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Volk und Land · 1919-07-03 · Heft 27 (3.7.1919) · p. Seite 851-852

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 27 (3.7.1919)
Date
1919-07-03
Page
Seite 851-852 (sequence 14)
Language
German
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VOLK UND LAND 852 851 Poale-Zion, Bund und Internationale Die Beschlüsse der Amsterdamer Konferenz der sozialistischen Internationale wurden bereits unseren Lesern mitgeteiit. Erst je zt sind wir in der Lage, eingehender über den Gang der Verhandlungen zu berichten. Dem vom Verbandsbüio der Poa'e-Ziou veröffentlichten Bericht entnehmen wir folgende Einzelheiten: Der Konferenz lagen über die Judenfrage zwei Resolutionen vor, eine seitens der Poale-Zion, die auf der Konferenz durch Leon Chasanowitsch und Berl Locker vertreten waren, und die andere seitens des 'Bund* der auf dieser Konferenz zufällig keinen Vertreter hatte. Die Resolution der Poale-Zion ist mit der von der Konferenz gefaßten Resolution identisch und bereits der Oeffentlichkeit bekannt. Die Resolution des Bundes lautete: „Das jüdische Proletariat kann in der Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina kein Mittel zur Lösung der jüdischen Frage erblicken, es kann diese Lösung nicht in einem Lande suchen, wo nur 50 000 Juden wohnen, die dort eine unbedeutende Minorität darstellen. Das jüdische Proletariat kann seine Energie nicht einem Laude zuwenden, das kei:e Rolle in seiner Befreiung spielt. Eine solche Ablenkung seiner Energie würde für seine Klasseninteressen im höchsten Maße gefährlich werden. Seine ganze Kraft hat es in seinem- Kampfe in den Ländern zu konzentrieren, wo es in kompakten Massen lebt. Dort liegt der Schwerpunkt d:r Lösung der jüdischen Frage; dort liegt auch der Schwerpunkt des Kampfes des jüdischen Proletariats um seine Be'rejung." Zuerst gelangte die Judenfrage zur Sprache auf der Sitzung der territorialen Kommission, die Von Troelstra geführt wurde und zwölf Mitglieder zähte, darun.er Chasanowitsch. 'Während der Behandlung der Judenfrage war auch der Sekretär der Internationale, Huysmans, der kein Mitglied der territorialen Kommission War. zu gegen. Troelstra berichtete über beide vorliegenden Vorschläge und beantragte, zuerst d e weitergehende Resolution der Poale-Zion zu beraten. Bernstein, dier Vertreter der Georgier, imeinte, die Judenfrage könne nur im Zusammenhänge mit den Fragen der anderen nationalen Minoritäten des ehemaligen Rußlands betrachtet werden. Troelstra erwiderte, die Jüdenfrage der ganzen Welt müsse als einheitliche Frage angesehen werden. Zur Begründung des Vorschlages der Poale-Zion erhielt das Wort Leon Chasanowitsch. Ueber die Forderung der bürgerlichen Gleichberechtigung — führte er aus — braucht man unter Sozialisten kein Wort zu verlieren. Anders liegt es, was die Forderung der nationalen Autonomie in den Ländern der Diaspora Und der Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina betrifft. Wir sind ein Volk, fühlen uns als Volk und wir können die komplizierten Fragen der Existenz des jüdischen Volkes, die wirtschaftliche und soziale Fragen sind, nur durch die Organe der nationalen Autonomie lösen. In Palästina wollen die jüdischen Volksmassen ihre Existenz auf den Grundlagen der produktiven Arbeit errichten. Wenn man ein Plebiszit unter den Juden unternimmt, so werden sich 90 Prozent aller Juden für die nationale Autonomie in der Diaspora Und für die nationaile Heimstätte in Palästina aussprechen. Die jüdischen Massen, die mit Armeniern und Belgiern am meisten unter dem Kriege gelitten haben, erwarten die Unterstützung der Internationale in ihrem Kampfe um ihre nationale Emanzipation. Troelstra unterstützte die Anträge der „Poale-Zion“. Auch Haase erklärte sich für die Anträge der Poale- Zion, verlangte aber