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Volk und Land · 1919-07-10 · Heft 28 (10.7.1919) · p. Seite 887-888

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 28 (10.7.1919)
Date
1919-07-10
Page
Seite 887-888 (sequence 16)
Language
German
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VOLK UND LAND 887 englischen äußeren Politik ist daher für die Zukunft die Frage unserer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Ein Krieg zwischen England und Amerika würde wahrscheinlich den Tod beider Länder bedeuten, fine enge Freundschaft zwischen England und Amerika wäre dagegen die sicherste Garantie für den Weltfrieden. Es heißt mit Blindheit geschlagen sein, wenn man nicht die sehr starken Elemente in Amerika sehen wollte, welche Reibungen mit England herbeizuführen suchen, Reibungen, aus denen mit Leichtigkeit ein Zusammenstoß erwachsen kann. Da ist zunächst die Tradition der alten Feindschaft zwischen beiden Ländern. Alle amerikanischen Schulbücher malen England als den natürlichen und Erbfeind der Vereinigten Staaten, und eine umfangreiche volkstümliche Presse hält diese Tradition w ach, so daß die Volksleidenschaft leicht gegen England aufgehetzt werden könnte. Diese Tradition ist nicht tot, ebensowenig wie die Mächte, die sie nähren. Ferner ist das deutsche Element in den Vereinigten Staaten in Erwägung zu ziehen. In England muß man wohl unterscheiden zwischen der Haltung der aus Deutschland stammenden Amerikaner gegenüber den Vereinigten Staaten und ihrer Haltung gegenüber England. Die deutschen Amerikaner mögen gegenüber den Vereinigten Staaten durchaus loyal gewesen, sein und tapfer mit ihrem Staat gegen! Deutschland gekämpft haben, aber das heißt noch nicht, daß sie England lieben. Im Gegenteil, ihre Feindseligkeit gegen England ist nicht vermindert, und ist sehr wenig wahrscheinlich, daß die Deutschland auferlegten Friedensbedingungen diese Empfindung mäßigen werden. Ein drittes Element jn Amerika, das als englandfeindlich angesehen werden muß, ist natürlich das irische. Es ist hier nicht der Ort zu erörtern, ob die irische Feindschaft gegen England unvermeidlich ist und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um sie zu beseitigen. Ihre Existenz in der Gegenwart muß als Tatsache hingenommen werden. Es ist nun klar, daß England, wenn es die Katastrophe eines Bruches mit Amerika vermeiden will, gegen alle diese starken Elemente, welche gegen die Erhaltung guter Beziehungen zwischen beiden Staaten sind, alle Freunde zusammenfassen muß, die nur zu haben sind. In diesem Zusammenhänge ist die große Bedeutung der amerikanischen Juden zu suchen. Es ist sehr wohl bekannt, daß die amerikanische Judenheit seit der, bekannten Novemberdeklaration mit Entschiedenheit auf Seiten Großbritanniens gestanden hat. Die amerikanischen Juden waren nicht bloß ententefreundlich, sondern im besonderen englandfreundlich. Man könnte keinen gröberen Irrtum begehen, ,als zu glauben, daß die Empfindungen der amerikanischen Juden heute, wo der Krieg gewonnen ist, nicht mehr respektiert werden müssen. Die Sympathie der amerikanischen Juden ist für die britische Politik im Frieden noch weit unentbehrlicher als im Kriege. Für ihre Bestrebungen gibt es in Amerika kein wertvolleres und einflußreicheres Element als die Juden. Ihre Stellung im Geschäfts- und Finanzleben ist sehr wichtig, sie kontrollieren einige der wichtigsten amerikanischen Zeitungen und Juden zählen zu den besten amerikanischen Journalisten. Sie spielen eine Rolle an den Universitäten und in den freien Berufen so gut wie in der Literatur und haben in den letzten Jahren einen sehr beträchtlichen Teil der bedeutendsten Führer des amerikanischen öffentlichen Lebens gestellt. Es steht außer Zweifel, daß die Sympathie der amerikanischen Juden für Großbritannien durch die Novemberdeklaration gewonnen wurde. Aber es steht ebensosehr außer Zweifel, daß diese Sympathie sich verflüchtigen würde, wenn die