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Volk und Land · 1919-07-10 · Heft 28 (10.7.1919) · p. Seite 889-890

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 28 (10.7.1919)
Date
1919-07-10
Page
Seite 889-890 (sequence 17)
Language
German
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889 VOLK UND LAND 890 gehen. Prof. Dr. Engel aus Prag, dessen Verdienste in der Schul- und Flüchtlingsfürsorge nicht genug liuchgepriesen werden können, und Herr E. Waldmann, der von Dr. Srobar, dem bevollmächtigten Minister für die Slowakei in seiner Eigenschaft als Sekretär des Volksverbandes der Juden in der Slowakei zum Vermittler in jüdischen Angelegenheiten ernannt wurde, sind eifrig bemüht, zu retten, was für den Aufbau eines neuen jüdischen Gemeinwesens noch übrig geblieben ist. Die Palästinafrage im türkischen Friedensvertrag Dem Pressedienst der Delegation des Jüdischen Nationall-ates'für Ostgalizien wird aus Paris gemeldet: Das Projekt des türkischen Friedensvertrages enthält u. a. einen Abschnitt über Palästina, der fünfzig Paragraphen zählt. Nach diesem soll Palästina unter das Protektorat Großbritanniens gestellt werden, um dortselbst ein „national home“ für das jüdische Volk vorzubereiten. Jeder, der zur Zeit der Unterzeichnung des Friedensvertrages in Palästina wohnt, oder im Laufe der nächsten zwei Jahre dorthin einwandern und keine andere Deklaration abgeben wird, kann „ein von England geschützter palästinensischer Bürger“ werden. Die englische „protection“ gilt für den palästinensischen Bürger auch imi Auslande. Ausländer — jüdische Gesellschaften sind ausgenommen — dürfen in Palästina nicht mehr als 20 Dunam Boden besitzen. Als Amtssprache werden die englische, hebräische und arabische eingeführt. Die ganze Administration ruht in Händen der englischen Regierung, welche jedoch einen großen Teil von jüdischen Beamten, die vom jüdischen Rat vorgeschlagen werden, berufen wird Hinsichtlich der Gerichtsbarkeit sieht das Projekt eine besondere für die arabische Bevölkerung vor, von einer jüdischen wird jedoch keine Erwähnung getan. Das genannte Projekt bildet nur den Rahmen des Friedensvertrages und dürfte noch mannigfachen Abänderungen unterliegen. WIRTSCHAFT -# Französisches Kapital für Palästina und Syrien Die Diskussion im französischen Parlament über den 50 Millionenkredit für die französischen Missionen »n Palästina und Syrien machte die Intervention Pichons nötig. Dieser erklärte, daß er noch keine Einzelheiten über die schwebenden Friedensverhandlungen mit der Türkei geben könne. Er fügte hinzu: Ich kann nur sagen, daß die französische Regierung auf der Grundlage des Uebereinkommens mit England von 1916 sich der französischen Interessen und Rechte in Syrien auf das energischeste annimmt. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß wir keiner religiösen Partei den Vorrang geben. Der Kredit wurde darauf gewährt. * Nach einer Mitteilung des „Neuen Orient“ hat die „Banque Imperiale Ottomane“ in Konstantinopel, um die französischen Interessen in Syrien zu erweitern, beschlossen, eine Zweigstelle der ottomanischen Bank unter reiner französischer Leitung in Syrien zu errichten. Das neue Unternehmen soll den Namen „Banque de Syrie“ führen. Kooperative Nahrungsmittelgesellschaften und Arbeitervereine in Palästina Die Nahrungsmittelgesellschaften wurden von Arbeitern und Handwerkern gebildet (und später schlossen sich andere Erwerbsklassen an) zu einer Zeit, als die I Preise von Lebensmitteln so hoch waren, daß