einige redaktionelle Aenderungen, die von Ghasanowitsch akzeptiert wurden. Eine Debatte entwickelte sich um die Forderung der nationalen Rechte für die Juden in den Ländern, wo sie nicht in Massen leben. Gegen diese Forderung sprach Haase. Huysnians bemerkte, die Poale-Zion wollen sich die Möglichkeit reservieren für etwaige künftige jüdische Minoritäten. Chasanowitsch verwies auf die nationa'e Be wegung der Juden in Böhmen, Mähren, Jugoslawien, wo sie keine kompakte Masse bilden, aber Selbstverwaltung in den inneren Angelegenheiten beanspruc hen. Er zitierte auch die Rede Oskar Cohns in Weimar ü' er dfe nationalen Rechte der Juden in Deutschland. Haase meinte, die Frage wäre in Deutschland noch nicht geklärt. Troelstra schloß die Debatte mit der 'Erklärung, die Poale-Zion dürfen für diese Forderung Propaganda machen, die Internationale sei aber noch mit diesem Problem zu wenig vertraut, um endgültige Beschlüsse zu fassen. Der Satz wird von der Resolution gestrichen. Darauf wurde die Resolution einstimmig angenommen. Der Vorsitzende erklärte, die Resolution des Bundes sei damit von selbst abgelehnt und beglückwünschte die Poale-Zion, zu ihrem Erfolge. Daraufhin berichtet im Plenum Troelstra über die Verhandlungen der Judenfrage in der territorialen Kommission, skizzierte die Resolutionen der Poale-Zion und des „Bundes“ und berichtete über die Verbesserungen, die die Kommission in der Resolution der Poale-Zion gemacht hat. Gegen die Resolution der Poale-Zion sprach Dr. Justa (Argentinien). Er erklärte, daß die Bildung eines Judenstaates an und für sich eine gute Sache sein möge, aber keine Beziehung zur Internationale habe. Die Juden, sagte er, unterscheiden sich sehr wenig von den Nichtjuden, mögen, sie sich mit der nichtjüdischen Bevölkerung verschmelzen, und wir werden ein für allemal die Judenfrage loswerden. Henderson (England), der den Vorsitz führte, erwiderte dem Vorredner, er sei aus einem fernen Lande gekommen und mit den Verhältnissen Europas nicht vertraut Er stellte dann die Resolution der Poale-Zion, wie sie vom der territorialen Kommission angenommen wurde, zur Abstimmung, die ohne weitere Debatte vom Plenum der sozialistischen Internationale angenommen wurde. Die Minoritätenrechte in Polen Der Pariser Korrespondent des „Cz s“ meldet, daß der Ausschuß für neue Staaten einen Vertrag zum Schutze der Minoritäten in Polen und in Rumänien ausgearbeitet hat, welcher den polnischen Vertretern bereits übermittelt wurde und gleichzeitig 'mit dem deutschen Friedens vertrage unterschrieben werden soll. Die Grundsätze des aus vierzehn Artikeln bestehenden. Vertrages zwischen Polen einerseits und Frankreich, England, Amerika und Italien andererseits sind folgende: 1. Innerhalb zweier Jahre nach dem Inkrafttreten des Vertrages werden alle in Polen seit 1. August 1914 wohnenden Personen das Recht haben, die Staatsbürgerschaft eines anderen Staates anzunehmen. Nach Ablauf Von drei Jahren werden diejenigen, welche eine andere Staatsbürgerschaft gewählt haben, in den betreffenden Staat übersiedeln dürfen; sie dürfen ihr unbewegliches Eigentum behalten und das bewegliche Eigentum ohne Zollabgaben mitnehmen. 2. Alle polnischen Staatsbürger sind dem Gesetze gegenüber gleich. Das Glaubensbekenntnis darf keim Hindernis bei der Ausübung der politischen Rechte und bei der Zulassung zur Staatsverwaltung und zu irgendwelchen Berufen, bilden. 3. Bezüglich des Gebrauches der n i c h t polnischem Sprachen in privaten Beziehungen, im Handel, in religiösen Zeremonien, in der Presse und in dem öffentlichen Versammlungen werden keine Einschränkungen erlassen werden. Polnische Staatsangehörige michtpolnischer Zunge werden die Möglichkeit haben, ihre Sprache in Wort und Schrift vor den Gerichtshöfen zu gebrauchen.

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