Generalsekretär Wellner arbeitete nun in Gemeinschaft mit dem Chefingenieur Fischer eine Belehrung für die Baulustigen aus. Die Stadtpläne von Haifa, Jaffa, Tiberias und noch anderen Orten waren in großen Umrissen noch vor Steinecks Abreise festgestellt worden. Auch hatte unser Architekt mehrere Typen von schmucken Bürgerhäusern geliefert. Wir ließen