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Volk und Land · 1919-07-10 · Heft 28 (10.7.1919) · p. Seite 879-880

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 28 (10.7.1919)
Date
1919-07-10
Page
Seite 879-880 (sequence 12)
Language
German
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VOLK UND LAND 879 weder die richtigen Menschen Führer dieser Bewegung wurden, noch die richtigen Methoden bei der Werbung angewandt wurden, und daß die nötigen Beziehungen zwischen den Führern und der Legion nicht vorhanden waren. Man hat oft nicht etwa mit dem Hinweis auf die große Aufgabe, die" die Legion für das jüdische Volk zu erfüllen hatte, agitiert, sondern durch Anfachung persönlicher und egoistischer Interessen. Man hat den Legionär verhätschelt und sich mit ihm zu schaffen gemacht, solange er den Eid noch nicht geleistet hatte, und man hat ihn ignoriert oder mit Feldwebelmanieren behandelt, sobald er Soldat geworden War. Man hat den Legionär vernachlässigt, verstoßen und entmündigt. Nichts als Aerger ist daraus entstanden. In England hat man die amerikanisch-jüdischen Legionäre schon ganz und gar vergessen. Nicht nur die Juden überhaupt, sondern auch die Zionisten. Unsere Legionäre haben sich dort fremd gefühlt. Keiner hat sich ihrer angenommen; keiner hat ein gutes Wort für sie gehabt; niemand hat für sie gesorgt. Niemand hat auch nur einen Finger gerührt, den ,,jüdischen Helden“ eine menschliche und jüdische Umgebung zu schaffen. Im Gegenteil. Der amerikanisch-jüdische Legionär ist in England zum ersten Mal offenem oder schlecht verhehltem Haß von Juden und Nichtjuden begegnet. Die einen haben ihn mißgünstig angesehen, weil er ein jüdischer Legionär war, die andern, weil er ein am e r ik an isch-jüdischer Legionär gewesen ist. Denn die amerikanischen Legionäre waren den englischen Juden ein Dorn im Auge, weil man damals in England überhaupt nicht gut auf Amerika zu sprechen war. Und zu guterletzt ist ihm auch in Erez Israel das Gefühl des FremdseLns und des! Mißtrauens und des AusgestoßenseinS nicht erspart geblieben. Das hat er am allerschmerzlichsten empfunden, und das mußte seinen Zorn wecken. Nun kann man ja die Tatsache inicht verleugnen, daß ein Held oft unverträglich ist, und daß man einem Menschen, der einmal den Mut gehabt bat, sieh aufopfern zu wollen, nie im Leben Genüge tun kann. Man sagt, daß dieser oder jener jüdische Legionär zu viel Klagen führt, oder zu viel Ansprüche macht. Der jüdische Legionär — u,nd genau so der jüdische Kolonist in Palästina — darf sich als der verhätschelte Liebling des jüdischen Volkes betrachten, obwohl man auch ein Volk nie völlig zufrieden stellen kann. Das jüdische Volk ist dem Landwirtschafts-Pionier in Palästina viel schuldig und genau so viel dem jüdischen Legionär. Aber auch der jüdische Legionär wie der Kolonist können einmal zu viel fordern. Das ist menschlich und begreiflich, und es mag sein, daß die Klagen der Legionäre nicht immer berechtigt sind. Aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die meisten Klagen der Legionäre gerecht sind, und daß die Sünden, die man an ihnen begeht, oft himmelschreiend sind. Der jüdische Legionär darf mit Recht den Anspruch erheben, der Hauptschutz für den Jischuw in Erez Israel zu sein. Berechtigt sind die Klagen 880 derer, welche den Legionären Vorwürfe machen, die jetzt die Truppe verlassen, und sich weigern weiter zu dienen, womit sie den nötigen Schutz des Landes gerade in dem Augenblick schwächen, wo die arabische Bevölkerung mehr als je gegen die Juden aufgehetzt wird. Wenigstens von denjenigen Legionären, die bisher noch kein Pulver gerochen haben, sollte man wenigstens annehmen dürfen, daß sie bereit sein würden, dieses doch nicht so schwere Opfer zu bringen. Niemand aber wird es wagen, einen Stein auf die Legionäre zu werfen, wenn man bedenkt, daß sie wie Fremde im Lande leben, und daß sie oft wie Feinde von denjenigen behandelt werden, die sie beschützten. Nun sind die Juden zwar nicht schuld daran, daß die Legion, die gehofft hat, iin Erez Israel wie in einen jüdischen Staat entziehen zu können, sich enttäuscht fühlt. Vielleicht sind an dieser Enttäuschung beide schuldig: sowohl die zionistischen Führer als auch die Legionäre. Die ersteren sind in ihrer Agitation zu weit gegangen, und die andern haben ihrer Phantasie zu weiten Spielraum gelassen. Man kann nicht so schnell einen jüdischen Staat in Palästina schaffen. Er muß langsam aufgebaut werden. Und man kann ihn auch nicht schaffen, solange der Krieg nicht vollständig beendet ist. Das ist es, was die zionistischen Agitatoren verschwiegen, und was die jüdischen Legionäre nicht verstanden; daher stammt ihre Enttäuschung. Woran aber die Zionisten und mit ihnen der Jischuw in Erez Israel Schuld hat, das ist, daß sie das wenige jüdische Eigenleben in Palästina dem jüdischen Legionär entfremdet und ihm' das. was 'er gern geliebt hätte, verhaßt gemacht haben. Man hat vielleicht einen sanften Zwang und etwas Politik anwenden müssen, um den Legionär in der Armee zu behalten, und man hat wohl auch gewisse Bedingungen aufstellen müssen, für diejenigen, welche die Uniform ausziehen und im Lande bleiben wollten. Palästina kann heute ohne die jüdische Legion nicht auskommen; es kann aber auch eine große Zahl von Arbeitslosen nicht ertragen. Wenn man aber den jüdischen Legionär dadurch zurückstößt, daß man mit ihm nicht jiddisch reden will, daß man ihm keine Arbeit in den jüdischen Kolonien gibt, daß man ihm keine jüdische Umgebung schafft, daß man Angst hat vor seinem Bolschewismus, d. h. vor seinem» berechtigten Verlangen nach angemessenem Lohn, daß billige arabische Arbeitskräfte in den jüdischen Kolonien .beschäftigt werden, während der Legionär auswanderrt muß, weil er keine Arbeit findet, wenn das alles der Fall ist, kann man es dem Legionär nicht verdenken, wenn er mit aller Macht aus Erez Israel herausstrebt. Er hat einfach das ^Empfinden, daß niemand da ist, der sein Opfer ,will. Das sind die beiden Seiten der Medaille; nicht alle Klagen der Legionäre und gegen sie sind gerecht. Keine Seite ist von Schuld ganz frei, aber (daß die meisten Sünden nicht auf seiten des Legionärs ruhen, das scheint doch heute schon klar zu sein.

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