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Volk und Land · 1919-07-10 · Heft 28 (10.7.1919) · p. Seite 881-882

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 28 (10.7.1919)
Date
1919-07-10
Page
Seite 881-882 (sequence 13)
Language
German
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881 VOLK UND LAND 882 DER ARBEITSMARKT IN PALAESTINA Das „Kopenhagener Zionistische Büro“ berichtet: Die beim Palästina-Amt in Jaffa funktionierende Statistische Abteilung veröffentlicht interessante Angaben über den Arbeitsmarkt in Palästina. Bis jet/.t wurde über folgende Branchen Material gesammelt: Schuhmacher-, Schneider-, Tischler- und Schmiedehandwerk. Das gesammelte statistische Material gibt die Möglichkeit, sich über den gegenwärtigen Stand des Arbeitsmar'ktes in Palästina und seine Zukunftsaussichten ein Urteil zu bilden. I. Das Schuhmacherhandwerk in Palästina. Das Schuhmacherhandwerk in Jerusalem wird von 157 Juden, 49 Mohammedanern und 46 Christen (hiervon sind 26 Araber) betrieben. Der größte Teil der jüdischen Schuhmacher sind orientalische Judten. Die Zahl der europäischen (askenasischen) jüdischen Schuhmacher beträgt 23. Hierzu kommt noch eine Anzahl von wandernden Schuhmachern. Vor dem Kriege war die Zahl der askenasischen Schuhmacher eine sehr große. Beim Ausbruch des Krieges wurden sie jedoch als feindliche Ausländer aus dem Lande vertrieben. Viele von ihnen starben. Das Schuhmacherhandwerk wird von den askenasischen Juden als entwürdigender Beruf angesehen. Im allgemeinen bemühen sie sich, andere Arbeitsberufe zu wählen. Bedeutend ist die Zahl der persischen Juden, die das Schuhmacherhand werk betreiben. Als persische Untertanen waren sie sowohl vom Militärdienst als von den anderen erdrückenden Lasten des alten türkischen Regimes befreit, und so gelang es vielen von ihnen, durch ihre Arbeit zu Wohlstand zu gelangen. Das Schuhmacherhandwerk umfaßt zwei Arbeitssysteme, ein europäisches und ein orientalisches. Nach orientalischem System werden leichte arabische Schuhe oder Reitsandalen angefertigt. 76 Juden arbeiten nach europäischem System. Außer der genannten Zahl der jüdischen Schuhmacher beschäftigen sich mit diesem Handwerk 118 jüdische Hilfsarbeiter (nur 4 von ihnen sind Askenasim) und 131 jüdische Lehrlinge (93 von ihnen sind Waisenkinder). Letztere 4 sind noch nicht imstande, ihren Lebensunterhalt durch ihre Arbeit zu bestreiten und müssen von der Zionistischen Palästina- Kommission unterstützt werden. Unter der ganzen Anzahl der jüdischen Schuhmacher gibt es nur acht, die es durch ihr Handwerk zu einemi Kapital gebracht haben. Einige von ihnen haben unbewegliche Güter erworben, die einen bedeutenden Wert haben. Größtenteils gehören die Schuhmacher dem Mittelstand an, aber es gibt auch Arme unter ihnen. Ebenso sind die christlichen und1 mohammedanischen Schuhmacher zum Mittelstand zu zählen, aber auch unter ihnen fehlt es nicht an Armen. Nur vier von ihnen haben es zu einemi größeren Wohlstand gebracht. Ungeachtet dessen, daß die Schuhmacher dicht nebeneinander wohnen, gibt es keine inländische Konkurrenz. Stark fühlbar macht sich aber die ausländische Konkurrenz. Die aus Aegypten importierten Schuhwaren finden, trotzdem sie sowohl qualitativ als quantitativ stark hinter der palästinensischen Ware zurückstehen, einen nicht unbedeutenden Absatz in Palästina. Hunderte von ägyptischen Schuhen werden im Lande verkauft, während die inländische Produktion unverkauft bleibt. Die palästinensischen Schuhmacher sehen mit großer Unruhe die ägyptische Konkurrenz und tragen sich schon jetzt mit dem Plan, bei den Behörden das Verbot des Imports der ägyptischen Schuhe durchzusetzen. Die Handwerker betreiben ihren Beruf mit eigenem Kapital und Inanspruchnahme von Kredit. Ein Schuhmacher, der vier Gesellen beschäftigt, benötigt ein Umsatzkapital von 25—30 ägyptische Pfund pro Woche. Das Rohmaterial bezieht der Schuhmacher aus folgenden Quellen: 1. aus inländischen Produktionsstätten (bestehend aus kleineren Handwerkerstätten). 