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Volk und Land · 1919-07-10 · Heft 28 (10.7.1919) · p. Seite 885-886

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 28 (10.7.1919)
Date
1919-07-10
Page
Seite 885-886 (sequence 15)
Language
German
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885 VOLK UND LAND 886 ..... j| AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA ARBEIT || niiimiii i in i mihi ii i i int iiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiif? POLITISCHES London als Vorort und Kongressort*) j Für mich steht mit der Kraft des Dogmas, des zioj nistischen „Glaubensartikels“, die Gewißheit fest, daß j die zionistische Politik nur im Anschluß an das brij tische Weltreich sich fortentwickeln kann, daß der Zionisj mus eine organische VeYbindung mit dem britischen j Imperialismus eingehen muß und wird! Die englische | Nation ist das führende Kulturvolk der Menschheit, der j Pionier unter den europäischen Völkern, allen um 1—2 Jahrhunderte voraus, und so auch in seiner Haltung unserem Volke gegenüber. Und so wie die Sonne der Judenemanzipation zuerst in England am frühesten aufging, so wie in einem englischen Durchschnittstheologen (trotz aller kirchlichen Benebelung und Finsternis) mehr Verständnis für die Zufunft Israels steckt, als*in einem Dutzend deutscher Theologen zusammengenommen, so begrüßten die Briten auch den Zionismus zuerst mit förderndem Interesse, und so unannehmbar auch die Anregungen der britischen Regierung in Sachen des Ostafrika-Projektes waren, so soll es ihr doch allzeit unvergessen bleiben, d aß sie zuerst dem jüdischen Volke einen Beweis ernster politischer Berücksichtigung und tiefen Verständnisses für seine Staatsbestrebungen gegeben hat. Und daß sie auf diesem Wege, wenn auch nur langsam, fortfahren wird, daran glaube ich so fest, wie an die Realisierung unseres Staatsideals überhaupt. Die Zeit wird kommen im nächsten Jahrzehnt des Jahrhunderts, wo England in Syrien und Palästina fest Fuß fassen wird, fester noch als heute in Aegypten, und uns das heilige Land als freies Land, wenn auch als Teil des britischen Weltreichs, einräumen wird. Als Teil des weltumspannenden britischen Reiches, aber frei, nicht halbsouverän, sondern vollsouverän wird unser Volk und Staat sich im Organismus des gewaltigen britischen Staatengebildes entwickeln, ähnlich den Bundesstaaten im Deutschen Reich, und der König von England wird nicht der Lehnsherr unseres Fürsten sein, wie im alten Deutschen Reich der Kaiser, sondern lediglich dieselbe Stellung ihm gegenüber ein nehmen, wie der heutige Deutsche Kaiser gegenüber dem König von Bayern. (Ich verweise übrigens noch auf meine Schrift: „Jerusalem oder Mombassa?“, S. 37—38). — Sind somit die Engländer dereinst unser Bruder- und Bundesvolk, so müssen wir sie heute schon als uns er vorbestimmtes Schutzvolk in Europa betrachten und behandeln. Nicht länger in ‘der antisemitischen Luegerstadt, sondern in London, unter dem Zeichen des britischen Banners, nicht Sn einer Stadt, deren Mauern von dem Echo des „Juden raus!“ toto die widerhallen, sondern in der Stadt, in deren Regierungsgehäuden noch heute die Mauern das Echo des erzjüdischen Namens „Disraeli“ vernehmlich zurückklingen lassen, muß fortan der europäischen Zionismus „residieren!