die Arbei- | ter verstanden, daß, wenn sie nicht gemeinsam ihre i Nahrungsmittel zum Großeinkaufspreis kauften und unter sich verteilten, sie der Willkür des freien Marktes preisgegeben sein würden. Die zionistische Kommission gewährte den zwei bestehenden Nahrungsmittelgesellschaften nach eingehender Prüfung ihrer Zwecke und finanziellen Lage eine Anleihe von 12 590 £, von der schon ein Teil zurückbezahlt worden ist. Die gewonnene Erfahrung zeigt, daß diese Form kooperativer Zusammenarbeit vielleicht den rationellsten Weg zur Erleichterung der Leiden der Arbeiter infolge der Teuerung darstellt. Besonders bewährte sich das System nach der Einnahme von Judäa, als die Preise im allgemeinen enorm stiegen. Obwohl nach der Eroberung von Galiläa und dem Waffenstillstand die Preise wieder gefallen sind, wobei der Wert der Warenbestände dieser Gesellschaften vermindert worden ist, haben die Leiter derselben beschlossen, alle ihre Verpflichtungen zu erfüllen, und die Sachverständigen meinen, daß sie im Stande sein werden, dies zu tun. Die Bedeutung dieser Gesellschaften, sogar in normalen Zeiten, kann nicht zu hoch eingeschätzt werden, und die Zionistische Kommission beabsichtigt, die notwendigen Mittel zu ihrer Fortsetzung zu beschaffen. Die Initiative der Kommission rief auch Arbeiter- - vereine für Acker-, speziell Gartenbau auf kooperativer Grundlage ins Leben. Dieser Typus landwirtschaftlicher Tätigkeit ist vom kolonisatorischen Gesichtspunkt besonders wichtig. Während eine Anzahl der Mitglieder erfahrene Landwirte sind, besteht ein anderer Teil aus Städtern, die eben erst in diesen Vereinen eine gewisse landwirtschaftliche Ausbildung erhalten. Es ist aber oft schwierig, für sie Landarbeit in den jüdischen Kolonien zu finden, da sie mit den schlecht entlohnten arabischen Arbeitern zu wetteifern haben. Während des Krieges hat dieser Typus landwirtschaftlicher Vereine befriedigende Resultate ergeben, besonders in Samaria und Galiläa. Die Rückzahlung der diesen Vereinen gewährten Anleihen ist hauptsächlich von dem Ernteertrag abhängig. Andererseits hat die Unterstützung dieser Vereine einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der jüdischen Kolonisation fn Palästina gebildet. PALAEST1NA Die Erschließung der palästinensischen Gewässer Wir berichteten neulich, daß in Palästina eine Gesellschaft gegründet wurde (Agudath Hamajim), die man im Deutschen etwa als „Gesellschaft für Schiffahrt und Fischerei“ bezeichnen könnte. Vor uns liegt die erste Publikation dieser Gesellschaft, eine hebräische Broschüre über die Ausnützung der Gewässer in Palästina. Der Verfasser beginnt mit der Feststellung, daß der erste Eindruck des Palästinareisenden die Unzulänglichkeit der Häfen ist. Die Landung ist oft gefährlich und immer beschwerlich. Auch die Fahrten auf dem Tiberiasee *und dem Toten Meer sind nicht minder unangenehm^ Die Fischerei unmittelbar an den Küsten ist wenig ergiebig. Der Fischfang im Mittelländischen Meer in einiger Entfernung von der Küste leidet darunter, daß die Ausrüstung der arabischen Fischer in bezug auf Fahrzeug und Fischereigerät sehr unzulänglich ist. Es - vergehen Tage und oft Wochen, be^or sie ausfahren können. Infolgedessen gibt es währendi dieser Zeit selbst in den Hafenstädten keine Fische. Und; im Innern des Landes gibt es Städte, deren Bewohner in ihrem ganzen Leben noch keinen Fisch gesehen haben. Nichtsdestoweniger gibt es an der Küste eine Unmenge

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