Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1919)
- Date
- 1919-07-03
- Page
- Seite 845-846 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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845 VOLK UND LAND durch Balfour und MiJner, Frankreich durch Pichon und j Tardieu, Amerika durch Lansin g und White, Italien | durch Sonnino vertreten waren. Auch Clemenceau war j zugegen. Den Versitz führte Pichon. Die in einem j Memorandum niedergelegten Forderungen begründete zuerst Sokolow in französischer Sprache, dann sprach! Weizmann englisch und/ Ussischkin unter tiefer Bej wegung der Versammlung hebräisch — wohl das erstemal, daß die Urlaute der heiligen Schrift vor einem: Forum moderner Staatsmänner erklangen. Der Dichter Andre Spire unterstützte namens der französischen Zionisten die vorgebrachten Forderungen, während Silvain Levi, der Sprecher der nichtzionistischen französischen Juden, sie bekämpfte, ohne aber sonderlichen Eindruck zu machen. Die Frage Lansings, was unter einer nationalen Heimstätte zu verstehen sei, gab Weizmann Gelegenheit zu erklären: die Zionisten forderten Bedingungen, die es zunächst etwa 60000 Juden jährlich ermöglichten, in Palästina einzuwandern, sowie eine Weiterentwickung der Kolonisation, Sprache, Schule und Verwaltung, die dazu führen, daß Palästina jüdisch werde. Sie forderten: Palästina den Juden, wie England den Engländern, Amerika den Amerikanern. Lansing erklärte sich durch diese Antwort befriedigt. Der Gesamteindruck war, daß die Konferenz den Forderungen des Zionismus günstig gestimmt sei. Sie beschloß, eine Kommission mit der Beratung der Einzelheiten dieser Forderungen zu betrauen. Natürlich ist zu einer formellen Beschlußfassung nur das! Plenum der Friedenskonferenz berechtigt; aber die Einsetzung einer solchen Kommission beweist doch, daß die Mächte der zionistiischen Palästinaforderung im Prinzip bereits zugestimmt haben. Die Einmütigkeit dieser Zustimmung wurde noch besonders hervorgehoben durch die Mitteilung Tardieus an die Presse, daß von Frankreich kein Einwand gegen Englands Sachwalterschaft über Palästina erheben werde. Ein für den Zionismus besonders glücklicher Umstand war es, daß Dr. Weizmann auf eben dieser Londoner Konferenz, auf der er über die Pariser Verhandlungen berichtete, den Gegnern einen ihrer Haupttrümpfe, den sie bei jeder Gelegenheit, und so noch Silvain Levi vor dem Zehnerausschuß, auszuspielen pflegen, nämlich die Schwierigkeiten mit dem arabischen Elemente im Palästina, aus der Hand: schlagen konnte. Es geschah dies durch die Verlesung des nachfolgenden Schreibens, das der Emir Faisul, der arabische Thronfolger und Führer der Delegation aus dem Hedschas in Paris, an den amerikanischen Zionisten, Professor Felix Frankfurter, gerichtet hat: Paris, den 1. März 1919. Ich möchte die Gelegenheit meiner ersten Berührung mit den amerikanischen Zionisten benutzen, um Ihnen zu sagen, was ich Dr. Weizmann schon wiederholt sowohl in Palästina wie in Europa sagen konnte: Wir sind der Ueberzeugung, daß Araber und Juden nahe Rassenverwandte sind, die ähnliche Verfolgungen durch Mächte erlitten haben, die stärker waren als sie selbst und) die durch ein glückliches Zusammentreffen m der Lage waren, zusammen den ersten Schritt zur Verwirklichung ihrer nationalen Ideale zu tun. Wir Araber, besonders die Gebildeten unter uns, blicken mit tiefster Sympathie auf die zionistische Bewegung. Unsere Delegation hier kennt genau die Vorschläge, die gestern von der zionistischen Organisation der Friedenskonferenz unterbreitet wurden, und wir halten sie für mäßig und berechtigt. Wir werden unsererseits unser Bestes tun, ihnen zum Siege zu verhelfen. Wir wollen den Juden unser herzlichstes Willkommen bei