“ Dort können unsere provisorischen „Minister“ rechtzeitig die Grundlagen schaffen für das dereinst nach Gottes Willen zu konstituierende Bundesverhältnis zwischen Judäa und Britannia! Fordert dieser zweite Grund gebieterisch London als Vorort, statt Wien, so tritt noch ein dritter Grund hinzu. Jedem staatsmännisch geschulten Beobachter ist es unzweifelhaft, daß die örtliche Koinzidenz von Vorort und Kongreßort aus vielen Gründen mehr und mehr *) Geschrieben 1904, also vor fünfzehn Jahren! eine Notwendigkeit wird! Auch wir müssen uns rechtzeitig daran gewöhnen, daß das „Parlament“ am Sitze der „Regierung“ Zusammentritt. Kann der Kongreßort nicht Vorort werden, so muß der Vorort Kongreßort werden! Und welch geeigneteren Kongreßort in Europa wüßte man auch in rein örtlicher Beziehung als London, wohin die Russen, Oesterreicher und Norddeutschen gerade so leicht, die Amerikaner und Engländer aber erheblich leichter gelangen, als nach Basel, und wo auch (ganz abgesehen von der unmittelbaren Nähe der zionistischen Regierung) die gewaltige Weltstadt unserem Parlament ein ganz anderes politisches „Relief“ zu bieten vermag, als die Voralpen Und die KantönJi- Hauptstadt Basel? — Eine freundliche Begrüßungsrede des Baseler Regierungsrates ist schön und gut — aber eine Rede des Lordmayors in Guildhall oder eine Gardenparty in St. James Palace Uns zu Ehren ist besser! Darum aus drei Gründen sei London die Parole! Erstens wegen der reicheren Arbeitskräfte und geeigneteren organisatorischen Voraussetzungen im Vergleich zu Wien; zweitens, weilLondonohnehin unsere vorbestimmte, dereinstige „Reichshauptstadt“ ist; und drittens, weil unser „Reichstag“ ctort richtiger raten und taten wird als in Basel! Die Wahl Londons zur zionistischen „Residenz- und Parlamentsstadt“ wird einen Wendpunkt bezeichnen in der Geschichte des Zionismus — den Uebergang von der Ideologie zur Realpolitik! M de Jonge,. Dr. jur. Köln, 6. November 1904. England, Amerika und Palästina Die ganze britische Herrschaft im Orient hängt an Palästina und dem Suezkanal. Ein jüdisches Palästina ist die größte (ja wir sind geneigt zu sagen, die einzige) Sicherstellung dafür. Die ganze Pressehetze, die in der jüngsten Zeit geführt wurde, um den Anschein zu erwecken, als ob Aegypten und der nahe Orient englandfeindlich wäre, und die Leute, die diese Hetze geführt haben, werden in Zukunft schwerlich ihren Charakter ändern. Es ist audh kaum anzunehmen, daß die Agitation selbst verschwinden wird, wenn auch noch so bedeutende Fortschritte in der Richtung zur Selbstregierung hin gemacht werden, so wird das doch niemals jener Minderheit genügen, welche die vollständige Beseitigung jeder westlichen und in allererster Linie der britischen Herrschaft im Orient verlangt. Die Masse der Bevölkerung, die heute und wohl noch für manche Jahre hinaus kein reifes politisches Verständnis hat, wird immer einer Agitation ausgeliefert sein, die an die religiösen Leidenschaften appelliert. Wir sagen und wir glauben nicht, daß diese Agitation als eine sehr ernste militärische Drohung anzusehen sei, aber ein politisches Sjstem kann nicht auf einen so unsicheren Grund gebaut werden. Die britische Politik muß eine sichere Grundlage suchen und die ist in einem jüdischen Palästina zu finden. Ein jüdisches Palästina wird gegenüber dem britischen Reich absolut loyal sein und wird ihm das unentbehrliche Bollwerk in diesem' Teil der Welt bilden. . . . Palästina ist ein politischer Faktor von allergrößter Wichtigkeit im Westen genau so gut wie im Osten. Großbritannien muß entweder in ein ganz enges Freundschaftsverhältnis zu den Vereinigten Staaten treten oder es läuft unmittelbar Gefahr, mit ihnen zu kollidieren. Wir sprechen, nicht von morgen oder übermorgen, aber wer etwas weiter sieht, der erkennt, daß dies die einzigen zwei Möglichkeiten sind. Die Hauptfrage der

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