Erklärung nicht seitens Großbritanniens nach dem Geiste und nach dem Wortlaute erfüllt würde, und wenn die britische Regierung nicht alle Anstrengungen zur Schaffung eines 888 j j ü d i s c h e n P a 1 ä s t i n a ni a c h e n w ü r d e. Jede j Handlung der britischen Regierung, welche als eine Wandlung in der wohlwollenden Betreuung des großen jüdischen Ideals eines jüdischen Palästina aufgefaßt werden müßte, würde von den amerikanischen Juden als ein Treubruch angesehen werden und würde die amerikanischen Juden, die besten Freunde Englands, in kalte und skeptische Kritiker verwandeln. Von der britischen Haltung gegenüber dem jüdischen Palästina hängt der Ausgang der großen politischen Neuordnung ab, die nur zu einem Freundschaftsbündnis oder zu einem kriegerischen Konflikt mit Amerika führen kann. Die Zukunft des englisch-amerikanischen Verhältnisses wird in Palästina entschieden werden. , (Palestine.) Aus Tschecho-Slowakien Die Lage der Juden in vielen slowakischen Gegenden ist trostlos, da sie von der slowakischen Bevölkerung infolge systematischer Verhetzung seitens der katholischen Geistlichkeit und politischer Emporkömmlinge in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht für ziemlich vogelfrei gehalten werden. Die slowakischen Blätter reizen offen zu Plünderungen und Ausschreitungen gegen die Juden auf, undl wenn kein tschechisches Militär dort wäre, käme es sicherlich zu Exzessen. Dieser Vorwurf trifft nicht die slowakischen Macht- . haber, von denen z. B. der Minister Dr. Vawro Srovar, der Staatssekretär für Inneres Dr. Milian Ivanika oder der Preßburger Obergespan Samuel Zocb, aufgeklärte Männer sind, die dem Antisemitismus mit allen Mitteln entgegeritreten. Es ist ein ziemlich deprimieren- ' des Faktum, daß die relative Sicherheit der Juden in der Slowakei nur den disziplinierten tstihecho-s’.owakischen Truppen zu verdanken ist. Es wäre dringend notwendig, daß sich die slowakische Judenheit vereinigt, um als organisierter Machtfaktor der beginnenden politischen Entrechtung und der drohenden sozialen und wirtschaftlichen Verelendung entgegenzuarbeiten. Durch die Bemühungen des Dr. Henry Alsberg, Delegierter des Jewish American Distribution Comittee, ist eine soziale Kommission des „Volksverbandes der Juden für die Slowakei“ zustande gekommen, die die Aufgabe übernommen hat, alle anläßlich der November-Plünderungen verursachten Schäden aufzunehmen und den bedrängten jüdischen Schichten Hilfe zu bringen. Der seitens des Jewish American Joint Distribution! Committees überwiesene Betrag von 100000 Kronen, der für die Monate Mai und1 Juni bestimmt Gst, reicht natürlich lange nicht aus. Die bisher festgestellte Schadensumme von 147 000 000 Kronen betrifft nur 106 Gemeinden. Aus vielen Orten ist der Bericht noch ausständig. ‘Dasselbe gilt von den Beschäftigungslosen, demobilisierten Soldaten, im Kriege verarmten Familien, entlassenen subsistenzlosen Beamten und Lehrern. Alles jedoch, was bisher geschehen, ist ein Vorspiel dazu, was in gewissen antisemitischen Kreisen geplant wird. Eis besteht die Absicht, alle Konzessionen und Lizenzen einer neuerlichen Revision zu unterziehen, und den Juden nur eine solche Anzahl davon zu überlassen, welche ihnen auf Grund des Zahlenverhältnisses zusteht. Das bedeutet einen Ruin von tausenden jüdischen Familien, denen auf diese Weise die Tabaktrafiken, Wirtshauslizenzen usw. entzogen werden sollen. Der „Volksverband“ ist bemüht, dieses Unglück durch die Gründung eines jüdischen Wirtschaftsbundes für die Slowakei zu verhüten, der sich dem/ Volksverbande angliedern und im Vereine mit der Sozial-Kommission die Juden in der Slowakei in wirtschaftlicher Hinsicht schützen soll. Das jüdische Schulwesen in der Slowakei drohf infolge zersplitterten Vorgehens einzelner Gemeinden und infolge Mangels an Lehrkräften, die die slowakische Sprache beherrschen, seinem Untergange entgegenzu-

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