Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1919)
- Date
- 1919-07-03
- Page
- Seite 857-858 (sequence 17)
- Language
- German
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VOLK UND LAND 858 857 tatkräftig zu fördern, da sich der Mangel an technisch geschulten Hilfskräften empfindlich fühlbar macht. * Vereinigung jüdischer Künstler. Eine Anzahl Absolventen des Bezalel hielt in Jerusalem eine Beratung über Standes- und Kunstfragen ab, wobei die Gründung einer Vereinigung jüdischer Künstler zur Schaffung und Entwicklung jüdischer Kunst beschlossen wurde. Zum Leiter dieser Vereinigung wurde der Lehrer des Bezalel Gur-Arjeh gewählt SOZIALES Völkerbund und Ruhetag Der deutsche Entwurf eines Statuts für den Völkerbund sieht im § 4 des „Abkommens über Arbeiterrecht“ folgendes vor: „-— Auch soll dafür Sorge getragen werden, daß allen Arbeitern wöchentlich und zwar in der Zeit-von Sonnabend bis Montag eine zusammenhängende Ruhepause von mindestens 32 Stunden gewährt wird, wenn nicht im Interesse der Allgemeinheit die Verlegung dieser Ruhepause auf einen Wochentag durch das Gesetz ausdrücklich gestattet ist.“ Alsdann heißt es weiter: „In Ländern, in denen allgemein oder für bestimmte Teile der Bevölkerung ein anderer Tag der Woche als Ruhetag üblich ist, tritt für die im vorstehenden vorgesehene Arbeitsruhe an Stelle des Sonntags dieser Ruhetag.“ Der vom Reichsministerium einstimmig angenommene Entwurf fügt ausdrücklich hinzu, daß unter „Arbeitern“ alle Gruppen von Angestellten zu verstehen sind. Einwanderungsverbot in Amerika Wie bereits gemeldet, hat der Kongreßabgeordnete Burnett aufs neue dem amerikanischen Senat ein Gesetz zur Beschränkung der Einwanderung vorgelegt In dem neuen Gesetzentwurf wird für die Dauer von vier Jahren allen Auswanderern, ausgenommen aus Kuba, Mexiko, Neufundland und Japan, die Ansiedlung in Amerika verboten. Dieser Gesetzentwurf wurde dem Abgeordnetenhause vom Leg.'slativkomitee zur Annahme vorgelegt. Man nimmt allgemein an, daß Präsident Wilson gegen dieses Gesetz ist und sein Veto einlegen wird, wie er es auch früheren Gesetzen zur Verhinderung der Einwanderung gegenüber getan hat, doch wird befürchtet, daß das Gesetz trotz dieses Vetos zur Annahme gelangt. PALAESTINA Das jüdische Schulwesen in Palästina*) Das Problem der Wiederherstellung des Schulwerkes war Gegenstand der besonderen Aufmerksamkeit der Kommission. Die Deportation des besten Teiles des Lehrermaterials durch die Türken, die Abgeschlossenheit des Landes von jeder Verbindung mit der Umwelt, der Mangel an Geldmitteln, die daraus folgende Armut der Lehrer, die enormen Preise der Lebensmittel, alles zusammen bewirkte eine qualitative und quantitative Herabsetzung des Unterrichts. Trotzdem harrten alle Lehrer, die Zurückbleiben könnten, auf ihren Posten aus. Eine der ersten Aufgaben der Kommission war eine •) Aus dem ersten Rechenschaftsbericht der von der englischen Regierung nach Palästina entsandten Zionistischen Palästina-Kommission. Der Bericht umfaßt den Zeitraum vom 1. April 1918 bis 28. Februar 1919. Untersuchung der Lebensverhältnisse der Lehrer und ihrer Gehälter, die lange nicht zum Einkauf der allemotwendigsten Bedürfnisse reichten. Eine sofortige Bewilligung von 6000 £ wurde dem zionistischen Palästina-Amt gewährt, unter dessen Aufsicht und Leitung der Waad Hachinuch (Unterrichtskomitee) wirkte, mit Dr. Lurie an der Spitze als Schulinspektor, Dr. Tourov