Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1919)
- Date
- 1919-07-03
- Page
- Seite 849-850 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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849 VOLK und LAND 850 schaftlicher Schichten, die aus nationalen und sozialistischen Motiven unter Verzicht auf alle Ausbeutung zur produktiven Arbeit übergehen wollen, vor allem auf die im Hechaluz gesammelte Jugend. — Diese Elemente, die als Pioniere unseres zionistischen und Sozialistischen Ideals in der Partei zu einer einheitlichen Arbeitsbewegung zusammengefaßt werden, führen aus diesem Pionierbewußtsein heraus den Kampf für die Befreiung der Arbeit und die berechtigten, d. h. mit den Interessen der Volksgemeinschaft übereinstimmenden Interessen ihrer Träger. 3. Als die Aufgaben dieses Kampfes, den sie ausschließlich mit solchen geistigen und wirtschaftlichen Mitteln führt, die das Volksganze nicht gefährden, betrachtet die Partei: a) die Sicherung des Existenzminimums und der physischen Integrität jedes Gliedes der Nation; b) die Vertiefung der Arbeitsgesinnung, des Piomierbewußtseins und des Gemeinschaftsgefühls; c) die Bildung von sozialistisch lebenden Gemeinschaften in Palästina und in der Diaspora; d) die Organisierung der Arbeitenden zum Schutz ihrer 'Arbeit vor kapita’isüscher Ausbeutung und zur Hebung ihres wirtschaftlichen und kulturellen Niveaus; e) die politische Beeinflussung aller leitenden Gemeinschaftsinstitutionen im Sinne des Sozialismus und der Demokratie. Mit der Durchführung dieses Programmes will die Partei das jüdische Volk befähigen, sich als schaffendes Glied in die Gesellschaft der Nationen einzufügen und an der sozialistischen Erneuerung und kulturellen Höherentwicklung der Menschheit mitzuwirken. „Erreichtes und Versäumtes“ Der Pariser Korrespondent des „Jiddischen Kämpfer“ (New York) faßt das von der Zionistischen Delegation in Paris Errungene folgendermaßen zusammen: Die Hauptpunkte, die die zionistischen Führer verlangt haben und die ihnen auch so gut wie ganz bewilligt wurden, sind folgende: 1. Die Friedenskonferenz in Paris anerkennt ohne irgendwelchen Vorbehalt das Prinzip, daß ein jüdisches „Commonwealth“ in Palästina 'wünschenswert ist und daß dieses „Commonwealth“ von den Völkern unterstützt werden soll. ' 2. Unter Palästina hat man jenes Territorium zu verstehen, welches zur Zeit der Bibel mit diesem Namen bezeichnet worden ist, daß heißt das Land, das die Juden in den 'erfolgreichsten Jahren ihrer Geschichte besaßen, das Land, das sich von Dan bis Beerseba hinzieht und das das „größere Palästina“ genannt wird. 3. Palästina soll iinter die Aufsicht der Liga der Nationen gestellt werden. 4. Diese Liga der Nationen soll einem ihrer Mitgliedei — man meint damit sicher England — im Namen der Liga das Mandat über dieses neue Reich erteilen und das Mandat soll laut den Vorschriften und Gesetzen der Liga ausgeübt werden. Wie lange dieses Mandat andauern soll, ist Unbestimmt, und hängt von späteren Umständen ab, laut dem Willen und der Fähigkeit der Einwohner von Palästina. 5. Oie Juden in Palästina sollen nationale Rechte haben und -volle Gewalt über ihre eigenen Angelegenheiten unter allgemeiner Aufsicht des Mandatars. Dlfc jüdischen Gemeinden in Palästina, jede besonders und alle zusammen als Ganzes, sollen dieses nationale Recht bei der Einrichtung ihrer eigenen Institutionen besitzen. Sie sollen eine Art autonomes Leben in allem führen, was die Juden in Palästina berührt. Dies wird unbedingt so verstanden, daß das jüdische nationale Recht von dem Mandatar anerkannt wird. 6. Palästina wird anerkannt als jüdisches Heim — „homeland“ — aber dadurch sollen die Interessen der Juden in allen anderen Ländern wie auch die Interessen der Nichtjuden in Palästina nicht berührt werden. 