ihrer Rückkehr in die Heimat zürufen. Mit den Führern eurer Bewegung, 846 besonders mit Dr. Weizmann, standen und stehen wir noch immer in engster Verbindung. Er hat unserer Sache große Dienste geleistet, und ich hoffe, daß die Araber bald imstande sein werden, den Juden ihre Güte zu vergelten. Wir arbeiten zusammen für einen neugestalteten und wiederauflebenden Orient und, unsere beiden Bewegungen ergänzen einander. Die jüdische Bewegung ist national und nicht imperialistisch auch unsere Bewegung ist national und nicht imperialistisch, in Syrien ist für uns beide Raum genug. Ich glaube, daß jeder von uns des anderen Volkes zum wirklichen Erfolge bedarf. Weniger unterrichtete und weniger verantwortungsvolle Menschen als Eure und unsere Führer, die nicht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens der Araber una der Zionisten kennen, haben versucht, auf die lokalen Schwierigkeiten hinzuweisen, die notwendigerweise in Palästina in den ersten Entwicklungsstadien unserer Bewegung entstehen müssen. Einige von ihnen haben, wie ich fürchte, den arabischen Bauern Ihre Wünsche und den jüdischen Bauern unsere Wünsche in einem falschen Lichte gezeigt, mit dem Erfolge, dab die hieran interessierten Parteien Kapital aus dem) geschlagen haben, was sie unsere Differenzen nennen. Ich möchte Ihnen meine volle Ueberzeugung aussprechen, daß diese Differenzen nicht in prinzipiellen Fragen, sondern in Detailfragen bestehen und solcher Art sind, wie sie unvermeidlich bei jeder Berührung benachbarter Völker Vorkommen müssen und durch beiderseitigen guten Willen leicht beseitigt werden können. Sicherlich werden bei genauerer gegenseitiger Kenntnis fast alle Mißverständnisse schwinden. Ich und mein Volk sehen einer Zukunft entgegen, in der Sie uns und wir Ihnen helfen werden, so daß die Länder, an denen wir gemeinsames Interesse haben, aufs neue ihre Rolle in der Gemeinschaft der Kulturvölker der Welt spielen werden. Faisul. Aber auch abgesehen von der Palästinafrage, die natürlich den Mittelpunkt der Verhandlungen bildete, wird die Londoner Tagung für die zionistische Bewegung von bleibender Bedeutung sein. Sie ist die erste internationale zionistische Konferenz seit Kriegsausbruch gewesen und hat sofort bewiesen, daß die zionistische Organisation während des Krieges keine Schwächung erfahren hat. Zwar haben die Verhältnisse es den deutschen Zionisten nicht ermöglicht, an dieser Tagung teifzunehmen, aber die Berliner Mitglieder des Engeren Aktionskomitees haben sich mit ihrem Kopenhagener Kollegen Dr. Jacobson vor dessen Reise nach London eingehend beraten und ihn bevollmächtigt, auch für sie in London zu sprechen und zu stimmen. So sind die Beschlüsse der Londoner Konferenz, durch welche das Zentralbüro der Zionistischen Organisation nach London verlegt und ihm ein Zweigbüro in Kopenhagen subordiniert wird, mit Zustimmung aller Mitglieder des Engeren Aktionskomitees gefaßt worden. Es steht also die zionistische Organisation trotz des Krieges unerschüttert und einheitlich da. Freilich die führenden Männer imi Zionismus wissen wohl: so wenig mit dem Briefe Faisuls die Widerstände und Schwierigkeiten schon erledigt sind, die von seiten der Araber drohen, so wenig sind zahlreiche andere Hindernisse zu übersehen, die sich tfer Verwirklichung der zionistischen Idee entgegentürmen. Dennoch aber: wenn man die 22 Jahre vom 29. -August 1897, als auf dem Kongreß von Basel der Zionismus eine politische Idee wurde, bis zumf 27. Februar 1919, da seine Hauptpostulate ihre historische Anerkennung und Bestätigung gefunden haben, überblickt, so wird' man das Ergebnis einer solchen Betrachtung trotzdem in die Worte kleiden dürfen: Der Zionismus vor seinem Triumphe! („Der Neue Orient“.)