2. aus Aegypten, welches gutes Leder liefert. 3. aus europäischen Fabriken, deren Ware als die beste angesehen wird. Jetzt, da kein regelrechter Verkehr mit europäischen Zentren vorhanden ist, ward europäische Ware aus Aegypten importiert. Das andere Material sowie Zubehör wird aus Aegypten oder aus Europa durch Aegypten eingeführt. Ein. gelernter Schuhmachergeselle bekam (ohne Unterschied der Nationalität) vor dem Kriege 3 Frcs. pro Paar genähter, 2,50 pro Paar genagelter Schuhe. Während des Krieges verdiente er aber mehr. Gegenwärtig erhält ein gelernter Arbeiter 6y2 «der 6' Schilling für jedes Paar genähter und 4—4,75 Schilling für jedes Paar genagplier Schuhe. Schuhmacher, die orientalische Schuhe anfertigen, erhalten 2—3 Schilling täglich, früher verdienten sie 1,50—2 Frcs. täglich. Die arabischen Schuhe kosten 2—6 Schilling. Der Preis der europäischen Schuhe aus ägyptischem' Material angefertigt beträgt 150—250 ägyptische Piaster (1 Piaster zirka!/r Frcs.), aus europäischem gutem Material 250—325 Piaster. Eine Besserung auf dem Gebiete des Schuhmacherhandwerkes wird erwartet: 1. durch die kommende Immigration und 2. durch die Vervollkommnung dieses Arbeitszweiges, in dem nur für gute Handwerker Platz sein wird und nicht für allerlei ungelernte Elemente, die das Schuhmacherhandwerk schädigen. In nicht ferner Zukunft wird es wohl möglich sein, Maschinen in das Land zu bringen, so daß die mechanische Herstellung von Schuhen in Palästina wind vor sich gehen können. Hierunter werden natürlich diejenigen Schuhmacher leiden, die nicht in der Jbage sein werden, sich eigene Maschinen anzuschaffen. Für die Gesellen wird es gleich sein, ob sie in der Fabrik oder bei dem Schuhmacher tätig sein werden. Der einzige Weg, sich vor der Konkurrenz zu fetten, liegt in der Gründung einer kooperativen Gesellschaft, die alle Schuhmacher vereinigen und die Rohstoffe aus den ersten und billigsten Quellen besorgen soll. Die besseren unter den Schuhmachern begreifen dies, aber der größte Teil hat kein Verständnis für diese Idee. Aehnlieh ist die Lage des Schuhmacherhandwerkes in Jaffa. Bezeichnend sind hier allerdings die Zahlen. Unter den 38 jüdischen Schuhmachern in Jaffa gibt es 25 Askenasim, ferner gibt es 30 Mohammedaner und 23 Christen. Unter den Schuhmachergesellen gibt es 50 Juden, 52 Mohammedaner und 65 Christen. Ein gelernter Handwerksgeselle erhält 7—8 Schilling pro Paar Schuhe, die arabischen Gesellen (Christen und Mohammedaner) begnügen sich mit geringeren Löhnen (4—5 Schilling pro Paar). Eine größere Anzahl jüdischer Schuhmacher gibt es ferner in Tiberias. Dort sind 31 Juden, darunter 3 Askenasim, und 5 Mohammedaner in diesem Handwerk tätig. Christliche Schuhmacher gibt es dort nicht. Hierzu kommen 30 jüdische Gesellen. Hauptsächlich beschäftigen sich die Schuhmacher in Tiberias mit dem Anfertigen europäischer Schuhe. In der Fabrikation der orientalischen Schuhe gibt es eine schwere Konkurrenz. So sind in Damaskus Tausende von Kindern teils für einen ganz geringen Lohn und teils 9Qgar unentgeltlich (zwecks Erlernung dieses Handwerkes) mit der Anfertigung solcher Schuhe beschäftigt. Auch der Erwachsene arbeite? in Damaskus zu einem ganz minimalen Löhn. In Tiberias erhält der gelernte SchuhmacheTgeselle seinen

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