7. Die Juden sollen eine proportioneile Vertreterschaft laut ihrer Macht und ihrem Einfluß in den verschiedenen „Regierungscouncils“ und anderen administrativen Einrichtungen haben. 8. Die Juden sollen das absolute Recht erhalten, die Aufsicht über di,e jüdische Immigration in Palästina zu führen. Die Juden sollen die Einwanderer an das Land anpassen und sie für die zukünftigen Bedürfnisse und Beschäftigungen vorbereiten können. Es wird unzweideutig verstanden, daß diese Regulierung ausgearbeitet und kontrolliert wird von dem jüdischen administrativen Komitee. Daher “wird die nichtjüdische Bevölkerung die Juden, die sich in Palästina niederlassen wollen, nicht stören können und gleichzeitig werden die Juden Bestimmungen treffen können, trotz liberalstem Reglement nur diejenigen zur Einwanderung zuzulassen, die dem Lande behilflich und nützlich sein können. 9. Der Besitz von Boden soll so geregelt werden, daß er nicht in die Hand von Spekulanten geraten kann. Der Boden soll nur denjenigen verkauft werden, die ihn bebauen Wollen und darüber soll die jüdische Administration zu entscheiden haben. Sie soll auch im eigenen Namen Land Tür die Landarbeiter kaufen können, so daß es nicht vertrustet werden kann. 10. Es wird verstanden und anerkannt von den Völkern der Friedenskonferenz, von der Mandatarmacht, wie auch von den Nationalitäten, die Palästina bewohnen, daß Palästina schon jetzt ein jüdisches „Home“ wird und daß ein möglicher Judenstaat in der Zukunft erwartet wird, laut den Umständen der Bevölkerung und anderen Faktoren. (Bei diesem Punkt drückt man sich nicht ganz klar aus.) Dann fährt er fort: „Diese Punkte sind die „zehn Gebote“, die die zionistischen Führer in Paris gefordert und erlangt haben. Ich schildere sie hier in meiner eigenen Sprache und nach meiner eigenen Anordnung. Die Zionisten werden wahrscheinlich nach einiger Zeit alles veröffentlichen und einige 'meiner Punkte noch berühren und von anderen Punkten bloß kürzere Details mitteilen. Aber nach der Ansicht von Weiztnann, Rosow, Jacobsohn, Chaimson/ und selbst Sokolow habe ich damit die wichtigsten Punkte mitgeteilt. Nach mannigfachen Unterredungen und Betrachtungen 'mit ihnen habe ich dies herausbekommen. Wie man sieht, haben also die Führer im allgemeinen alles erreicht, was sie verlangt haben, und weshalb? Weil sie ein solches Minimum verlangt haben, daß gar keine Möglichkeit mehr zum Verlieren übrig blieb. Den Umständen und den sehr bescheidenen Forderungen, die von den Zionisten aufgestellt worden sind, entsprechend, mußten sie gewinnen, speziell wenn man die Protektion betrachtet, die sie gehabt, und die große Arbeit, die sie geleistet haben. Deshalb haben sie mehr Erfolg gehabt als so manche große Macht. Wir haben also einstweilen nicht mehr wie eine Art „Homeland“ (ein sehr unbestimmter Terminus) in Palästina, und wir bekommen dort nationale Rechte (wie die Juden, sie jetzt in Litauen haben und wie sie die Juden in Saloniki zu haben pflegten) — das ist jetzt, das ist vorderhand. Später, wenn die Juden in Palästina die Majorität bekommen, werden diese nationalen Rechte eine andere Bedeutung haben. Dann — so wird es verstanden — (obwohl es nicht klar bezeichnet ist) wird erst der wirkliche jüdische Staat in Palästina geschaffen werden. Jener Staat, den wir eine Zeitlang erhofft haben. Jetzt haben wir einen halben Sieg — die andere Hälfte des Sieges hängt davon ab, wie schnell die Juden nach Palästina übersiedeln wollen. Es heißt also, wenn die Juden wollen, so haben wir Palästina/4