und Dr. Epstein als verantwortlich für die Ausarbeitung und Veröffentlichung von hebräischen. Schulbüchern. Man bestrebte sich zunächst, nicht bloß die Lebensverhältnisse und dadurch die Wirksamkeit der Lehrer zu verbessern, sondern auch ihre Zahl zu vermehren. Erfahrene Palästina-Lehrer, die bei Kriegsausbruch ausgewiesen worden waren, wurden wieder eingestellt Und eine Anzahl neuer Lehrer einberufen. Ferner wurden, da die vorhandenen hebräischen Schulen lange nicht dem Bedarf entsprachen, neue Schulen eröffnet und in Betrieb gesetzt. Im Juni 1918 wurden die Hilfsvereinsschulen von den britischen Militärbehörden geschlossen, und die zio nistische Kommission erhielt die Mitteilung, daß die Schulen von ihr übernommen werden dürften, vorausgesetzt, daß sie dem hebräischen Schulvverk angegliedert würden. Auf Veranlassung der Kommission übernahm der Waad Hachinuch die Schulen und führte das be stehende hebräische Schulprogramm dort ein. Bisher standen diese Schulen außerhalb des zionistischen Schul- Werkes — genau wie die Alliance-Schulen und die Eveline de Rothschild-Schule — und hinderten die Vereinheitlichung des Unterrichtswesens. Diese wird daher durch die Uebernahme erheblich gefördert. Unterrichtswesen und kulturel e Arbeit beanspruchen beinahe 34,5 °/o vom Totalbetrag der Ausgaben. Es muß betont werden, daß ein Betrag von 8000 £ monatlich oder mehr erforderlich sein wird, um das Schulwerk in Palästina im laufenden Jahre aufrecht zu erhalten. Die Steigerung im Verhältnis zum vorigen Jahre ist verschiedenen Umständen zuzuschreiben: erstens daß im vorigen Jahre die Kommission nur einen Teil der Ausgaben deckte; zweitens sind die Gehälter infolge der Teuerung um 75 °/o erhöht worden, und endlich ist die Zahl der betreffenden Schulen durch die Eröffnung neuer Schulen und die oben erwähnte Uebernahme erheblich vergrößert worden. Für 30 Stunden Unterricht pro Woche erhalten examinierte Lehrer 10 £, unexaminierte 8 £ pro Monat Lehrer mit einem akademischen Grad erhalten 15 £ für 24 Wochenstunden. Nach zweijährigem Dienst erfolgt eine Steigerung von 25 °/o, nach fünf Jahren einen Steigerung von 40 °/o. Eine typische und erfreuliche Tatsache war das erfolgreiche Bemühen des Waad Hachinuch, die Schulen der orthodoxen Gemeinschaft unter seine Leitung und Aufsicht zu bekommen. Zusammen mit einem Aufsichtsrate der orthodoxen Gemeinschaft übernahm der Waad die Tachkemoni-Schule und Kindergarten in Jaffa, die orthodoxen Schulen in Petach Tikwah, Rischon und Ekron. Die Jahresbudgets dieser Schulen betragen zusammen: 7185 £. Ferner wurden übernommen die folgenden orthodoxen Schulen in Jerusalem: die Neue Jeschiba, sechs Talmud Torahs, Tachkemoni und der orthodoxe Kindergarten mit einem Jahresbudget von zusammen 8258 £. Auch die Uebernahme der Kolonistenschulen durch den Waad, deren Jahresbudget 2184 £ beträgt und in künftigen Jahren sicher noch steigen wird, bedeutet einen wichtigen Schritt zur Vereinheitlichung des Schulwerkes. Die Zahl der von dem Waad geleiteten, beziehungsweise beaufsichtigten Schulen beträgt jetzt 91 mit 291 Klassen, 9284 Schülern und 384 Lehrern. Diese Zahlen werden erheblich vermehrt Werden, wenn alle Kolonistenschulen vom Waad übernommen sein werden. Während des größten Teiles des Jahres 1918 waren viele Jaffaer Schulen geschlossen infolge der Evakuation. Auch war eine große Anzahl Von Schülern in Jerusalem und Jaffa eine Zeitlang' von ihren Eltern und